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Alkoholverbot im Nahverkehr: Jetzt ist Schluss mit Fahrbier

Vorglühen im Bus zur Disco, Absacker in der Bahn am Morgen nach der Party - zumindest in Hamburg ist es damit jetzt vorbei. Und auch in Frankfurt wird darüber nachgedacht, den Konsum von Alkohol im Nahverkehr zu verbieten.

Das Hamburger Alkoholverbot könnte deutschlandweit Schule machen.
Das Hamburger Alkoholverbot könnte deutschlandweit Schule machen.
Foto: dpa
Frankfurt –  

Schon jetzt weisen Plakate an Haltestellen, in Bussen, U- und S-Bahnen darauf hin: Am Donnerstag wird Hamburgs öffentlicher Nahverkehr zur alkoholfreien Zone. Vom 1. September an dürfen die Fahrgäste in der Hansestadt Bier, Wein oder Schnaps weder konsumieren noch in geöffneten Flaschen mit sich tragen. Einen Monat haben sie Zeit, sich an das Verbot zu gewöhnen, dann setzt es Strafen wie beim Schwarzfahren: Wer nach dem 1. Oktober mit Alkohol erwischt wird, muss 40 Euro Bußgeld zahlen.

Die Sicherheitsleute wurden eigens für den Umgang mit Alkoholsündern geschult. Um die Sicherheit insgesamt zu erhöhen, würden zusätzlich 110 Leute eingestellt, sagt HVV-Sprecherin Gisela Becker. Eine Alkoholrazzia müssen die Hamburger aber nicht befürchten. "Taschen- oder Körperkontrollen wird es nicht geben", so Becker. Die Sicherheitsleute seien angehalten, "mit Augenmaß und situationsbedingt vorzugehen". Dass eine hundertprozentige Kontrolle in einem so weit verzweigten Netz ohnehin schwierig wäre, ist dem Unternehmen bewusst. "Wir setzen auf die Einsicht der Fahrgäste und darauf, dass sich das Alkoholverbot schrittweise durchsetzt - so wie das Rauchverbot vorher."

Das Verbot soll das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste steigern, hoffen die Initiatoren bei Stadt und HVV. In einer Umfrage hatten im vergangen Jahr 86 Prozent der Befragten für eine solche Regelung gestimmt. In einer Zeit, in der stetig neue Meldungen von betrunkenen U-Bahn-Schlägern durch die Medien gehen, könnte Hamburg zum Vorbild für andere Städte werden. "Die Branche schaut in die Hansestadt", bestätigt Lars Wagner vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Ein Alkoholverbot werde vielerorts diskutiert, doch die Frage der Kontrollierbarkeit werde als großes Problem gesehen. Bei der Düsseldorfer Rheinbahn AG hat man dieses Problem schon vor Jahren auf die radikale Art gelöst: Hier ist das Essen und Trinken seit 2007 generell verboten.

Auch bei der Deutschen Bahn will man sich das Projekt genau ansehen. Auf absehbare Zeit sei aber nicht daran gedacht, den Alkoholkonsum in allen Zügen und auf Bahnhöfen zu verbieten. Es gebe beim Thema Alkoholexzesse und Gewalt keine einfache Lösung, sagte ein Bahnsprecher.

Beim RMV schaut man nach Hamburg

Auch in Hessen wartet man gespannt darauf, wie die Hamburger Fahrgäste den Entzug aufnehmen. "Wir werden sicherlich etwas tun, um den Alkoholkonsum im Nahverkehr einzudämmen", sagt Peter E. Vollmer vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Auf welchem Wege werde aber erst nach einer Analyse der Ergebnisse aus Hamburg entschieden. "Wir schauen uns genau an, wie das da läuft." Aus Vollmers Sicht werfen viele Details Probleme auf. Dazu gehört die Frage, wie weit man das Verbot, etwa an den Stationen, räumlich ausdehnen soll. "Wir müssten aber auch darüber nachdenken, ob das Sicherheitspersonal dann womöglich Plastikflaschen und Thermoskannen kontrollieren muss." Eine solche Regelung müsse sinnvoll umgesetzt werden, damit sie nicht mehr Konflikte schaffe. Schon jetzt seien sie Fahrgäste ja nicht schutzlos der Aggressivität Betrunkener ausgesetzt, sagt Vollmer.

Hessens Innenminister Boris Rhein hatte bereits im Februar ein Alkoholverbot für U- und S-Bahnen in Frankfurt gefordert, um der Jugendgewalt vorzubeugen. Diese Forderung unterstrich das Ministerium am Dienstag auf FR-Anfrage. Man sei diesbezüglich sowohl mit den Verkehrsunternehmen als auch mit den Innenministern der anderen Länder im Gespräch, sagte ein Sprecher in Wiesbaden. Man müsse prüfen, wie sich ein solches Verbot umsetzen lasse.

Dass mancher Bahnfahrer wegen solcher Verbote künftig wieder aufs Fahrrad oder gar aufs Auto umsteigt, befürchten die Verkehrsunternehmen nicht. Zur Sicherheit weist der HVV in seiner Kampagne ausdrücklich darauf hin, dass die Leute weiterhin auf Bus und Bahn setzen können, wenn sie etwas getrunken haben. Auch der Transport der Spirituosen sei weiterhin kein Problem - so lange die Flaschen zu bleiben.

Via Facebook zum Abschiedstrinken

Manche Hamburger sehen der trockenen Zeit dennoch mit Unmut entgegen. Auf Facebook hat sich bereits eine Gruppe formiert, die zum „HVV-Abschiedstrinken“ vor der Einführung der Geldstrafe aufruft. Die Aktion soll am Abend des 30. Septembers in der Linie U3 am Hauptbahnhof beginnen. Schon bis Dienstag hatten mehr als 5000 Nutzer versprochen mitzutrinken.

Autor:  Nadja Erb
Datum:  30 | 8 | 2011
Kommentare:  3
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