Die Wissenschaftler des Nationalen Referenzlabors im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hätten bestätigt, dass der Stamm von den Sprossen identisch ist mit dem Stamm aus den erkrankten Patienten, teilte der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in Berlin am Samstag mit. Das Ergebnis sei ein weiterer wichtiger Stein in der Beweiskette, dass rohe Sprossen als wesentliche Quelle für die Ehec-Infektionen anzusehen seien.
"Nichts falsch gemacht"
Der Betrieb muss aber wohl nicht mit einem rechtlichen Nachspiel rechnen. „Nach allen bisherigen Erkenntnissen wurde auf dem Betrieb nichts falsch gemacht“, sagte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gerd Lindemann der „Rhein-Neckar-Zeitung“ zur Begründung. Der Hof habe hohe Hygienestandards und sei bisher nicht negativ aufgefallen. Sein Sprecher Gert Hahne ergänzte, nach allen Erkenntnissen des Ministeriums führe der Inhaber seinen Betrieb einwandfrei und habe sich an alle Vorschriften gehalten. „Man kann niemanden bestrafen, weil er einfach Pech hatte“, sagte Hahne der Nachrichtenagentur Reuters.
Der lebensgefährliche Ehec-Erreger vom Typ O104 war am Freitag erstmals auf Sprossen aus dem seit Tagen verdächtigten Bio-Betrieb nachgewiesen worden. Gefunden wurden sie nach Angaben des nordrhein-westfälischen Agrarministeriums in der Mülltonne einer Familie im Rhein-Sieg-Kreis, von der zwei Mitglieder Mitte Mai an Ehec erkrankten waren. Wie die Keime auf die Sprossen kamen, ist weiter unklar.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kündigte an, dass nun bundesweit schwerpunktmäßig Produzenten und Importeure von Sprossen und deren Produkte überprüft würden. Dabei müssten auch Importe von Saatgut aus dem Ausland einbezogen werden, sagte die Ministerin der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Zudem werde der Bund mit den Ländern die Möglichkeiten für häufigere Kontrollen bei Sprossen-Erzeugern prüfen.
Bahr: Kein Anschlag
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr schloss einen Anschlag als Ursache für die Epidemie aus. „Die Sicherheitsbehörden haben dafür nicht den geringsten Hinweis. Zudem sagen uns Fachleute, dass auch die Struktur des Erregers gegen eine Laborzüchtung spricht“, sagte der Minister der „Bild am Sonntag“.
Schon vor dem Nachweis hatten die Behörden aufgrund von Indizien die Sprossen als die Ehec-Träger ausgemacht und die seit mehr als zwei Wochen bestehende Verzehrwarnung für Gurken, Tomaten und Salat aufgehoben. EU-Agrarkommissar Dacia Ciolos sagte, er hoffe, dass sich der Markt nach der Teil-Entwarnung vom Freitag wieder schnell erhole. „Das ist ein klares Signal für die Verbraucher, auf der Grundlage von wissenschaftlichem Sachverstand, dass sie diese Produkte wieder ohne Bedenken essen und genießen können“, sagte Ciolos der „Passauer Neuen Presse“.
Auch wenn die Epidemie ihren Höhepunkt wohl überschritten habe, seien weitere Todesfälle nicht auszuschließen, sagte Bahr. Ein Wiederaufflammen der Seuche nannte der Minister aber „sehr unwahrscheinlich“. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland 30 Menschen an Ehec oder der schweren Komplikation HUS gestorben. (rtr)
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