Herr Prahl, Sie wollten 2010 kürzer treten. Klappt das bis jetzt?
Ganz gut eigentlich. Die nächsten Dreharbeiten sind erst im Juni. Zurzeit kapriziere ich mich mehr auf Musik und komponiere Songs, aus denen demnächst mal die erste eigene CD werden soll. Und vor kurzem war ich drei Wochen auf Kreuzfahrt...
Axel Prahl hatte sein TV-Debüt 1994 in der Krimireihe "Bella Block". Für die Darstellung eines Polizeibeamten in dem Film "Die Polizistin", erhielt er 2001 den Grimme-Preis. Im selben Jahr spielte Prahl eine Nebenrolle in dem Oscar-gekrönten Drama "Der Pianist". Seit 2002 verkörpert er im Münsteraner Tatort den Hauptkommisar Frank Thiel.
An diesem Freitag hatte Prahl 50. Geburtstag. Geboren wurde er 1960 in Eutin, in Schleswig-Holstein. Prahl war zweimal verheiratet und lebt in Berlin. Der Schauspieler hat drei Töchter und einen Sohn. (rn)
...Kreuzfahrt? Passt gar nicht zu Ihrem Proletarier-Image!
Ein Proletarier-Image hat vielleicht der Kommissar Thiel aus dem "Tatort", aber Axel Prahl? Ich bevorzuge zwar durchaus Geschichten, die gesellschaftsrelevant sind, würde mich selbst aber nicht unbedingt und ausnahmslos als Proletarier begreifen. Aber wenn Sie meinen, dass ich so gesehen werde, sollte ich daran arbeiten, dass das nicht so bleibt.
Ich bin ja nicht Ihr Stilberater.
Vielleicht können wir uns darauf verständigen, dass ich schon gerne als jemand wahrgenommen werden möchte, der ehrlich ist, authentisch, nicht abgehoben - ein Mann aus dem Volk.
Wie kamen Sie denn auf diese Art Urlaub an Bord eines Schiffes?
Ich hatte eine Einladung der Reederei Deilmann, auf der "MS Deutschland" - das ist das ZDF-"Traumschiff" - Kap Hoorn zu umrunden. Mit dabei war auch Kapitän Hans Peter Jürgens, der letzte deutsche Kap Hoornier. Den Bestseller "Sturmkap" von Stefan Krücken über Jürgens Kap-Hoorn-Umsegelung im Jahr 1939 habe ich als Hörbuch eingelesen. Schon deshalb war diese Reise für mich etwas ganz Besonderes. Zumal ich dann auch noch meinen Stiefvater mitgenommen habe, der früher für ein paar Jahre als U-Boot-Fahrer bei der Marine gewesen war.
Eine Vater-Sohn-Kiste?
Ein bisschen schon, ja. Mein Stiefvater ist derjenige, abgesehen von meiner Mutter natürlich, der mich in meinen Wertvorstellungen - Anstand, Bescheidenheit - am wesentlichsten geprägt hat. Meine Mutter hätte ich auch gern dabei gehabt, aber die wollte leider nicht mitkommen. Ich habe es sehr genossen, auf der langen Reise mit meinem Vater über alles reden zu können, was unsere Familie betrifft - und auch über das, was sich privat bei mir so alles geändert hat.
Nämlich?
Ich bin ja bereits einmal geschieden. Und nun ja, jetzt steht die zweite Scheidung an. Meine zweite Frau hat sich von mir getrennt. Es gab da massive Probleme mit vielem, was an meinem Beruf dranhängt: der Termindruck, die Prominenz, der Verlust jeglicher Rückzugsmöglichkeit und jeglicher Privatsphäre, so dass man nicht mal mehr zum Bäcker gehen kann, ohne von diesem oder jenem angesprochen zu werden. Permanent im Mittelpunkt des Interesses zu stehen, das kann schon enorm aufreibend und sehr anstrengend sein.
Hatten Sie nicht gehofft, dem Ganzen durch Ihren Umzug von Prenzlauer Berg ins Berliner Umland zu entgehen?
Für mich war das auch in Ordnung. Aber für meine Frau, meine künftige Ex-Frau war es ziemlich katastrophal. Die fand es da draußen ganz furchtbar, zu eingeengt der ganze Kosmos.
(Interview: Joachim Frank)
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