Polizei und Feuerwehr hätten eine schlimme Eskalation verhindert - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lobte die Einsatzkräfte nach dem Anschlag im mittelfränkischen Ansbach. Ein 18 Jahre alter Schüler, der die 13. Klasse des Carolinum-Gymnasiums besucht, war am Donnerstag mit mehreren Molotow-Cocktails, Messern und einer Axt bewaffnet in die Schule gestürmt.
Zwei Brandsätze zündete er. Zwei Schülerinnen wurden schwer verletzt, mehrere kamen mit leichten Verletzungen davon. Der Täter selbst wurde von Polizeischüssen getroffen.
Herrmann sagte später: "Es hat sich bewährt, dass die Schulen ordentlich vorbereitet waren." Seit 2002 gibt es in Bayern Pläne, wie Schulen auf Amokläufe reagieren sollen. Nach dem Amoklauf von Winnenden waren sie überarbeitet worden. Das Ziel: die Schüler schnell und sicher aus dem Schulgebäude zu befreien. In Ansbach wurden die Gymnasiasten per Feueralarm informiert. Sie verließen rasch das Gebäude.
Prävention muss nach Auffassung von Jens Hoffmann vom Darmstädter Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement jedoch "viel früher einsetzen als im Alarmfall. Aber die Vorbeugung wird bei uns vernachlässigt: Die Warnsignale sind doch immer die gleichen", sagte er der FR. Krisenteams in den USA hätten gezeigt, dass sie mit einfachen Mitteln "etliche Fälle abwehren konnten".
Dabei gehe es vor allem darum, Lehrer für die Signale der Jugendlichen zu sensibilisieren "und dafür zu sorgen, dass sich dann auch jemand um diese Schüler kümmert". In der Wahl der Waffen sieht Hoffmann keine neue Qualität: "Das ist eine Frage der Verfügbarkeit." Amokläufer folgten stets dem "Skript" ihrer Vorgänger.
"Molotow-Cocktails haben schon die Täter in der Columbine Highschool 1999 verwendet." Auch die 16-jährige Bonnerin, die im Mai eine Schule angreifen wollte, hatte Brandsätze dabei. Veränderungen im Muster müsse man allerdings im Auge behalten. So hätten sich bis 2000 nur ein Viertel der Amokläufer in Deutschland nach der Tat getötet. "In den Folgejahren mündeten sie fast immer im Suizid." Das habe sein Kollege Frank Robertz herausgefunden, so Hoffmann.
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