Laura kämpft. Die inzwischen 14-jährige Niederländerin, die als jüngste Seglerin aller Zeiten ganz alleine die Welt im Segelboot umrunden möchte, gibt nicht auf. Die niederländischen Jugendschutzbehörden hatten ihr im vergangenen Jahr, als sie noch 13 Jahre alt war, den Segeltörn verboten und sie per Gerichtsbeschluss unter die Aufsicht des Jugendschutzamtes gestellt. Laura und ihr Vater Dick Dekker haben diesen Gerichtsbeschluss nun angefochten. Sie legten Berufung ein. Am 4. Mai soll nun von einer höheren Gerichtsinstanz entschieden werden, ob die Vormundschaft für Laura aufgehoben wird oder nicht. Wird sie das, dann will Laura "noch in diesem Sommer" in See stechen und ganz alleine die Welt umsegeln.
Die Vorbereitungen dazu hat sie bereits getroffen. Ihr Vater, der sie bei ihrem waghalsigen Plan unterstützt, hat ihr ein neues Schiff gekauft. Die "Jeanneau Gin Fizz Ketch", die ihre alte Segelyacht "Guppy" ersetzt. Das neue Schiff ist um 3,5 Meter länger als das alte, das nur 8,5 Meter maß. Und es ist ein Zweimaster, Guppy war ein Einmaster.
Derzeit liegt das Schiff im Hafen von Zierikzee in der südwestlichen Provinz Zeelan und wird von Dick Dekker in der Lieblingsfarbe seiner Tochter, in Rot, gestrichen. Die beiden Segel-Fanatiker Dick und Laura Dekker sind in die Gegend gezogen, weil sie in ihrem früheren Wohnort bei Utrecht nicht wohl fühlten. Der Grund: Nachdem Laura im vergangenen Jahr mit ihrem Plan weltberühmt geworden war, wurde sie in Utrecht angefeindet.
In ihrem neuen Wohnsitz fühlt sich der Teenager wohler. "Es ist hier in Zeeland so anders, die Leute sind entspannter als in Utrecht und sie spotten nicht über mich", so die junge Seglerin in einem Interview mit dem Algemeen Dagblad. Der Zeitung sagte Laura auch, dass sie sich intensiv auf die Weltumsegelung vorbereite. "Ich habe schon einen Erste-Hilfe-Kurs erfolgreich abgeschlossen. Mein Vater hat das Boot für die lange Tour um die Welt umgebaut. Ich bin startklar. Im Juli will ich lossegeln."
Die Eile ist aus ihrer Sicht geboten, denn wenn sie wirklich die jüngste Weltumseglerin aller Zeiten werden will, bleiben ihr nur noch knappe zwei Jahre, um das Vorhaben zu verwirklichen. Zu dem Zeitdruck kommt noch ein familiäres Drama. Denn ihre geschiedenen Eltern sind unterschiedlicher Ansicht über den geplanten Segeltörn. Vater Dick Dekker war und ist für die Weltumsegelung seiner minderjährigen Tochter. Ihre deutsche Mutter Babs Müller war und ist dagegen. Sie hält den Plan ihrer Tochter schlicht für zu gefährlich.
"Im Juli will ich lossegeln!"
Nach Angaben von Dick Dekker haben die öffentlichen Diskussionen um die Segelpläne Spuren bei Laura hinterlassen. So habe sie - nachdem sie unter Vormundschaft des "Rates für Jugendschutz" gestellt worden sei - jede Woche einen anderen Zwangstermin gehabt. Beim Psychologen, beim Jugendschutzamt, bei Erziehern. Darunter habe sie gelitten, davon ist ihr Vater überzeugt. Ihre Schulleistungen hätten nachgelassen. Sie hätte keine Hausaufgaben mehr gemacht, die Schule geschwänzt und sich eingeigelt. Insgesamt habe Laura 21 Schultage verloren, weil sie ständig bei den Jugendschutzbehörden erscheinen musste. Am Ende sei sie sogar ausgebüchst, behauptet der Vater. Er bezieht sich damit auf einen Vorfall im letzten Jahr, als seine Tochter einige Zeit verschwunden war, bevor man sie auf der niederländischen Karibikinsel St. Maarten aufspürte.
Aus all diesen Gründen, so Dick Dekker, habe man Berufung gegen die Vormundschaft eingelegt. Auf dass Laura endlich in See stechen und sich ihren Traum erfüllen könne.
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