Mexiko-Stadt. Der Valentinstag ist in Mexiko noch eine Spur kitschiger als anderswo. Bereits lang vor dem 14. Februar liegt über dem ganzen Land ein rosaroter Schleier: Geschäfte und Kaufhäuser tauchen ihre Auslagen in Valentinsfarbe, ambulante Verkäufer bieten Ballons und Schleifchen mit Liebesschwüren feil, Bäckereien backen Süßes in Herzform und überziehen es mit rotem Guss.
Dieses Jahr kommt zum Kitsch noch eine Prise Protest gegen den Konservatismus im Land hinzu. Daher wollen sich am Samstagnachmittag Zehntausende Paare auf dem riesigen Hauptplatz von Mexiko-Stadt, dem Zócalo, ins Guinness-Buch der Rekorde knutschen: Spitze Küsse, leidenschaftliche oder freundschaftliche Küsse - alles zählt. 35 000 Menschen will die Stadtregierung unter dem Motto: "Bésame mucho" ("Küss mich viel") zum zeitgleichen Kuss animieren, womit Mexiko London aus den Rekord-Aufzeichnungen verdrängen würde. Die britische Hauptstadt hält den Rekord mit 33 000 Küssenden. Begleitet wird die Aktion von einer "Kirmes der Liebe" mit Ausstellungen, Gesprächen und Informationsständen rund um das Thema Sexualität.
Knutschen gegen das Verbot
"Mit dem kollektiven Kuss, der öffentlich Zuneigung ohne jegliche Art der Unterdrückung demonstriert, zeigen wir, dass in unserer Stadt die Liebe kein Verstoß gegen das Gesetz ist", sagt Malú Micher, Direktorin der Behörde für Frauenangelegenheiten von Mexiko-Stadt. Es ist die Reaktion der linken Regierung der Metropole auf eine absurde "Kussdebatte", die sich Anfang des Jahres in der mexikanischen Provinz zutrug. In der hübschen Kolonialstadt Guanajuato im Herzen Mexikos, die zum Weltkulturerbe gehört, hatte Bürgermeister Eduardo Romero das Küssen zum Delikt erklärt. Die verwinkelten Straßen und schönen Plätze der Stadt, in der es sogar einen "Callejón del Beso", eine "Gasse des Kusses" gibt, regen vor allem junge Liebespaare zum Knutschen an. Daran stört sich Romero von der konservativen Regierungspartei PAN und moniert die angeblich "olympischen Küsse", die er in seiner Stadt ansehen müsse.
Vorsicht - Schwangerschaft!
Mitte Januar ließ der Bürgermeister daraufhin allzu innige öffentliche Liebesbekundungen mit 36 Stunden Arrest ahnden. Die Begründung könnte absurder nicht sein: Man wolle die Jugendlichen vor ungewollten Schwangerschaften schützen. Romero erntete für den Erlass im ganzen Land Hohn und Spott und von seiner Partei, der auch Mexikos Präsident Felipe Calderón angehört, einen Rüffel. Der Erlass ist inzwischen wieder in der Schublade verschwunden, aber die mexikanische Kuss-Offensive dennoch in vollem Gang.
"Der Kuss-Marathon hat sich längst in eine Botschaft verwandelt", sagt der Tourismus-Minister von Mexiko-Stadt, Alejandro Rosas. "Unsere Stadt war immer ein Hort der Freiheit. Hier wird viel geküsst, zu viel vielleicht, deswegen sind wir mehr als 20 Millionen", betont er mit einem Augenzwinkern.
Geknutscht wird am 14. Februar in mehreren Kategorien, wie die Veranstalter sagen. Sie klären gegenwärtig mit den Guinness-Buch-Herausgebern noch die Details des Rekordversuchs. Wer mitküssen will, muss sich vorher bei der Stadtregierung anmelden: www.besamemucho.df.gob.mx.
Platzmangel dürfte es aber kaum geben: Der Zócalo fasst 200 000 Menschen.
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