Hamideh Mohagheghi, 57 Jahre
Wussten Sie, dass Frauenfußball hier in Deutschland bis 1970 verboten war? Das ist nur ein kleines Beispiel, aber daran sieht man, dass vieles zum Glück heute leichter geworden ist. Aber volle Gleichberechtigung haben wir leider noch lange nicht. Frauen bekommen nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und mich stört vor allem, dass die Familienarbeit so unterbewertet wird.
Warum werden Frauen immer noch schief angesehen, wenn sie sich zu Hause längere Zeit um ihre kleinen Kinder kümmern? Das muss genauso als Arbeit geachtet werden wie jede andere Berufstätigkeit, und es müsste auch so entlohnt werden. Und wenn eine Frau erst nach zwei oder drei Jahren wieder zurückkehrt, ist es mit der Karriere oft vorbei. Das geht nicht! Es müsste mehr flexible Arbeitszeiten geben, Kinderbetreuung am Arbeitsplatz, oder Frauen sollten von zu Hause aus sporadisch arbeiten können. Aber auch in den Familien sind die Lasten ungleich verteilt, wenn beide Eltern arbeiten. Sicher interessieren sich die Väter heute mehr als früher für die Kinder. Aber das meiste, was im Alltag organisiert werden muss, bleibt an den Frauen hängen: Wer ruft denn den Babysitter an, wer steht nach der Arbeit sofort für die Kinder bereit, wer kauft noch was ein? Das alles gilt für uns Muslime genauso, da gibt es überhaupt keinen Unterschied.
In den Moscheegemeinden rücken zum Glück langsam mehr Frauen in die Vorstände auf. Da werden die Debatten oft sachlicher, man kommt schneller voran. Aber wenn es darum geht, nach außen zu sprechen, sind meist die Männer da. Ob eine Frauenquote für Vorstandsposten das Richtige ist, weiß ich nicht. Als Übergangslösung vielleicht, um erst mal einen Anfang zu machen und das Umdenken in den Köpfen voranzubringen, gerade bei uns Muslimen. Denn die Frauen bei uns haben oft weniger Ängste, wenn es um Modernisierung und neue Entwicklungen geht.
Aufgezeichnet von Ursula Rüssmann
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