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14. Juni 2012

"Zombie"-Angriffe: Horror aus dem Badesalz

 Von Sebastian Moll
An die Billigdroge Mephedron - auch als "Badesalz" bekannt - kommt man leicht ran. Welche Auswirkungen ihr Konsum hat, ist nicht abschätzbar. Foto: dapd

In den USA hatten mehrere grausame Kannibalen-Attacken eine wahre "Zombie-Manie" ausgelöst. Die Angreifer verstümmelten ihre Opfer und aßen sie teilweise auf - darunter eine Mutter, die im Wahn ihr eigenes Baby verzehrte. Schuld soll eine Billigdroge sein.

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In den USA hatten mehrere grausame Kannibalen-Attacken eine wahre "Zombie-Manie" ausgelöst. Die Angreifer verstümmelten ihre Opfer und aßen sie teilweise auf - darunter eine Mutter, die im Wahn ihr eigenes Baby verzehrte. Schuld soll eine Billigdroge sein.

New York –  

„Castle“ ist eine der erfolgreichsten US-Fernsehserien, man kann es in den Vereinigten Staaten Woche für Woche kaum erwarten, bis das Team aus dem Krimi-Schreiber Richard Castle und der Detektivin Kate Beckett gemeinsam neue Fälle lösen.

Eine der beliebtesten Folgen lief Mitte April. In der Episode stellen Castle und Beckett einen Mann, der einen anderen zu Tode geprügelt und ihn dann zur Hälfte aufgegessen hatte. Der Täter hatte zu viele Zombie-Videos gesehen und zudem regelmäßig synthetische Drogen konsumiert. Nur wenige Wochen später übertraf die Wirklichkeit die Fiktion.

Rudy Eugene: Der Kannibale von Miami stand offenbar unter Drogeneinfluss.
Rudy Eugene: Der "Kannibale von Miami" stand offenbar unter Drogeneinfluss.
Foto: REUTERS

Ende Mai fiel in Miami ein nackter Mann über einen Obdachlosen her. Der Täter fraß seinem Opfer wie ein tollwütiger Hund das Gesicht von den Knochen. 18 Minuten lang dauerte die Horrorszene, bis Polizisten den Kannibalen erschossen und den entstellten sowie lebensgefährlich verletzten Obdachlosen ins Krankenhaus bringen konnten. Der Täter, ein 31 Jahre alter Mann namens Rudy Eugene, hatte offenbar unter dem Einfluss einer Droge mit dem Namen „Bath-Salt“, zu Deutsch Badesalz, gestanden.

Der albtraumhafte Vorfall war scheinbar der Startschuss zu einer Serie bizarrer Verbrechen, in denen Kannibalismus und Drogen eine Rolle spielen. Kurz nach dem Vorfall in Miami wurde aus Texas gemeldet, dass eine Mutter ihr Baby ermordet und dann sein Gehirn verzehrt hatte. Dann kam ein Fall in Maryland, wo ein Student seinen Mitbewohner erschlug, zerteilte und dann sein Gehirn und Herz aufaß. Zuletzt kam aus New Jersey die Nachricht, dass ein Mann sich mit einem Messer selbst die Eingeweide herausgeschnitten und sie den Polizisten an den Kopf geworfen hatte, die ihn daran zu hindern versuchten.

Vorfälle lösen Zombie-Manie aus

Die Kette von Vorfällen, die sich so kein Splatter-Regisseur hätte ausdenken können, hat in Amerika eine regelrechte Zombie-Manie ausgelöst. Im Internet wird ernsthaft darüber diskutiert, ob die „Zombie-Apokalypse“ gekommen sei und die lebenden Toten in den USA ausschwärmen, um uns alle in ihresgleichen zu verwandeln. Das Nachrichtenportal „Daily Beast“ veröffentlichte allen Ernstes eine Landkarte, welche die vermeintliche Anhäufung der „Zombie-Vorfälle“ dokumentieren sollte. Die Behörde zur Seuchenbekämpfung CDC fühlte sich daraufhin bemüßigt, eine Erklärung abzugeben, die eine „Zombie-Epidemie“ ganz offiziell dementierte.

Tatsächlich scheint die Zombie-Erklärung für die Serie von Abscheulichkeiten eher dem Zeitgeist zu entspringen, als einer plausiblen Wirklichkeit. Vampir- und Zombie-Storys wie die in „Castle“ haben derzeit Hochkonjunktur, passend zur Endzeitstimmung im Land, wie Psychologen und Kulturwissenschaftler meinen. „Wenn Leute sich durch Dinge, die sich ihrer Kontrolle entziehen, bedroht fühlen, greifen sie zu Endzeit-Metaphern“, sagt Patrick Hamilton, Englisch-Professor und Comic-Experte von der Universität Dallas. Die Wirtschaftskrise, die Verunsicherung durch die vermeintliche Terrorbedrohung, all das bereite einen idealen Nährboden für solche Fantasien.

Schlimmer als Crack

Die tatsächliche Erklärung für die scheinbare Proliferation bizarrer Gewalttaten ist weitaus profaner. Zum einen fällt nach solchen Vorkommnissen das Schlaglicht immer auf ähnlich gelagerte Ereignisse, die dann auch häufiger in den Nachrichten auftauchen. Es bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie auch öfter stattfinden: „Tatsache ist, es passieren ständig grauenhafte Dinge“, sagt Scott Talan, Professor für öffentliche Kommunikation an der American University.

An einer Theorie für die vermeintliche Häufung an Horrorgeschichten könnte jedoch etwas dran sein. Wie in Miami war in Maryland und in Texas offensichtlich jenes „Badesalz“ im Spiel, mit dem sich auch Rudy Eugene Appetit gemacht hatte.

Die Billigdroge, die jeder mit chemischen Grundkenntnissen in seiner Küche zusammenbrauen kann, gilt als die schlimmste Psycho-Droge auf den Straßen seit Crack. Die Folgen des Konsums des Pulvers, das bis zum vergangenen Oktober frei verkäuflich war, werden als verheerend beschrieben. Im Jahr 2011 kletterte in Indiana ein Mann auf einen Fahnenmast und stürzte sich auf die Straße. In Virginia kratzte sich eine Frau fast die gesamte Haut vom Leib. Mediziner, die Badesalz-Konsumenten behandelt haben, sagen, diese seien derart aggressiv und psychotisch, dass selbst extreme Dosen an Sedativa nicht ausreichen, um sie zu beruhigen. Ein Mann in Georgia, der nackt auf ein Taxi gesprungen war und das Fahrzeug mit den Fäusten demolierte, konnte nur mit Hilfe eines Dutzend Polizeibeamter ruhig gestellt werden.

Dass Badesalz – oder Methylenedioxypyrovaleron – zum Verzehr von Menschenfleisch anregt, ist nicht gesichert. „Es kann bei Überdosen zu bizarrem, selbstzerstörerischem Verhalten führen“, sagt der Wissenschaftsjournalist Kent Septowitz. „Aber der Drang zum Nagen? Nein.“ Ein solcher Zusammenhang ist nicht glaubhafter als die Zombie-Theorie.

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