Mr. Brand, in England sind Sie bekannt und berüchtigt geworden, weil Sie in Ihren Shows andere Leute beleidigen und mit Vorliebe öbszön werden. Woher kommt dieser Zwang zu schockieren?
Anfangs wollte ich dadurch eben auf mich aufmerksam machen. Ich war als Kind ziemlich pummelig und ein ziemlicher Einzelgänger, also nicht gerade sehr beliebt. Als ich dann in die Pubertät kam, wollte ich das endlich kompensieren. Dann hat es mir sicher auch jede Menge Spaß gemacht, die Leute aus ihren eingefahrenen Bahnen zu reißen, sie sozusagen entgleisen zu lassen. Ich habe mir mit diesen Aktionen aber oft am meisten selbst geschadet und bin deswegen aus diversen Radio- und TV-Shows geflogen...
...etwa aus einer BBC-Radio-Show, weil Sie dem Schauspieler Andrew Sachs schwiemelige Sex-Fantasien auf den Anrufbeantworter sprachen. Sie erzählten ihm Details aus einer vermeintlichen Liebesnacht mit seiner Enkelin und mutmaßten, der alte Mr. Sachs würde sich nun vielleicht das Leben nehmen. Finden Sie das lustig?
Na ja, ich habe durchaus eine sehr selbstzerstörerische Ader. Ich war ein Junkie, ich war sexsüchtig...
Bereuen Sie irgendeine Ihrer Beleidigungen?
Ich muss auch mal sagen, dass ich für meine Art der Stand-up-Comedy und für meine TV- und Radioshows auch mehrfach mit Preisen bedacht worden bin. Aber okay: Was meinen Humor betrifft, das hat sich mittlerweile gelegt: Ich will jetzt die Leute nur noch zum Lachen bringen.
Russell Brand, 35, fiel zuletzt vor allem als Provokateur, Exhibitionist, Sex- und Drogenabhängiger auf, was ihm in seiner Heimat England Kultstatus einbrachte. Popsängerin Katy Perry nennt ihren künftigen Gatten zärtlich „professionelle Hure“. Nach diversen Entzügen erfand er sich neu – als Schauspieler in Filmen wie „Nie wieder Sex mit dem Ex“ (2008). Der Erfolg war eher bescheiden.
In „Männertrip“ spielt Russell einen abgehalfterten Rockstar. Der Film (Regie: Judd Apatow) läuft seit Donnerstag im Kino und wird von der Kritik – je nach Humorverständnis – als „genial“ oder „grauenvoll“ eingestuft.
In Ihrer jüngsten Kinokomödie „Männertrip“ bleibt der Humor noch konsequent unter der Gürtellinie. Spielen Sie den abgewrackten, saufenden, vögelnden Rockstar Aldous Snow frei nach Ihrer eigenen Biografie?
Ich habe noch nie einen so fertigen, drogenabhängigen und durchgeknallten Typen gespielt und ich konnte mir mit dieser Rolle endlich meinen großen Lebenstraum erfüllen: einmal so zu tun, als wäre ich ein gefeierter Rockstar. Außerdem konnte ich in die Rolle sehr viel von meinen eigenen Erfahrun-gen einbringen – und auch ein bisschen von meiner Persönlichkeit.
Sie meinen vor allem Ihre Drogenabhängigkeit und Sexbesessenheit,oder?
Ja, aber nicht nur. Ich konnte den Machern von „Männertrip“ auch einige sehr nützliche Tipps geben, wie man als Borderline-Celebrity so über die Runden kommt (lacht). Natürlich weiß ich durch meine Heroin-Abhängigkeit auch, wie man sich als Junkie fühlt. Aber das sind Erinnerungen aus einem anderen Leben. Ich bin – Gott sei Dank – nach elf Jahren Drogensucht jetzt schon seit über fünf Jahren vollkommen clean.
Und Ihre Sex-Sucht?
Die haben sie mir nicht mal in sogenannten „Sex-Sucht“-Kliniken austreiben können. Allerdings schlafe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr wahllos mit verschiedenen Frauen, wie ich es früher fast täglich getan habe. Das hat aber einen anderen Grund: dass ich seit einigen Monaten total in Katy Perry verliebt und mit ihr zusammen bin. Seit ich ihr begegnete, habe ich das Gefühl, endlich das andere Puzzle-Stück gefunden zu haben, das mich zu einem kompletten Menschen macht. Ende des Jahres werden wir sogar heiraten.
Der Schwerenöter Russell Brand wird zum treuen Ehemann?
Ganz genau, ob Sie es glauben oder nicht! Seit ich Katy kenne, bin ich total monogam. Mir fehlt absolut nichts. Und wenn wir erst mal verheiratet sind und Kinder haben, gehört Treue sowieso absolut dazu. Warum sollte man sich sonst wohl das Eheversprechen geben?! Aber keine Angst – ich werde meine Libido so schnell nicht verlieren. Denn die gehört zu mir, zu meinem Leben. Und ob auf künstlerischer oder sexueller Ebene – ich mag’s eben gern wild.
Sie scheinen ständig unter Strom zu stehen. Woher nehmen Sie diese Energie?
Ich liebe das Leben! Und ich setze mich immer wieder neuen Erfahrungen aus.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten fünf Menschen der Weltgeschichte heute zum Abendessen einladen…
…müssten die sich untereinander gut verstehen?
Nicht unbedingt.
Okay, super. Dann würde ich Dorothy Parker, Che Guevara, Gandhi, Muhammad Ali und Alexander den Großen einladen. Das wäre ein Fest!
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