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16. März 2016

Abiturientenstreit in Köln: Schwere Vorwürfe an Kölner Polizei

 Von Tim Stinauer
Eine Polizeistreife fährt in Köln vor dem Humboldt-Gymnasium Streife.  Foto: dpa

Montagabend ist die bislang heftigste Auseinandersetzung zwischen Abi-Jahrgängen verschiedener Schulen in Köln eskaliert. Es fliegen Steine, Böller und Flaschen. Augenzeugen werfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und die Szenerie sogar ausgeleuchtet zu haben.

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Köln –  

Fassungslos sei er, total erschüttert, erzählt David R. am Tag nach der nächtlichen Straßenschlacht vor dem Kölner Humboldt-Gymnasium. Sein Jochbein ist gebrochen, das Gesicht geschwollen. Anfangs wussten die Ärzte nicht, ob sie sein Augenlicht retten können. Immerhin diese Gefahr sei nun gebannt, erzählt der 18-Jährige. Er wird zwar um eine Operation nicht herumkommen, aber seine Sehkraft behalten. Was genau ihm ins Gesicht geflogen ist, weiß der angehende Abiturient nicht, nur so viel: „Es hat mich mit unfassbarer Wucht in Höhe des rechten Auges getroffen.“ Womöglich ein Stein, abgefeuert aus einer Schleuder.

Montagabend ist die bislang heftigste Auseinandersetzung zwischen Abi-Jahrgängen verschiedener Schulen in Köln eskaliert. Neben David R. wurde ein weiterer 18-Jähriger schwer verletzt, ein dritter leicht. Ungefähr 150 Angreifer waren gegen 22.15 Uhr vor dem Humboldt-Gymnasium erschienen. Ihnen gegenüber standen 50 Humboldt-Schüler, erzählt David R. Man habe sich am frühen Abend an der Schule getroffen, sich unterhalten und Wasserbomben abgefüllt. Denn dass Schüler anderer Gymnasien auf eine Wasserschlacht vorbei kommen könnten, sei eingeplant gewesen.

Böller, Flaschen und ein Speer

Dass es aber so viele waren, und dass sie auch Böller, Glasflaschen, gefüllte Plastikflaschen, Eier und Steine warfen, damit habe man nicht gerechnet. Die Polizei stellte sogar einen selbst gebastelten Speer sicher.

„Die wurden richtig aggressiv“, schildert David R. „Wir waren absolut nicht auf Stress aus und haben uns zurückgezogen.“ Vermutungen der Schüler, dass unter den Angreifern auch junge Männer waren, die keine Schüler sind, sondern rein auf Krawall aus waren, konnte die Polizei am Dienstag nicht bestätigen. Immer mehr Streifen- und Mannschaftswagen seien in der Nacht gekommen, berichten Augenzeugen.  Die Beamten hätten aber nicht sofort eingegriffen, sagen Schüler. Vielmehr hätten sie am Rand gestanden, die Szenerie mit Scheinwerfern ausgeleuchtet und versucht, die Lage mit Lautsprecherdurchsagen zu beruhigen.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Bei der Polizei erntet man Kopfschütteln ob dieser Vorwürfe. Die Stimmung vor der Schule sei hochaggressiv gewesen, berichtet ein Beamter. Es sei in erster Linie darum gegangen, die Gruppen auf Abstand zu halten. Anschließend habe man die Grünfläche vor der Schule geräumt und Platzverweise ausgesprochen.

Der Kölner Polizei steht nun erneut eine schwierige Aufgabe bevor. Die Umstände der Silvesternacht sind noch längst nicht aufgeklärt, da hat die Behörde eine weitere Ermittlungsgruppe gegründet, um alle Straftaten mit Abi-Bezug zu sammeln, auszuwerten und Täter zu identifizieren. Am Freitagabend waren bereits etwa 50 Randalierer aus Abiturjahrgängen im Stadtteil Neuehrenfeld mit Waffen auf Polizisten losgegangen, ein Beamter brach sich den Fuß.

Als Reaktion auf die Ausschreitungen haben viele Gymnasien den „Abikrieg“ in der laufenden Abi-Mottowoche am Dienstag mit sofortiger Wirkung für beendet erklärt. In Presseerklärungen äußern die Abiturienten ihr Entsetzen über die Vorfälle. Sie distanzieren sich von Gewalt und Sachbeschädigungen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert, Schulen müssten prüfen, ob Rädelsführern und „dingfest gemachten Straftätern“ die Prüfungszulassung zum Abitur entzogen werden könne. Laut Bezirksregierung Köln ist das aber nicht möglich. Tatbestände, die nichts mit dem Unterricht und den Voraussetzungen für das Abitur zu tun hätten, spielten für die Zulassung keine Rolle.

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