Stuttgart. Der Amoklauf des 17-jährigen Tim K. in Winnenden und Wendlingen hat zahlreiche Trittbrettfahrer animiert. Bis Montag hätten allein in Baden-Württemberg 52 Personen eine ähnliche Bluttat angedroht, sagte Innenminister Heribert Rech am Dienstag in Stuttgart. 39 davon seien ermittelt worden, gegen fünf sei Haftbefehl erlassen worden. Gegen 13 liefen noch die Ermittlungen.
Von den 52 hätten sich 20 über das Internet gemeldet, 32 telefonisch oder in anderer Form. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir mit weiteren Trittbrettfahrern zu rechnen haben", sagte der Minister. Diese Drohungen belasteten die Arbeit der Polizei erheblich.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger sagte, für die zentrale Trauerfeier am Samstag in Winnenden schwankten die Prognosen zwischen 30.000 und 100.000 Gästen. Es sei schwierig zu sagen, wie diese Gäste die kleine schwäbische Stadt erreichen und wo sie die Feier verfolgen könnten. Es gebe in Winnenden keine entsprechend großen Plätze.
Computer der Mutter beschlagnahmt
Die Polizei prüft weiter, ob der Amokläufer von Winnenden die Tat im Internet angekündigt hat. Heribert Rech sagte am Dienstag in Stuttgart, "vieles spricht dafür", dass die Ankündigung in einem Chatroom im Internet gefälscht wurde. Dennoch werde auch der beschlagnahmte Computer der Mutter geprüft. Auch gebe es Hinweise, dass der 17- jährige Tim K. Internet-Cafés aufgesucht habe.
Die Polizei will außerdem mit den Informationen des in den USA sitzenden Betreibers des Chatrooms den Sachverhalt klären. "Wir warten immer noch auf ein Ermittlungsergebnis aus den USA", sagte ein Polizeisprecher in Waiblingen. Es spricht aber viel dafür, dass es diesen Chat-Eintrag von Tim K. nicht gab: Auf dem beschlagnahmten PC des Todesschützen Tim K. wurden keine Belege für eine Ankündigung des Blutbads im Internet gefunden.
Tim K. hatte am vergangenen Mittwoch 15 Menschen erschossen, darunter neun Schüler und drei Lehrerinnen an seiner ehemaligen Schule. Zuletzt erschoss sich der Amokläufer selbst.
Rech räumte ein, dass es bei der Weitergabe von Informationen über die Internet-Ankündigung eine "Panne" gegeben habe. Allerdings mache er der Polizei keinen Vorwurf: "Ich halte den Ermittlungsbeamten zugute, dass sie persönlich bis an die Grenze der eigenen Belastbarkeit gearbeitet haben." Er ergänzte: "Da passiert schon einmal so etwas." Über personelle Konsequenzen mache er sich derzeit keine Gedanken. (rtr/dpa)
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