Hamburg. Er wollte immer ein berühmter Sänger werden - am Dienstag war sein Tod die Seite-Eins-Geschichte der "Bild": "Raab-Kandidat (33) tot in Thailand", prangte dort. Eine tragische Geschichte, die ein Licht auf das Medienverhalten im Frühjahr 2010 wirft. Stefan Raabs Castingreihe "Unser Star für Oslo", mit der die ARD und ProSieben zurzeit den deutschen Teilnehmer des Eurovision Song Contest 2010 suchen, hat mit dieser Geschichte nur bedingt zu tun.
Die Show-Reihe rühmt sich, kein "Erniedrigungs-TV" zu bieten und nicht hämisch zu sein wie zum Beispiel das umstrittene Format "Deutschland sucht den Superstar" mit Dieter Bohlen bei RTL. Bei der ARD/ProSieben-Zusammenarbeit werden die ausgewählten Kandidaten vergleichsweise fair behandelt. Doch in einer Art Schmuddelecke zeigt Raab in seiner ProSieben-Sendung "TV Total" auch Kandidaten, die aussortiert wurden. Eine Stimme kommentiert die Auftritte von oben herab.
Vergangene Woche zeigte Raab auch ein Video des 33-jährigen Hamburgers, der im Mai für Deutschland zum Grand Prix in Oslo wollte - so wie etwa 5000 andere Bewerber. Darin war der Mann nicht gerade rühmlich zu sehen - doch die Macher von "Unser Star für Oslo" wussten nicht, dass der bei ihnen Gezeigte mittlerweile nach einem Herzinfarkt ins Koma gefallen war. Acht Tage später war er tot.
Über die Online-Pinnwand auf dem Laufenden gehalten
Und während dieses Video auf "tvtotal.de" zu sehen war, wurde anderswo im Netz das persönliche Drama des Hamburgers deutlich. Aus Profilen bei MySpace.com ließen sich die tragischen letzten Tage des Hamburgers rekonstruieren. Vergangene Woche stand da die besorgte Bitte der Mutter, der Sohn möge doch bitte mal anrufen. Heute sind dort Beleidsbekundungen zu lesen - mit traurigen "Smileys".
Spätere Einträge lassen darauf schließen, dass ein Unglück passiert war. Man kann auch mitlesen, dass der jüngere Bruder nachreist und auf seiner eigenen Online-Pinnwand die Bangenden daheim auf dem Laufenden hält.
Die "Bild" zitierte die Mutter, die über den Videoclip sagte: "Es war sein Wunsch, dort aufzutreten. Dass man sich noch gestern im Internet über ihn lustig gemacht hat, finden wir geschmacklos."
ProSieben teilte am Dienstagnachmittag mit, erst aus der Presse von dem tragischen Tod erfahren zu haben. "Unser Mitgefühl und das des ganzen "Unser Star für Oslo"-Teams gehört in dieser schweren Stunde seiner Familie", sagte Geschäftsführer Thilo Proff. "Das Bewerbungsvideo hat ProSieben im Sinne der Familie unmittelbar nach der traurigen Nachricht" aus dem Netz entfernt.
Unternehmenssprecher Christoph Körfer sagte außerdem, dass man die Ausschnitte von Bewerbern "nicht verfremdet". "Wir zeigen die Sänger so, wie sie sich für "Unser Star für Oslo" beworben haben." Peinlichkeiten nicht ausgeschlossen. (dpa)
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