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"Krabat": "Ich habe mich immer gerne gegruselt"

Was der Schauspieler Daniel Brühl an der Geschichte von Otfried Preußler mochte.

Um bei der Verfilmung von Otfried Preußlers Buch "Krabat" mitspielen, zu können, haben Sie einen internationalen Dreh abgesagt, welcher war das denn?

Es wäre der Film eines bekannten spanischen Regisseurs gewesen. Letzten Endes hat die Rolle Elijah Wood gespielt. Das fand ich sehr lustig, dass der Hobbit aus dem "Herrn der Ringe" meinen Part übernommen hat und ich stattdessen einen Fantasy-Film mache. Ich verlasse mich bei so etwas immer auf meinen Bauch. Es wäre finanziell zwar eine andere Chose gewesen, aber "Krabat" hat mich mit 13, als das unsere Schullektüre war, ziemlich begeistert.

Was war das Faszinierende daran?

Die ganze düstere Stimmung, die Zauberei, die Welt dieser Mühle mit den dunklen Machenschaften. Auch die Freundschaft unter den Gesellen. Ich fand diese Beziehung zwischen dem etwas älteren Tonda, den ich ja nun gespielt haben, und dem jungen, unerfahrenen Krabat damals schon ganz rührend. Nicht so sehr die Liebesgeschichte, die ja auch dazu gehört. Mit 13 haben mich Mädels noch nicht so interessiert.

Es ist ein düsteres Buch voller knarzender Holzböden, kreischender Raben und finsterer Gesellen: Hat es Ihnen als jugendlichem Leser Angst gemacht?

Total. Ich habe mich immer gerne gegruselt. Ich war auch ein bisschen masochistisch. Ich vertrage das zum Teil nicht und gucke es mir dann trotzdem an. Ich habe mir damals auch den "Exorzisten" heimlich angeschaut, als meine Eltern aus dem Haus waren. Anschließend war ich wie paralysiert und hatte wochenlang Schiss.

Wie war das bei "Krabat", sich Jahre nach der ersten Lektüre noch einmal damit auseinanderzusetzen? Das könnte ein ernüchterndes Erlebnis sein, weil man die Faszination plötzlich nicht mehr nachvollziehen kann.

Ich fand es aber wieder spannend. Und ich habe gemerkt, dass ich diese ganzen Rollen als Figuren echt noch im Kopf hatte. Auch bestimmte Situationen waren hängengeblieben.

Erinnern Sie sich noch an das Bild, das sie sich früher von Tonda gemacht haben? Der sah vermutlich nicht aus wie Sie selbst, oder?

Ganz bestimmt nicht. So eitel war ich nie. Auf jeden Fall war er schmal, ein bisschen älter als ich. Im Roman hat er grauweißes, wallendes Haar. Das ist im Film etwas anders. Ich habe mir Tonda immer in langen, fließenden Gewändern vorgestellt. Irgendwie zarter als ich es jetzt bin. Obwohl ich ja auch kein harter, kerniger Typ bin. Anders jedenfalls.

In gewisser Weise hat so ein Film auch etwas sehr Destruktives. Man zerstört Bilder, indem man Fantasiefiguren ein Gesicht verleiht.

Gleichzeitig kreiert man aber etwas Neues. Eine andere Version, die man sich so nicht hätte träumen lassen. Ich sehe das als Ergänzung. Das ruiniert nicht die Vorstellung, die ich von etwas habe. Natürlich werde ich im Nachhinein bei bestimmten Sachen eher an diesen Film denken als an die Fantasie, die ich vor 17 Jahren hatte. Krabat werde ich jetzt immer mit dem Gesicht des Hauptdarstellers David Kross verbinden. Sie haben als kleiner Junge beim Lesen des Romans Angst gehabt. "Krabat" hat eine Altersfreigabe erst ab 12. Ist der Film Jüngeren gar nicht zuzumuten?

Natürlich ist der gruselig. Aber was die Kinder sich heutzutage reinziehen ist viel heftiger als das, was in dem Film gezeigt wird. Es gibt kurze Momente, die man Sechsjährigen vielleicht nicht unbedingt zeigen sollte. Trotzdem könnte sich das ein hartgesottener Zehnjähriger reinziehen. Man sieht, wie sich jemand erhängt. Kurz taucht eine Wasserleiche auf. Mein Neffe wird gerade eingeschult, für den wäre das noch nichts. Gar nicht, weil man so viel Schlimmes sieht. Es ist eher die Grundstimmung, die Dunkelheit.

Die Mühle wirkt nicht nur düster, sondern auch matschig, schmutzig und oft kühl. Haben Sie das während der Aufnahmen gespürt?

Es war auf jeden Fall gut, dass wir ein bisschen gelitten haben. Es waren raue Zeiten, zu denen das spielt, der Dreißigjährige Krieg. Da ist es gut, wenn der Dreh kein Wellness-Urlaub ist. Ab und zu wird so etwas zu einem richtig intensiven Erlebnis. Wenn die Kamera sich verstecken muss beispielsweise und das Team auch weit weg ist. Es gab da eine Situation auf dem Feld, in der wir alle mit freiem Oberkörper durch die Ähren säbeln. Wenn du dann in eine bestimmte Richtung guckst, einfach nur in die Landschaft siehst, jeder steckt in diesen Klamotten, mit der Maske, im Hintergrund die Mühle, dann ist das auf eine gewisse Weise für wenige Sekunden eine Zeitreise. Es ist ja nicht wie beim Kölner Karneval, wo du dir eine Piratenuniform anziehst, aber alle darum herum bescheuert aussehen und ein Auto an dir vorbei fährt. Manchmal hatte ich Momente, in denen ich dachte: Wow! Wenn du ganz kurz vergisst, dass du drehst, dann ist das irre. Das liebe ich an den historischen Filmen.

Interview: Johannes Gernert

Datum:  10 | 10 | 2008
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