Dresden. Während einer Verhandlung vor dem Dresdner Landgericht hat am Mittwoch ein Angeklagter eine Zeugin erstochen. Obwohl mehrere Notärzte die 32 Jahre alte Frau noch im Gerichtssaal versorgten, erlag sie wenige Minuten nach dem Anschlag ihren Stichverletzungen. Zwei weitere Personen wurden ebenfalls vom Angeklagten verletzt, allerdings nicht so schwer.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Avenarius, sagte der Frankfurter Rundschau, Polizisten hätten den Angeklagten nach einem Handgemenge überwältigt. Dabei sei auch ein Schuss abgefeuert worden.
Zu einem möglichen Motiv des 28-jährigen Alex W., der angeblich in Perm in Russland geboren wurde, konnte die Staatsanwaltschaft nichts sagen. Der Mann, angeblich ein arbeitsloser Lagerarbeiter, gegen den nun wegen Totschlags ermittelt wird, wurde am Mittwoch vernommen. Der Tatort wurde abgesperrt, es wurden Spuren untersucht. Zeugen, die während der Messerattacke im Saal waren, wurden ebenfalls schon vernommen. "Die Zeugen stehen mehr oder weniger unter Schock. Wir müssen da sehr sensibel vorgehen", sagte Avenarius.
Alltagsfall wird zur Katastrophe
Als im Gerichtsgebäude am Sachsenplatz in Dresden-Johannstadt der Schuss des Polizisten fiel, gingen Justizmitarbeiter im Haus zunächst von einem Amoklauf aus. Sie wurden aufgefordert, in ihren Büros zu bleiben und nicht auf die Gänge zu gehen. Doch ein Amoklauf war die Messerattacke nach Angaben von Avenarius nicht. In welcher Beziehung Angeklagter und Zeugin standen und wie sich die Bluttat genau abspielte, war am Mittwoch noch unklar.
Gegen Alex W. wurde in Dresden vor der 12. Strafkammer des Landgerichts in einem Berufungsverfahren wegen Beleidigung verhandelt. Der 1980 geborene Mann war bereits vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er im August vor einem Jahr auf einem Spielplatz in Dresden eine Frau beschimpft und beleidigt hatte.
Es sei fürchterlich, so Staatsanwalt Avenarius, dass ein solcher Alltagsfall in einer solchen Katastrophe geendet habe. Eine Sprecherin des Landgerichts sprach von einem "Super-GAU". Sie erklärte, es habe vor Verhandlungsbeginn keine Waffenkontrollen und besondere Untersuchungen gegeben. Weil es nur um einen Beleidigungsfall ging, seien erhöhte Sicherheitsmaßnahmen einfach nicht angebracht gewesen.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.