Herr Waaktaar, Ende 2010 geben Sie mit A-ha Ihr letztes Konzert. Wissen Sie schon, was Sie danach machen werden?
Pal Waaktaar-Savoy: Musik. Mit meiner Frau habe ich 1994 die Indierock-Band "Savoy" gegründet. Ich werde immer spielen und Songs schreiben, mit A-ha oder mit anderen.
Und Sie, Herr Harket?
Morten Harket: Ich könnte auf der Stelle mit dem Musikmachen aufhören.
Kann man daraus schließen, dass die Auflösung der Band keine einstimmige Entscheidung war?
Waaktaar-Savoy: Sagen wir es malso: Manche von uns wollten es mehr, andere weniger. Harket: Solche Entscheidungen fallen ja nicht von einem Tag auf den anderen. Es war ein Prozess, eine Entwicklung.
Dabei sind Sie das, was andere Boy Bands von früher sein wollten, aber nie wurden: angesehene Musiker. Chris Martin von Coldplay sagte, A-ha hätten ihn musikalisch sehr beeinflusst.
Harket: Die ersten Jahre als Teenie-Idole waren schrecklich. Es ging nur um unser Aussehen. Dabei waren unsere Songs von Anfang an nicht fröhlich-poppig, sondern hatten eine bestimmte Melancholie. Das hat keinen interessiert. Wir waren froh, dass wir in den 90ern eine "Erwachsenenband" waren.
Mit "Foot Of The Mountain" haben Sie jetzt einen Hit gelandet, der fast an die Erfolge von früher heranreicht. Warum hören Sie trotzdem auf?
Harket: Warum nicht? A-ha gibt es seit einem Vierteljahrhundert. 25 Jahre, das ist doch eine gute Zahl. Es war eine schöne Zeit.
Herr Harket, Presseagenturen melden, Sie wollten irgendwann in die Politik gehen. Stimmt das?
Harket: Ich hatte es bis vor einem Jahr vor. Dann wurde Obama gewählt, jetzt braucht die Welt mich nicht mehr. Aber im Ernst: Mit Politik meine ich nicht Parteipolitik, die hat mich nie interessiert.
Sie waren für Wohltätigkeitsorganisationen unterwegs, haben sich für die Menschenrechte in Ost-Timor eingesetzt. Wollen Sie das Engagement ausweiten?
Harket: Ich nutze meine Popularität, um auf Missstände aufmerksam zu machen, es ist wirklich Wahnsinn, was in Ost-Timor passiert ist. Ich spende auch, aber mein Traum einer gerechten Welt ist ein anderer: Alle Menschen sollen ein lebenswertes Leben haben, ohne dass jemand ihnen "Gutes tun" muss.
Herr Harket, Sie haben eine Falsett-Stimme, die im Pop-Geschäft ihresgleichen sucht. Wie schaffen Sie es, mit 50 noch so zu klingen, als wären Sie Mitte 20?
Harket: Es ist verdammt schwierig. Leider habe ich das Gefühl, dass die anderen aus der Band das nie so richtig verstanden haben. Wenn ich auf der Bühne stehe, muss die Akustik perfekt sein, denn ich bin von Natur aus ein Bariton, singe aber wie ein Tenor. Sie können sich vorstellen, wie anstrengend das ist. Das ist auch der Grund, weshalb ich Falsett, also mit Kopfstimme, singe. Als Bruststimme ist die Bandbreite, die ich brauche, nicht zu schaffen. Wichtig ist daher, dass ich auch Nuancen im Kopf höre, die kleinste Boden-Unebenheit kann da stören.
Am 4. Dezember 2010 spielen Sie in Oslo Ihr Abschlusskonzert. Ist es nicht seltsam, so lange noch gemeinsam auf Tour zu sein?
Waaktaar-Savoy: Stimmt, das ist es schon. Aber wir kennen uns mittlerweile so gut, haben so viel Routine und im Übrigen bereits lange Phasen hinter uns, in denen jeder von uns eigene Wege gegangen ist. Das kriegen wir schon hin.
Interview: Anne Lemhöfer
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