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18. Dezember 2012

Aktionsbündnis Winnenden: Waffen weg!

Gisela Mayer (hier im Gespräch mit dem Vorstand des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Hardy Schober) verlor in Winnenden ihre Tochter. Foto: dpa

Gisela Mayer verlor beim Amoklauf von Winnenden 2009 ihre Tochter, die Referendarin Nina Mayer. Jetzt ist sie Sprecherin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden und Autorin des Buchs „Die Kälte darf nicht siegen“. Nach dem Amoklauf in Newtown durchlebt sie die Trauer ein zweites Mal.

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Frau Mayer, was haben Sie empfunden, als Sie das erste Mal von Newtown gehört haben?
Als ich das gehört und gesehen habe, habe ich das Gleiche empfunden wie vor drei Jahren in Winnenden. Wenn ich diese Menschen ihre Kinder suchen sehe, dann ist das so, als wäre ich dabei. Ich habe auch meine Tochter gesucht und war überzeugt, dass ich sie lebend finde. Hinterher wurde mir gesagt, sie sei unter den Toten. Man begreift erst viel später, was passiert ist.

Der Fall ähnelt stark dem von Winnenden. Der Amoklauf fand an einer Schule statt. Und ein Elternteil war Waffennarr. Ist das also ein typischer Fall?
Ja, definitiv. Die Waffe befand sich im eigenen Haus. Damit war dem Sohn der Umgang mit Waffen ähnlich vertraut wie der Mutter. Dadurch wiederum passiert im Kopf des Jungen Folgendes: Der Gebrauch der Waffe wird eine von mehreren alternativen Handlungsmöglichkeiten. Dann kommt dieser Junge in Bedrängnis und in eine Situation, in der er keine Lösung sieht. Und schließlich greift er zu diesem Mittel der vermeintlichen Problemlösung. Das ist alles ganz typisch.

Das Motiv ist bisher angeblich nicht bekannt.
Das Motiv wird uns ewig verschlossen bleiben. Wir werden niemals Kontrolle über die Motive des Handelns anderer Menschen haben. Aber wir haben die Möglichkeit zu kontrollieren, ob sie ein derart gefährliches Werkzeug in die Hände kriegen.

In den USA sagen manche nun, wir brauchen noch mehr Waffen, um solche Täter stoppen zu können. Können Sie das nachvollziehen?
Nein, wir hätten wilde Schießereien. Und am Ende hätte der recht, der am schnellsten ziehen kann. Wir befinden uns mitten in einem Western-Film. Nein, das ist kompletter Blödsinn.
Sehen Sie Konsequenzen für uns?
Allerdings, ganz gewaltige. Wir haben wieder vor Augen geführt bekommen, was passieren kann in einer Situation, die der in Deutschland sehr ähnlich ist. Wir haben zwar unangemeldete Kontrollen eingeführt – aber aus Mangel an Geld und Personal nur in 3,8 Prozent aller Haushalte. Dabei haben wir in 30 bis über 50 Prozent der Fälle Beanstandungen. Und das heißt, in diesen Fällen hätte ein problembeladener Junge Zugang zu den Waffen gehabt. Das wiederum bedeutet: Wir müssen dringend an der Aufbewahrung von Waffen in Privathaushalten arbeiten.

Was wollen Sie konkret?
Waffen und Munition müssen konsequent getrennt aufbewahrt werden und nicht in demselben Haushalt. Erst die Kombination macht die Gefahr aus. Wenn das nicht möglich sein sollte, sollten gar keine Waffen in Privathaushalten aufbewahrt werden dürfen.

Das Gespräch führte Markus Decker.

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