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"Die Unsichtbare": Mutter und Sohn im Team

Christian Schwochow hat für seinen Film "Die Unsichtbare" seine Mutter Heide ins Team geholt - wie schon bei "Novemberkind". Im Interview erzählen die beiden, dass es nicht immer leicht ist, wenn Mutter und Sohn gemeinsam am Set stehen.

        

„Manchmal denke ich, es wäre schön, einfach nur mal wieder Mutter und Sohn zu sein“   – Heide Schwochow (58) und Christian Schwochow (33).
„Manchmal denke ich, es wäre schön, einfach nur mal wieder Mutter und Sohn zu sein“ – Heide Schwochow (58) und Christian Schwochow (33).
Foto: David Oliveira

Christian Schwochow und seine Mutter Heide sitzen in der Lobby eines Hotels in Berlin-Mitte. Ihr Film „Die Unsichtbare“ ist gerade angelaufen. Sie haben zusammen das Drehbuch geschrieben, wie schon für „Novemberkind“, Christian Schwochows Diplomfilm, der von Kritikern gefeiert und auf Festivals mit Preisen überhäuft wurde. „Die Unsichtbare“ spielt nicht weit von hier, an der Berliner Volksbühne. Es geht um eine Schauspielstudentin, die an der Hauptrolle in einem Theaterstück beinahe zerbricht.

Sie sind in diesen Tagen viel gemeinsam unterwegs, als Kollegen gewissermaßen. Welche Rolle spielt es dabei, dass Sie Mutter und Sohn sind?

Heide Schwochow: Vorhin, als Christian draußen eine rauchte, wollte ich auch rauchen, und Christian sagte: Du sollst doch nicht rauchen. Und ich sagte: Du rauchst doch auch, obwohl du erkältet bist. Und er sagte: Ich bin aber nervös. Da habe ich gedacht, ich bin auch nervös, aber ich habe es nicht gesagt, weil ich Christian in so einem Moment die größere Nervosität zugestehe. Da bin ich eben Mutter.

Es gibt nur sehr wenige Eltern-Kind-Paare in Ihrer Branche und schon gar kein Drehbuch-Regie-Gespann.

Heide Schwochow: Mir fällt auch niemand sonst ein.

Christian Schwochow: Vielleicht ist das so selten, weil die kreativen Berufe Ego-Berufe sind und es schwer ist, überhaupt einen Partner zu finden. Im Handwerk arbeiten Familienmitglieder ja oft zusammen. Bei meinem Bäcker im Prenzlauer Berg ist es beispielsweise so.

Wie fing Ihre Zusammenarbeit an?

Heide Schwochow: Wir haben zu Hause schon immer zusammen Filme gesehen und darüber geredet. Christian hat mal gesagt, bei uns wurde immer alles analysiert. Und als er an der Filmhochschule in Baden-Württemberg zu studieren anfing, war ich total neugierig. Ich wollte wissen, wie das geht, habe ihn ständig gefragt, was er da lernt und habe all die Sachen gelesen und gesehen, die Christian geschrieben und gefilmt hat. Und den Drittjahresfilm haben wir dann eben zusammen geschrieben.

Gab es Leute im Studium, die gesagt haben: Was, du arbeitest mit deiner Mutter zusammen?

Christian Schwochow: Ja, sowas hört man ständig. Viele können sich das gar nicht vorstellen. Aber das hat mich nicht so interessiert.

Heide Schwochow: Ich bekomme meistens positive Reaktionen. Selten hat jemand gesagt: Das geht doch gar nicht. Ich glaube, dass das auch nur funktioniert, weil Christian so eine eigenständige Persönlichkeit ist. Dass er ein Muttersöhnchen sein könnte, darauf kommt bei ihm einfach niemand.

"Sex ist wie Buttercremetorte essen", sagt die Mutter

Können Sie sich gut streiten?

Heide Schwochow: Ja. Es wird ausgesprochen, dann knallt es, und dann ist wieder gut.

Wie schreiben Sie zusammen? Von wem stammt beispielsweise der Satz aus Ihrem neuen Film: „Sex ist für mich wie Kuchenessen, ich esse und esse und kann nicht genug kriegen“?

Heide Schwochow: Das war ich. Ich habe aber nicht gesagt „Kuchenessen“, sondern: „Sex ist für mich wie Buttercremetorte essen“, was Christian dann nicht mochte. Das mit der Buttercreme war ihm zu viel.

Gibt es etwas, was der eine besser kann als der andere?

Christian Schwochow: Am Anfang ist Heide mehr der Vulkan, der Ideen in alle Richtungen auswirft. Und ich bin eher derjenige, der die Fragen dazu stellt. Ich sehe sofort, wenn etwas nicht aufgeht. Heide denkt stark im Detail und kann eine Idee frei wachsen lassen. Ich gucke eher von außen darauf und versuche, das Ganze in eine Form zu bringen.

Sie sagen Heide zu Ihrer Mutter?

Christian Schwochow: Ich sage Heide und Mutter. Schon immer.

Beim Arbeiten eher Heide und privat eher Mutter?

Christian Schwochow: Nein, das mischt sich.

Wollten Sie das so, Frau Schwochow? Als Eltern kann man ja ganz gut steuern, wie man von seinem Kind genannt wird.

Heide Schwochow: Wenn ich Christian eine Mail schreibe, schreibe ich Heide. Das liegt auch daran, dass mein Mann Berliner ist, und bei dem zu Hause hieß es immer Mutter und Vater. Für mich klingt das hart. Und Mama würde bei uns nicht passen. Hat noch nie gepasst.

Christian Schwochow: Stimmt, unser Produzent sagt, wenn er anruft: Kommt denn deine Mami auch? Da schüttelt es mich.

Sie, Frau Schwochow, sind dann in der Zusammenarbeit also eher das verspielte Kind?

Christian Schwochow: Ja, das ist so.

Heide Schwochow: Und zum Anfang war es für mich noch einfacher, da war er noch nicht so schlau wie jetzt. Jetzt kommen von ihm oft ganz schnell Gegenargumente, mit denen er recht hat, aber ich wehre mich immer noch ein bisschen dagegen, weil ich meine Idee weiter ausspinnen will. Insgesamt ist es ein Luxus, dass wir so arbeiten können. Aber manchmal denke ich, es wäre schön, einfach nur mal wieder Mutter und Sohn zu sein.

Christian Schwochow: Die Arbeit an einem Drehbuch ist so intensiv. Es ist schwer, damit einen professionellen Umgang zu finden und zu sagen, das ist jetzt Bürozeit und das nicht. Bei diesem Film war es besonders schlimm. Das Drehbuch hat erstmal ganz viel Ablehnung bekommen. Weil es ums Theater geht, um Schauspieler. Viele haben gesagt, das ist ja so abgehoben. Es gab eine Phase, im Sommer 2009, da habe ich in New York einen Schauspielkurs am Lee Strasberg Institut gemacht und kam mit einem großen Koffer voller Ideen zurück. Das halbe Jahr danach ging es aber überhaupt nicht weiter, und diese Zeit war schlimm. Da haben wir beide kaum gegessen und geschlafen. Irgendwann glaubt man einfach nicht mehr daran, dass es noch was wird.

Wer war in dieser Situation der Besonnenere?

Heide Schwochow: Christian. Der gibt nicht auf. Ich weiß noch, dass ich irgendwann mal nicht mehr konnte. Und für ihn kam es gar nicht infrage, hinzuschmeißen.

Christian Schwochow: Es war auch finanziell nicht so leicht, weil man ja nicht doppelt verdient, wenn man zu zweit ein Drehbuch schreibt. Dann kam der völlig überraschende Erfolg von „Novemberkind“ dazwischen, und danach war der Druck viel größer. Es gab Fassungen, an denen wir nichts mehr gut fanden. Gar nichts mehr. Das wird dann auch gefährlich, weil wir beide unter Schlaflosigkeit leiden.

Rufen Sie sich dann nachts an?

Christian Schwochow: Nee, nachts nicht.

Heide Schwochow: Wir erzählen es uns auch nicht, aber wir sehen es an den Augenrändern.

Lesen Sie weiter: "Ich misstraue Erfolg"

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Datum:  17 | 2 | 2012
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