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40 Jahre Woodstock: Ein Leben als Ikone

Das Ende der Hippie-Ära, der Beginn einer großen Liebe: Wie sich das Pärchen, das auf dem Cover des Woodstock-Albums zu sehen ist, an die wilden Tage erinnert.


Foto: Laurence Miller Gallery

Nick und Bobbi Ercoline wurden unfreiwillig zu Ikonen der Hippie-Bewegung. Das frisch verliebte Pärchen war am 15. August 1969 spontan zum Woodstock-Festival gefahren, wo der Fotograf Uzzle Burk sie dann am Morgen des dritten Tages eng umschlungen und in eine Decke gehüllt entdeckte. Das Bild wurde zum Cover der legendären Woodstock Doppel-Live-LP und so zum Symbol des Festivals und bald einer ganzen Generation. Bobbi, heute 60, ist noch immer glücklich mit ihrem Nick verheiratet. FR-Reporter Sebastian Moll berichtet sie von dem Wochenende, das ihr Leben veränderte, und von einem Dasein als Ikone.

"Ich habe es geliebt, in den 60er Jahren aufzuwachsen. Man fühlte sich mitten drin in einem großen Umbruch. Und dann war da natürlich die Musik. Wenn ich ehrlich bin, muss ich am meisten an die Beach Boys denken, wenn ich an den Sommer von 1969 denke, an den Strand, an kurze Hosen und Sandalen. Und natürlich an die Liebe. Ich habe ja schließlich in diesem Sommer meinen Mann kennen gelernt.

Dieses Motiv wurde das Cover des Woodstock-Albums von 1970, es zeigt Nick und Bobbi Ercoline. Das Bild gehört der Laurence Miller Gallery: www.laurencemillergallery.com
Dieses Motiv wurde das Cover des Woodstock-Albums von 1970, es zeigt Nick und Bobbi Ercoline. Das Bild gehört der Laurence Miller Gallery: www.laurencemillergallery.com
Foto: Laurence Miller Gallery

Der Vietnamkrieg war ständig präsent

Nick und ich hatten uns erst kurz vor Woodstock zum ersten Mal getroffen. Wir waren beide 20 Jahre alt, ich habe mit zwei anderen Mädchen in einem Apartment in Middletown, New York State, nicht weit von Woodstock gelebt und bei einer Bank gearbeitet. Nick war Student und hatte zwei Nebenjobs: tagsüber auf dem Bau, abends in Dino´s Bar in Middletown. Da lernten wir uns im Mai 1969 auch kennen.

Bobbi und Nick Ercoline, wie sie heute aussehen - ohne Decke.
Bobbi und Nick Ercoline, wie sie heute aussehen - ohne Decke.
Foto: privat

Wir waren eigentlich gar keine Hippies. Ich war ein einfaches Mädchen vom Land, Nick ein durchschnittlicher Junge aus Middletown. Von den ganzen Spannungen und Auseinandersetzungen, von den Demonstrationen, von Haight Ashbury und Chicago, von der Drogenkultur haben wir auf dem Land nicht viel mitbekommen. Natürlich haben wir die Musik geliebt und ärgerten uns über den Vietnamkrieg. Viele unserer Freunde sind eingezogen worden, einige kamen nicht zurück. Jeden Abend im Fernsehen, jeden Abend die Namen der Gefallen. Die waren ja in unserem Alter, die Jungs die da drüben gestorben sind. Der Krieg war ständig präsent, es wurden ja auch viele aus unserem Dorf dort hingeschickt.

Aber wir haben nie demonstriert oder so was. Zu der Zeit des Woodstock-Festivals war es uns viel wichtiger, dass wir frisch verliebt waren.

Das Festival sollte zuerst in Wallkill steigen, ganz nah bei Middletown, bevor es erst nach Woodstock und dann nach Bethel verlegt wurde. In unserer Gegend wurde seit Monaten über nichts anderes gesprochen, alle Zeitungen waren voll davon. Dann wurden die Besitzer des Grundstücks, auf dem das Konzert geplant war, wegen der erwarteten Besuchermasse nervös. Als die Schätzungen auf 50.000 stiegen, zog sich Wallkill zurück. Middletown hat ja nur 20.000 Einwohner, das wäre beinahe das dreifache der Bevölkerung gewesen.

100 Kilometer Stau

Wir wollten zuerst nicht hingehen, weil die Tickets für drei Tage 18 Dollar gekostet haben. Ich habe bei der Bank damals 71 Dollar pro Woche verdient, 18 Dollar war für uns viel Geld. Ich weiß noch, wie wir an dem Freitag vorm Festival alle in Dino´s Bar hockten und fernsahen: In den Nachrichten kam, wie der Verkehr von New York bis hier oben zusammen gebrochen war: 100 Kilometer Stau! Die Nachrichtensprecher sagten, man solle alle Pläne, dorthin zu fahren, vergessen und zuhause bleiben. Da haben wir uns gesagt: Da müssen wir hin! So was hatte es hier noch nie gegeben und außerdem war jetzt ja auch klar, dass man keine Tickets mehr braucht, weil die keiner hätte kontrollieren können.

Als Kids aus der Gegend kannten wir jeden Schleichweg. Wir sind quer über die Felder geheizt in unserem riesigen 65er Chevvy, das Mistding hat ständig aufgesetzt. Am Ende mussten wir trotzdem ein paar Meilen laufen. Wir waren zu fünft: außer uns beiden war unser Freund Quirky, der als Marineinfantrist gerade aus Vietnam zurück war und noch ein befreundetes Pärchen, Kathy und Mike. Die Decke in die wir auf dem Foto gehüllt sind, haben wir auf dem Weg vom Auto zum Konzert aufgelesen, die lag einfach am Wegrand. Sie müssen sich Tausende Leute vorstellen, die alle in eine Richtung wandern, viele ließen einfach ihr Zeug liegen, weil sie es nicht dort hoch schleppen mochten. Also haben wir die Decke mitgenommen. Sonst hatten wir nur Bier und Wein dabei.

Von dem kleinen Flecken aus, auf dem wir uns dann nieder gelassen haben, konnten wir nicht einmal die Bühne sehen, das war an einem Abhang, und vor uns lag noch ein Hügel. Aber wir konnten die Musik hören und in der Nacht haben die Lichter von der Bühne den ganzen Himmel erleuchtet. Die Luft war voller Lagerfeuer-Qualm, Marihuana-Rauch und Dunst aus den Feldern. Alles war in einen wunderbar orangenen Glanz getaucht. Es drehte sich für uns alles gar nicht so sehr um die Musik. Es ging viel mehr um die Hunderttausenden Menschen, um die vielen kleinen Szenen, die sich um uns herum entfalteten.

Die Musik aus der Entfernung ging unter in der Kulisse von menschlichen Geräuschen um uns: Gesang, Weinen, Rufen, Kindergeschrei, Gelächter, Gitarren, Mundharmonikas, Trommeln. Einer machte auf dem Gaskocher Essen, jemand anderes drehte einen Joint, der nächste wechselte die Windeln seines Babys, andere tanzten. Es gab viele nackte Leute und natürlich viele Drogen, sehr viele Drogen. Wir haben selbst keine genommen. Glauben Sie mir, ich würde das heute problemlos zugeben, wenn es so gewesen wäre. Keine Ahnung, ob wir da vielleicht was verpasst haben.

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Datum:  13 | 8 | 2009
Seiten:  1 2
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