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07. Januar 2012

Jason Mecier: Der Meister und sein Müll

 Von Anna-Lena Buchmaier
So kennt man Andy Warhol normalerweise. Doch der amerikanische Künstler Jason Mecier porträtiert ihn in 3D-Mosaiken - aus Suppendosen und Babanenschalen.  Foto: ddp

Ob Andy Warhol aus Suppendosen und Bananenschalen oder Pamela Anderson aus Süßigkeiten: Der Künstler Jason Mecier porträtiert Popikonen in 3D-Mosaiken aus Abfall. Bei den richtigen Künstlern kommt Mecier aber gar nicht gut an.

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Andy Warhol, verewigt in Suppendosen und Bananen.

Jason Mecier wurde am 18. Oktober 1968 in Los Angeles geboren und lebt heute in San Francisco. Seit mehr als zehn Jahren fertigt er seine 3D-Mosaiken von Ikonen der Popkultur, darunter Lady Gaga, Joni Mitchell, Snoop Dogg, Taylor Swift oder auch Amy Winehouse.
Seine Porträts gestaltet Mecier aus Dingen, die man mit dem Image der porträtierten Person verbindet. Sein neuestes Werk ist das Cover von David Bowies 1973er-Album „Aladdin Sane“. Bowie ist dargestellt aus Cremetübchen, Lidschatten, Wimpernzangen und anderen Schminkutensilien.

Ein Künstler ist er, ohne Frage, wenn auch kein klassischer. Jason Mecier hat zwar keine künstlerische Ausbildung genossen, dafür besitzt er Durchhaltevermögen und Ehrgeiz, er ist kreativ und hat zweifelsohne auch Talent. Für seine Installationen aus Stiften, „Forest of Pencils“, bei der er in jahrelanger Feinarbeit 185 252 Schreibgeräte zu Kunstwerken verbaut hat, wurde er in „Ripley’s Believe It or Not“-Buch aufgenommen, einem Meisterwerk für Skurrilitäten. Und auch sonst scheint es, als wolle Mecier mit seiner Kunst Rekorde brechen, oder zumindest Aufsehen erregen. Momentan macht der Kalifornier mit Müll-Kunstwerken von sich reden. Ob Andy Warhol, Sängerin Pink, Donald Trump oder die Spice Girls – Mecier verewigt Pop-Ikonen in Müll.

Alles mit Tacker und Alleskleber befestigt

Am Anfang seiner Künstlerkarriere sammelte Mecier selbst noch Abfälle, mittlerweile bekommt der 43-Jährige ganze Schuhkartons, Tüten oder sogar Wagenladungen voll ausrangierter persönlicher Besitztümer von Stars zugeschickt, die er portraitiert. Von Tannenzapfen über Kosmetika, Brillen und Schmuck bis hin zu alten Zahnspangen oder Kaugummipapierchen ist alles mit dabei. Mit Haushaltsklebstoffen, Buchbinde- und Alleskleber, Tacker und Heißklebepistole befestigt Mecier den Schrott auf Holzplatten. Die Gesamtkomposition, die durch das farbliche Sortieren und Arrangieren des Mülls entsteht, ergibt dann das Portrait.

„3D-Mosaik“ nennt Mecier diese Müll-Collagen. Als Vorlage dient ihm ein Foto der berühmten Person, das er zuvor für die Weiterverarbeitung mit Computerprogrammen bearbeitet hat. Mindestens fünfzig Stunden braucht Mecier für ein Müll-Pop-Art-Bild. Sein Lady-Gaga-Bild war sogar erst nach zwei Monaten fertig.

Rapper Snoop Dogg mit Marihuana verziert

Doch Mecier arbeitet nicht nur mit Müll, sondern auch mit Lebensmitteln und Gegenständen, die zur Person passen. Pamela Andersson hat er schon in einem Mosaik aus Süßigkeiten verewigt, die füllige Rosie O’Donnell wurde in einer Fast-Food-Komposition abgebildet, Heath Ledger hat er aus Pillen gebastelt. Je nach Person und Thema verwendet Mecier auch Hundefutter, Gewürze und Kekse oder arrangiert, wie bei Rapper Snoop Dogg, auch mal Marihuana zu einem Kunstwerk. Damit er über längere Zeit an einem Bild arbeiten kann, benutzt er Lack, um die Lebensmittel zu konservieren. Bei schnell verderblichen Produkten wie Früchten oder Hot Dogs, muss er schnell arbeiten und seine Arbeit sofort fotografieren. „Ich werfe die Mosaike weg, bevor Fliegen und Ameisen kommen“, so Mecier.

Inspiriert zu dieser fragwürdigen Art von Lebensmittelverwertung hat ihn seine Großmutter Anita Tollefson, die auch Künstlerin war. „Sie hat mir alles beigebracht – sie war meine Mentorin“, so der 43-Jährige, der in Los Angeles geboren wurde und heute in San Francisco lebt. Als Kind war Mecier oft dabei, wenn seine Oma künstlerisch arbeitete. Sie war es , die ihren Enkelsohn dazu inspirierte, Mosaike aus Bohnen, Nudeln, Steinen und Bambus zu fertigen. „Meine Großmutter riet mir, einfache Materialien zu nehmen. Sie selbst hätte lieber auf die Rückseite ihrer Zigarettenschachtel als auf eine Leinwand gemalt. Von ihr lernte ich, dass ich aus allem Kunst machen kann“, sagt Mecier. Diesem Grundsatz ist der Amerikaner treu geblieben.

"Meine Kunst wird nicht ernst genommen"

Mit seiner Kunst ist Mecier in den USA schon bekannt, er kann von seinen Werken leben. Die schrillen Mosaike hängen in Cafés, Friseursalons, Promi-Villen aber auch in Galerien und Museen. Bald soll ein Bildband über seine Arbeiten erscheinen. Doch von seiner amerikanisierten, kommerziellen Trash-Pop-Art sind nicht alle begeistert. In der Kunstszene hat sich der Mann, der Müll in Bilder verwandelt, noch nicht etabliert. „Ich glaube, ich werde in der Kunstszene nicht ernst genommen. Manche halten meine Kunst für intellektuell anspruchslos. Andere finden, es ist Handwerk oder Außenseiterkunst.“

Für die einen sind die Bilder ein kultiger Hingucker, für die anderen nur das, aus was sie bestehen: Müll. Jason Mecier jedenfalls möchte mit seinen Bildern keine bestimmte Botschaft vermitteln: „Ich möchte, dass sich jeder Betrachter seine eigene Meinung über meine Kunst bildet.“

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