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15. Dezember 2012

Amoklauf in Newtown: Ein Ort in Schockstarre

 Von Christopher Sullivan, dapd
Ganz Newtown ist im Schockzustand. Foto: AFP

Nach dem Amoklauf im US-Bundesstaat Connecticut ringen die Bewohner des kleinen Örtchens Newtown um Fassung.

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Nach dem Amoklauf im US-Bundesstaat Connecticut ringen die Bewohner des kleinen Örtchens Newtown um Fassung.

Newtown –  

An einer Straßenkreuzung im Zentrum von Newtown steht ein Fahnenmast. Jeden Tag schaut Susan White auf diese Stange und wenn die Flagge auf Halbmast weht, ruft sie bei der Lokalzeitung an und erkundigt sich nach dem Grund.

Diesmal ist es anders. Sie weiß, warum die Trauer ausgerufen wurde. Jeder im Ort weiß es. Am Freitag tötete ein 20-jähriger Amokläufer in der Sandy-Hook-Grundschule in der Kleinstadt in Connecticut fast 30 Menschen, überwiegend Kinder, und anschließend sich selbst.

Newtown ist ein verträumtes, kleines Postkartenidyll. Manche der Häuser stammen noch aus der Gründerzeit vor 300 Jahren, als 36 Männer von der Kolonialverwaltung die Erlaubnis bekamen, eine neue Stadt zu gründen. Die Kreuzung im Zentrum ist leer gefegt am Freitagabend. Neben der Fahne ragt der angestrahlte Kirchturm mahnend in die Höhe.

Der Schock sitzt tief. In dem Örtchen mit 27.000 Einwohnern scheint jeder irgendwie persönlich betroffen zu sein. „Ich kenne den Ort“, ruft der 18-jährige Kyle Watts in einem Technikgeschäft erschrocken, als er die Bilder im Fernsehen sieht. Er war selbst Schüler auf der Sandy-Hook-Grundschule. „Vor einer Woche haben wir dort einen Weihnachtsbaum aufgestellt“, sagt er ungläubig. „Es wurde gesungen.“

Wahrscheinlich war der Attentäter erkannt worden, als er die Schule betrat. „Jeder kennt hier jeden“, sagt Watts. Vielleicht dachten sie, er stelle keine Gefahr dar, weil man ihn ja kennt. „Du würdest niemals glauben...“, sagt Watts und lässt seine Gedanken unausgesprochen im Raum verhallen.

„Das war meine Schule“

Viele in Newtown wollten sofort helfen. Die Kirchen blieben in der Nacht geöffnet. „Restaurantbesitzer schickten Essen“, sagt Scudder Smith von der Lokalzeitung Newtown Bee. Mitarbeiter der ehrwürdigen Wochenzeitung, erstmals erschienen 1877, waren umgehend vor Ort. Ein Foto ihrer Mitarbeiterin Shannon Hicks von verängstigten Kindern erschien in vielen ausländischen Medien.

Die Samstagsausgabe der Bee war schon abgeschlossen, als die Nachricht bekannt wurde. Darin gab es einen Artikel über die hervorragende Bilanz der Schule, die ihre Ziele übertroffen hatte. Die haarsträubenden Nachrichten des Freitagabend veröffentlichte das Blatt daher im Internet.

Anrufe aus aller Welt erreichten die Redaktion. Plötzlich wollen alle über Newtown berichten, dabei war es vor dem Blutbad vom Freitag schon 300 Jahre lang da.

Susan White schaut noch immer auf den Fahnenmast an der Hauptkreuzung. Ihr Vater saß im Schulrat und hatte einst mitentschieden, das Gebäude der Sandy-Hook-Schule zu bauen. „Das war meine Schule“, sagt sie.

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