Tokio. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein Selbstmord: Yoshiyuki Oide lag tot in seinem Auto in Saitama, vergiftet durch Kohlenmonoxid-Gas aus einem tragbaren Kohle-Öfchen - eine verbreitete Methode der Selbsttötung in Japan. Doch der 41-jährige Büroangestellte hatte zuletzt glücklich gewirkt, keinen Abschiedsbrief hinterlassen und in seinem Internet-Tagebuch von einer bevorstehenden Reise mit seiner Verlobten zu den künftigen Schwiegereltern berichtet. Autoschlüssel und zwei Taschen fehlten.
Dann entdeckte die Polizei, dass Oide seiner Verlobten zuvor fünf Millionen Yen (37.000 Euro) überwiesen hatte. Als in seinem Körper bei der Autopsie das gleiche Schlafmittel gefunden wurde, das ein Arzt der Frau verschrieben hatte, verdichtete sich der Mordverdacht gegen die 34-Jährige.
Die Beschuldigte, Kanae K., erklärte, der Angestellte hätte sich vermutlich unter Schock umgebracht, weil sie die Beziehung zu ihm beendet habe. Sie sei mit dem Zug nach Tokio zurückgefahren. Doch die Polizei geht inzwischen davon aus, dass Oide einer "schwarzen Witwe" zum Opfer gefallen ist. Frau K. soll Männern die Heirat versprochen und viel Geld bekommen haben. Insgesamt sechs ihrer Bekanntschaften starben unter mysteriösen Umständen. In der Wohnung der mutmaßlichen Serienmörderin wurden mehrere Kohle-Öfchen sichergestellt, im Internet hatte sie vor zwei Toden jeweils Holzkohle bestellt.
Der von ihr versorgte 80-jährige Kenzo Ando kam im Mai bei einem Brand in seinem Haus ums Leben. Er hatte das gleiche Schlafmittel wie Oide im Blut, ein Kohle-Öfchen hatte das Feuer ausgelöst. Kanae K. hatte ihn als letzte gesehen und zuvor am Automaten Geld von seinem Konto abgehoben. Ein 70-Jähriger starb im August 2007 in Chiba ebenfalls durch Kohlenmonoxid, nachdem er K. umgerechnet 550.000 Euro überwiesen hatte.
Ein 53-jähriger Mann aus Tokio hatte der Frau 50.000 Euro überwiesen, sein toter Körper wurde im Januar neben mehreren Kohle-Öfchen gefunden. Die damalige Freundin Kanae K. sagte der Polizei, der Mann habe nicht mehr leben wollen, nachdem sie seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte.
Die angeblich hoch verschuldete Frau war nach zwei Anzeigen ins Visier der Ermittler geraten. Sie hatte über eine Kontaktseite im Internet zwei Männer kennengelernt und von ihnen mehr als drei Millionen Yen für ein Studium verlangt. Nach ihrem Abschluss würde sie sie heiraten. Die arbeitslose Frau betreibt eine Lebensmittel-Webseite und gab sich Nachbarn gegenüber als Klavierlehrerin aus. Laut der Zeitung Mainichi wurde ihr Vater vor drei Jahren in Hokkaido tot in seinem Auto gefunden.
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