Wenn ein Attentäter in einer Grundschule zwanzig Kinder, sechs Erwachsene und anschließend sich selbst tötet, dann ist es verständlich, dass nach Erklärungen gesucht wird. Ob der Angeklagte Freunde hatte, ob er seine Tage und Nächte vor dem Computer verbrachte, ob er beliebt war – all diese Fragen werden plötzlich relevant, weil der Attentäter durch das große Interesse zur öffentlichen Figur wird und weil es möglicherweise wichtig ist, ihn zu verstehen.
Wie konnte so etwas passieren? Journalisten versuchen regelmäßig, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Das ist nicht verwerflich. Problematisch wird es aber dann, wenn ein kausaler Zusammenhang hergestellt wird zwischen den Eigenschaften und Vorlieben des Täters und der Tat. Besonders beliebt war eine Zeit lang die Theorie, dass Killerspiele gewalttätig machen, mit der mageren Begründung, dass einige Amokläufer solche Spiele liebten.
Jetzt macht eine andere vermeintliche Erklärung die Runde. Sie hat damit zu tun, dass mehrere Zeugen Lanza als gleichzeitig emotionslos und hochintelligent beschreiben - was mehrere Zeitungen zu der Vermutung veranlasst, der Attentäter Adam Lanza sei ein sogenannter Asperger-Autist gewesen (Focus.de wertet die Spekulationen sogar als Tatsache, ohne nähere Begründung).
Mit diesen Annahmen beschäftigt sich auch eine Redakteurin von Spiegel Online. Ihr Text beginnt mit der Frage, wie es sein kann, dass ein 20-jähriger „offenbar kaltblütig und emotionslos“ 27 Menschen töten konnte, darunter seine Mutter und wehrlose Kinder. Die Antwort wird bereits im Titel suggeriert: Asperger-Syndrom - Blind für die Emotionen anderer Menschen. Die These von einem Zusammenhang wird implizit dadurch unterstützt, dass Fälle von angeblich autistischen Amokläufern aufgezählt werden.
Zwar äußert sich die Autorin in dem inzwischen umgeschriebenen Artikel an vielen Stellen vorsichtig, schreibt, dass die Zeugenaussagen kaum genügten, Lanza als „Aspie“ zu bezeichnen. Das Asperger-Syndrom sei auch keine Erklärung für eine solche grausame Tat.
Trotz solcher Rückzieher sind viele Betroffene sauer. „Dank Artikeln wie diesem werde ich wohl in nächster Zeit wieder etwas vorsichtiger sein müssen, den Begriff Asperger irgendwo fallen zu lassen“, ärgert sich der Blogger „Hawkeye“ in einem Text.
Andere Blogger wenden sich gegen die Annahme, Betroffene seien generell nicht in der Lage, Gefühle für andere Menschen zu empfinden. „Es gibt durchaus empathische und sehr empathische Autisten.“
Überhaupt: Allein die soziale Isolation einer Person lasse keinen Rückschluss auf Autismus zu, schreibt Sabine Kiefner. Die Überschrift ihres Textes: „Mein Name ist Sabine und ich bin keine Massenmörderin.“
Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Oscar Pistorius, Paralympics-Star und Sportidol, steht in Südafrika vor Gericht. Er soll seine Freundin Reeva Steenkamp ermordet haben. Wir begleiten den Fall in einem FR-Spezial.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.