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11. Januar 2010

"Iris Gate" in Nordirland: Gefährliche Liebschaft

 Von Barbara Klimke
Bei Iris Robinson und Ehemann Peter, Ministerpräsident Nordirlands, lief schon damals etwas schief. Foto: dpa

Die Affäre der 59-Jährigen mit einem 19-Jährigen könnte Nordirlands Regierung gefährden: Die First Lady Iris Robinson hat sich in psychiatrische Behandlung begeben. Von Barbara Klimke

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London. Es begann als außereheliche Liaison der Ministerpräsidentengattin. Mittlerweile hat die verhängnisvolle Affäre das Potenzial, die Regierungskoalition in Belfast zu beenden und sogar den Friedensprozess in Nordirland zu stoppen.

Nach den pikanten Enthüllungen über ihre Affäre mit einem deutlich jüngeren Geliebten hat sich die Frau des nordirischen Regierungschefs Peter Robinson in psychiatrische Behandlung begeben. Dies teilte Robinson am späten Sonntagabend mit, um Spekulationen über den Aufenthaltsort seiner Frau zu beenden.

Iris Robinson, die selbst Politikerin ist, leidet seit längerem unter schweren Depressionen. Sie werde in einer Klinik in Belfast derzeit "intensiv" behandelt, erklärte der Regierungschef.

In Großbritannien ist bereits von "Iris-Gate" die Rede - weil Iris Robinson, selbst Politikerin und verheiratet mit Peter Robinson, dem Chef der nordirischen Regionalregierung, ihren Mann im Amt stürzen kann.

Die Beziehung von Iris Robinson, damals 59, zu einem 19-jährigen Mann war in der vergangenen Woche bekanntgeworden. Kurz darauf wurden fragwürdige Finanzgeschäfte der First Lady bekannt. Sie ermöglichte ihrem Lover, ein Bistro in Belfast zu eröffnen, mit Hilfe von 50.000 Pfund (56.000 Euro), die sie angeblich von zwei Bauträgern erhalten hatte. Der Vorwurf lautet, dass sie ihrem jugendlichen Liebhaber zu finanziellem Vorteil verholfen habe, ohne als Belfaster Abgeordnete ihr persönliches Interesse offenzulegen. Ihrem Mann, dem Ministerpräsidenten, wird unterstellt, dass er von Geld wusste, aber die Aufsichtsbehörden nicht informierte, wozu er verpflichtet gewesen wäre.

Peter Robinson, der Vorsitzende der rigoros protestantischen Democratic Unionist Party DUP, bestreitet sein eigenes Fehlverhalten vehement: "Ich bin nicht mal in der Lage, meine Frau zu diesem Themen zu befragen." Er will gegen die "Unterstellungen und Andeutungen" vorgehen und hat eine offizielle Untersuchung seines eigenen Verhaltens angeordnet. Seine Partei hat ihm eine Woche Zeit gegeben, die Vorwürfe aus der Welt zu räumen.

Rückzug aus der Politik angekündigt

In einem Interview hatte Robinson erst am Mittwoch vergangener Woche überraschend über seine Eheprobleme geredet. Von der Affäre seiner Gattin hat er demnach im März des vergangenen Jahres erfahren, an dem Tag, als seine Frau sich selbst umzubringen versucht hatte. Iris Robinson hat inzwischen aus gesundheitlichen Gründen ihren Rückzug aus der Politik angekündigt; sie wird aus der DUP austreten und ihren Sitz sowohl in der nordirischen Regionalvertretung als auch im britischen Parlament von Westminister aufgeben.

Die Robinsons sind seit 1970 verheiratet und haben drei erwachsene Kinder. Wie britische Medien übereinstimmend berichteten, begann die Liaison mit dem jungen Mann, nachdem dessen Vater gestorben war und sich Iris Robinson, eine Bekannte der Familie, seiner annahm. Publik wurde die Affäre, als Iris Robinson nach deren Ende angeblich den Kredit für das Bistro zurückzufordern begann: Ein ehemaliger Mitarbeiter der Politikerin gab die Details der vermeintlichen Finanzgeschäft an den Fernsehsender BBC weiter; angeblich, weil er verärgert darüber war, dass Iris Robinson auf kommunaler Ebene über den Bistro-Vertrag für ihren Lover mit entschieden hatte, ohne ihr persönliches oder finanzielles Interesse angezeigt zu haben.

Die britischen Medien zogen, nicht ganz zu Unrecht, Parallelen zwischen Nordirlands First Lady Robinson und Simon & Garfunkels "Mrs. Robinson", dem Titelsong zum Film "Die Reifeprüfung". Doch politisch könnten die Folgen der Affäre brenzlig sein - nicht wegen Mrs., sondern wegen Mr. Robinson. Der frühere nordirische Ministerpräsident David Trimble von der Ulster Unionist Party hat Peter Robinson bereits indirekt zum Rücktritt aufgefordert: Der Chef der Koalitionsregierung habe "an Autorität verloren", glaubt Trimble und könne nicht auf der Regierungsbank versuchen, seinen Ruf zu retten. Auch Martin McGuiness, Vize-Ministerpräsident und Chef der in Nordirland mitregierenden katholischen Partei Sinn Fein, forderte seinen Koalitionspartner auf, die Vorwürfe rasch aufzuklären.

Die Enthüllungen um die gefährliche Liebschaft könnten zu keinem unglücklicheren Zeitpunkt kommen. Der mühsam verhandelte Frieden zwischen Protestanten und Katholiken steht seit einiger Zeit auf der Kippe. Die Koalitionsregierung Belfast spürt unter Druck, die Übernahme der Verantwortung für Polizei und Justiz voranzutreiben. Die innere Sicherheit untersteht noch der Zentralregierung in London, und das friedliche Zusammenleben in der ehemaligen Bürgerkriegsprovinz ist längst nicht gesichert. Erst am Freitag wurde ein Polizist schwer verletzt, als ein Sprengsatz explodierte. Eigentlich ist es für die Politiker in Nordirland kaum zu rechtfertigen, sich statt mit den politischen Problemen mit der Affäre von Mrs. Robinson die Zeit zu vertreiben. (mit AFP)

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