Für Uwe Romeike und seine Frau Hannelore ist es ein göttlicher Fingerzeig: Ein Einwanderungsgericht in Memphis/Tennessee hat gestern dem Antrag der deutschen Familie auf politisches Asyl stattgegeben. Das strenggläubige Paar war im August 2008 von Bissingen an der Teck (Großraum Stuttgart) nach Morristown im Südwesten der USA ausgewandert.
Den Behörden gegenüber gab die Familie an, sie habe sich in Deutschland "religiös verfolgt" gefühlt. Sie hätten ihre Kinder von der örtlichen Grundschule genommen und zu Hause unterrichtet und seien deswegen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nach Ansicht der Romeikes, die sich nach eigenem Bekunden als evangelikale Christen verstehen, verstoßen die staatlichen Lehrpläne in Deutschland gegen christliche Werte.
Dass die "Glaubensflüchtlinge" ausgerechnet in Amerika eine neue religiöse Heimat gefunden haben, ist kein Zufall, denn "Home Schooling" ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seit langem möglich. Die Lobby konservativer Christen setzte schon vor mehr als 20 Jahren die Legalisierung des Hausunterrichts durch.
"Menschenrechtsverletzungen" in Deutschland
Anfangs nahmen vor allem christliche Fundamentalisten das Recht in Anspruch, später kamen auch Alt-Hippies und konservative Anarchisten auf den Geschmack. Inzwischen haben sich viele Eltern dafür entscheiden, die Nase voll haben von überfüllten Klassen, demolierten Schulen und Gewalttätigkeiten. Kritiker wenden ein, die Wissensvermittlung allein durch die Eltern könne zu Isolation der Kinder und zu mangelnder sozialer Kompetenz führen.
Die Vereinigung zur Verteidigung und Propagierung des Home-School-Modells stellte am Mittwoch Auszüge des Urteils auf ihre Webseite. Demnach erklärte Richter Lawrence Burman, die deutsche Regierung versuche, Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, zu unterdrücken. Insofern hätten die Romeikes "eine gut begründete Furcht vor Verfolgung".
Sogar von "Menschenrechtsverletzungen" in Deutschland ist die Rede. Er hoffe, gab Richter Burman zu Protokoll, dass das Urteil Deutschland von der "weiteren Verfolgung von Heimschülern abhält". Uhd auf der Internetseite des Dachverbandes scheut man sich nicht, Deutschland mit Nordkorea und China auf eine Stufe zu stellen, was den "totalitären Charakter" des Schulrechts angehe.
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