Als die Familie mit ihren drei Kindern plötzlich komplett von Frauen umzingelt auf der Terrasse der Strandbar sitzt, weiß sie nicht mehr so recht, was sie von der Situation halten soll: Frauen, die sich küssen, Frauen, die Händchen halten, Frauen, die mittags um halb eins die erste Bierflasche aufploppen lassen. Aber an diesem dritten Wochenende im April gehört der Sand am Weissenhäuser Strand zwischen Kiel und Lübeck knapp 4000 Lesben.
"L-Beach" hat die Hamburger Organisatorin Claudia Kissel die Veranstaltung getauft. Vorbild ist das Dinah-Shore-Festival in dem US-amerikanischen Örtchen Palm Springs. Seit Jahren trifft sich dort zu Ostern die lesbische Szene zum Feiern. In Deutschland ist das "L-Beach" das erste Lesbenfestival dieser Größe.
Der auffälligste Unterschied zu den USA besteht allerdings nicht in der fehlenden Tradition, sondern darin, dass den Teilnehmerinnen in Palm Springs die Sonne auf die Haut knallt - in Schleswig-Holstein findet die Bikini-Fete im überdachten Schwimmbad statt.
Doch trotzdem hat die Veranstaltung Frauen aus allen Winkeln Deutschlands angelockt, sogar aus Frankreich, Schweden, England und der Schweiz. Und so schlappen sie am Samstagnachmittag fest entschlossen in das Schwimmbad, bekleidet mit Bermuda-Shorts und Bikinis und jubeln den Teilnehmerinnen beim Wet-T-Shirt-Contest zu. Irgendwann müssen sich dann auch die anwesenden Sanitäter um ein ein paar Kollabierte kümmern. Es ist dann doch zu heiß, gerade wenn auch noch Alkohol im Spiel ist und zu wenig Schlaf.
Denn die Nächte beim L-Beach sind verdammt kurz, Konzerte jagen DJane-Performances jagen Konzerte. Schließlich will das XXL-Lesbenfest an erster Stelle ein "Musikfestival für Frauen" sein, sagt Macherin Kissel. Und so hat sie alles, was das lesbische Musikherz rasen lässt, auf die Bühne gekauft: Anatomie Bousculaire aus Frankreich, Sarah Bettens aus den USA, und sogar die "DSDS"-Gewinnerin Elli Erl . Aber eigentlich wollen alle eine sehen: Leisha Hailey. Die Schauspielerin wurde mit ihrer Rolle als bisexuelle Journalistin Alice in der US-Lesben-Kult-Serie "The L-Word" berühmt. Auf dem "L-Beach" tritt sie als ein Teil des Indie-Elektropop-Duo "Uh Huh Her" auf. Am Ende wird gefeiert, auch wenn der Auftritt erst mit ein paar Stunden Verspätung beginnt.
"Alles sehr gut, schöne Frauen, solch ein Festival war längst überfällig", sagt Sabrina Eckard, eine redseelige Kurzhaarblondine aus Hannover. Die 27-Jährige ist mit fünf Freundinnen angereist und hat am frühen Sonntagmorgen eine wildfremde Frau auf der Tanzfläche geküsst. Die 119 Euro für das Wochenende im Appartement-Bungalow-Ferienpark haben sich also gelohnt.
Die Schweizerin Jane Hubschmid aus dem Kanton Zürich ist sogar zwölf Stunden mit dem Zug gefahren, um "all die schönen Frauen" zu sehen. Die Erwartungen wurden erfüllt, im nächsten Jahr will sie wiederkommen. Auch wenn es nicht so warm ist wie in Palm Springs.
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