Mexiko-Stadt/Washington (dpa) - Die Menschen in der Karibik kommen nicht zur Ruhe. Schwere Wirbelstürme verbreiten seit Wochen Angst und Schrecken - und ein Ende der Bedrohung ist nicht in Sicht.
In Haiti starben mehr als 60 Menschen, als Sturm "Hanna" über den Norden des Landes hinwegzog und ganze Landstriche verwüstete. Noch am Donnerstag stand die Stadt Gonaïves im Zentrum des Landes wegen schwerer Überschwemmungen unter Wasser, berichteten örtliche Medien. Und die nächste Katastrophe bahnt sich schon an.
Über dem Atlantik entwickelte sich Wirbelsturm "Ike" auf seinem Zug Richtung Karibik zum Hurrikan der Stufe vier auf der fünfteiligen Skala. Wann und wo er auf Land treffen könnte, ist nach Angaben des Hurrikanzentrums in Miami aber noch nicht abzusehen.
"Unmöglich, die Stadt zu betreten"
"Wir können derzeit nur zum Teil sagen, welche Schäden es gibt", sagte der Bürgermeister von Gonaïves, Stephen Moïse. "Im Moment ist es unmöglich, die Stadt zu betreten." In der drittgrößten Stadt Haitis sollen 4000 Menschen in Notunterkünfte geflohen sein. Andere retteten sich auf die Dächer ihrer Häuser. Ein Polizist berichtete, dass er Leichen im Wasser habe treiben sehen. Dort, wo einmal Straßen waren, haben sich Kanäle mit schmutzigem Wasser gebildet.
Doch auch auf dem Land leiden die Menschen: In der Umgebung rissen über die Ufer getretene Flüsse Brücken mit sich und zerstörten Getreidefelder, berichtete der Radiosender "Métropole". Seit Mitte August sind in Haiti durch die Wirbelstürme "Fay", "Gustav" und "Hanna" mehr als 160 Menschen ums Leben gekommen.
"Meine Mutter lebt in Gonaïves. Sie hat am Telefon zu mir gesagt: "Mein Sohn, wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir wissen nichts, nichts, da ist nur Regen und Wind."", schreibt ein Haitianer auf der Internetseite einer örtlichen Zeitung.
"Hanna" rast auf Florida zu
Obwohl die Touristenhochburg Puerto Plata im Norden der Dominikanischen Republik bislang weitgehend verschont geblieben ist, blicken Einheimische und Urlauber mit Sorge auf die Hurrikan-Vorhersagen. "Es regnet hier mittlerweile ganze Tage lang - das gibt es sonst eigentlich nicht", sagte eine deutsche Reiseleiterin in Puerto Plata. Die Hotelgäste seien informiert worden, was im Notfall zu tun sei. "Viel schlimmer ist es für die Einheimischen. Viele ihrer Holzhütten können nicht richtig abgedichtet werden. Aber es regnet in Strömen. Oft haben die Leute stundenlang keinen Strom und kein Wasser."
Auch in den Vereinigten Staaten geht wieder die Angst um, nachdem Hurrikan "Gustav" die Metropole New Orleans Anfang der Woche zum größten Teil verschont hatte. Wirbelsturm "Hanna" steuert derzeit auf den Südosten der Vereinigten Staaten zu. In Florida wird schon vor gefährlichen Unterströmungen an der Küste gewarnt, die Schwimmer auf das offene Meer ziehen können. In New Orleans kehrten derweil immer mehr Menschen in ihre Häuser zurück. Ab Donnerstag wurde in der Küstenregion die Rückkehr der meisten der insgesamt 1,9 Millionen Menschen erwartet, die die Gefahrenzone am vergangenen Wochenende verlassen hatten.
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