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Aussichtloser Widerstand: Geronimo, der berühmteste der Apachen

Vor 100 Jahren starb der Indianer, der die Weißen länger an der Nase herumführte als jeder andere. Nach all den Kämpfen erlag er 86-jährig einer Lungenentzündung. Von Michael Weißenborn

Geronimo, Häuptling der Chiricahuas-Apachen (Bild circa 1905).
Geronimo, Häuptling der Chiricahuas-Apachen (Bild circa 1905).
Foto: getty

Silver City. Anfang der 1880-er Jahre waren die Sioux und Cheyenne, die General Custers Armee am Little Bighorn geschlagen hatten, besiegt und befriedet, Crazy Horse war tot, Sitting Bull gab nur noch Zeitungsinterviews und auch Chief Joseph von den Nez Perce-Indianern hatte längst aufgegeben. Nur die Chiricahua-Apachen zogen noch frei durch den Süden Arizonas und New Mexicos. Auch deren große Häuptlinge wie Cochise, Mangas Coloradas und Victorio waren tot.

Einzig Geronimo führte bis 1886 einen aussichtlosen Widerstandskampf. Am Ende waren es ganze 16 Krieger, zwölf Frauen und sechs Kinder, die von 5000 amerikanischen und 3000 mexikanischen Soldaten gejagt wurden. Weil Geronimo am längsten ausgehalten hat, wurde er zum berühmtesten aller Apachen, der Weiße wie Indianer noch heute nicht kalt lässt.

In einem Canyon in der Nähe des heutigen Städtchens Clifton in Arizona geboren, erhielt er schon in jungen Jahren den "nom de guerre" Geronimo. Verzweifelt hatten die mexikanischen Soldaten in einem Gefecht den katholischen Heiligen Hieronymus angefleht, als der Apache mehrmals durch den Kugelhagel rannte, um die Soldaten mit dem Messer zu töten. Geronimo war nie ein richtiger Häuptling, sondern ein Medizinmann, Seher und ein ebenso brillanter wie furchtloser Schlachtenführer. Und seit mexikanische Soldaten seine Mutter, seine Frau und drei seiner Kinder getötet hatten, hasste er alle Mexikaner.

In seiner Autobiographie beschreibt er, schon als Kind habe er gelernt, dass sich der Apachen-Gott Usen nicht um "die kleinen Händel der Menschen kümmert", dass er selbst Rache üben müsse. Jahrzehntelang zog er mit kleinen Indianertrupps raubend und tötend durch den Norden Mexikos. Geronimo wusste sich auf der Flucht meisterhaft unsichtbar zu machen, nur um dann blitzschnell wieder zuzuschlagen.

Den "Weißen Augen", wie die amerikanischen Siedler bei den Chiricahuas hießen, widmete Geronimo erst seine Aufmerksamkeit, als auch sie in größerer Zahl ins Apachenterritorium eindrangen und Indianer töteten. Geronimo überragte alle anderen Apachen an "Grausamkeit und Gerissenheit", schrieben die US-Zeitungen.

Härter bestraft als alle anderen

Jahrelang entzogen sich Geronimo und seine Chiricahuas den Soldaten aus den USA und Mexiko, indem sie immer wieder über die Grenze wechselten. Doch 1877 brachte ihn die US-Army in Ketten in die Ödnis des San-Carlos-Reservats in Arizona, wo sie die Indianer brutal zu sesshaften Bauern umerziehen wollte. Doch Geronimo verschwand immer wieder wie von Geisterhand mit anderen Kriegern aus dem Reservat.

Die Bürger im Arizona-Territorium beklagten sich bitter über das andauernde Morden und Brandschatzen der Indianer. Deshalb zwang General George Cook Geronimo im März 1886 nach einem waghalsigen Feldzug mit einem Viertel der US-Army erneut zur Kapitulation. Noch einmal entkam er nach Mexiko, bis er sich am 3. September 1886 im Skeleton Canyon das letzte Mal ergab. Seine Heimat sollte er nie wieder sehen. Wegen ihres hartnäckigen Widerstands wurden die Chiricahuas härter bestraft als alle anderen Indianer.

Geronimo verbrachte fast acht Jahre bei schwerer Arbeit in Florida, bevor er 1894 nach Fort Sill in Oklahoma gebracht wurde. Er wurde zum Farmer und signierte Touristenfotos. 1905 appellierte Geronimo an Präsident Theodore Roosevelt, sein Volk in die Heimat zurückkehren zu lassen. "Wenn das möglich wäre, könnte ich in Frieden sterben", schrieb der Apache. Roosevelt lehnte ab.

In einer kalten Winternacht 1909 fiel Geronimo auf dem Heimweg aus Lawton, Oklahoma, vom Pferd und lag bis zum nächsten Morgen im Straßengraben. Vier Tage später starb der 86-Jährige an Lungenentzündung. Sein Grab, eine kleine Pyramide aus braunem Granit, ragt heraus aus den Reihen der identischen weißen Grabsteine des Apachenfriedhofs von Fort Sill. Unter Weißen wie Indianern ist Geronimo bis heute unvergessen.

Autor:  MICHAEL WEIßENBORN
Datum:  16 | 2 | 2009
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