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23. Januar 2013

Banküberfall in Berlin-Steglitz: Polizei suchte nach Unschuldigem

 Von Andreas Kopietz
Alltag: Die von Tunneleinbrechern überfallene Bank in Steglitz ist seit Montag wieder für Kunden geöffnet. Die betroffenen Schließfachinhaber bleiben auf ihrem Schaden sitzen, wenn sie nicht zusätzlich versichert sind.  Foto: dpa

Das am Dienstag von der Polizei verbreitete Fahndungsfoto zeigt keinen Tunnel-Gangster. Bei dem Mann handelt es sich um einen Studenten aus Wuppertal.

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Das am Dienstag von der Polizei verbreitete Fahndungsfoto zeigt keinen Tunnel-Gangster. Bei dem Mann handelt es sich um einen Studenten aus Wuppertal.

Berlin –  

Über Nacht wurde der 30-jährige Jens O. aus Wuppertal berühmt. Am Dienstagabend fand er in seinem Postfach E-Mails von Freunden. Sie berichteten ihm, dass nach ihm gefahndet werde. Der Student sollte angeblich einer jener Tunnelgangster sein, die vor gut anderthalb Wochen die Schließfächer einer Volksbank-Filiale in Steglitz ausraubten.

Die Berliner Polizei hatte das Foto mit seinem Konterfei am Dienstag veröffentlicht. Es ging seitdem durch alle Medien: Fernsehen, Zeitungen, Internet.

Die Polizei hatte sich – von einem Richter abgesegnet – dazu entschlossen, das Passbild mit dem Gesicht des 30-Jährigen zu veröffentlichen, weil es auf einem gefälschten niederländischen Ausweis prangte. Mit dem Dokument hatte ein Unbekannter im Februar 2012 einen Stellplatz in einer Tiefgarage in der Steglitzer Wrangelstraße angemietet. Von dort aus wurde ein Tunnel in den Tresorraum der Bank gegraben.

Zur Tatzeit im Ausland

Jens O. rief sofort die Polizei an. Er sei sehr aufgeregt gewesen, hieß es im Polizeipräsidium. Die Polizei kann nun ausschließen, dass er an dem spektakulären Einbruch, bei dem Hunderte Schließfächer aufgebrochen wurden, beteiligt war. O. ist erst seit wenigen Tagen wieder zu Hause. Er war längere Zeit im Ausland.

Inzwischen ist auch klar, dass die Täter sein Foto aus dem Internet kopiert hatten, möglicherweise aus Facebook. Dokumentenfälscher sind schon früher so vorgegangen. Doch meistens werden bei gefälschten Personalien Originalfotos verwendet. Ob sich die Polizei bei dem unbescholtenen Studenten entschuldigte, ist nicht bekannt. Von einer Ermittlungspanne will sie indes nicht sprechen. Offenbar wohl von einer Ermittlungsmethode. „Die Fahndung führte immerhin zu dem Ergebnis, dass der Mann es nicht ist“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Wir wissen aber, dass zwischen ihm und dem Mann, der den gefälschten Ausweis vorlegte, eine Ähnlichkeit besteht.“

Auch die bisher veröffentlichten Merkmale des gesuchten Garagenmieters bleiben: Er wurde von Zeugen als Mitteleuropäer beschrieben. Er ist 1,75 bis 1,85 Meter groß und hat eine schlanke bis kräftige Figur. Seine kurzen Haare sind mittelblond bis braun. Er trug eine Brille und sprach deutsch mit einem nicht geklärten ausländischen Akzent.

Polizei wertet Videos aus

Trotz des Rückschlags ist die Polizei zuversichtlich, den Fall lösen zu können. Inzwischen sind bei ihr 240 Hinweise auf die Tunnelgangster eingegangen.

Unterdessen geht die Auswertung der mehreren 1 000 gesicherten Spuren weiter. Die Täter haben sich nicht vorgesehen und zahlreiche Fingerabdrücke, DNA und Werkzeugformspuren hinterlassen.

Nach Informationen der Berliner Zeitung wertet die Polizei auch Videoaufnahmen aus, auf der die Täter zu sehen sein sollen. Zwar befinden sich im Tresorraum aus Datenschutzgründen keine Kameras, jedoch in anderen Räumen der Bank, beispielsweise im Vorraum zum Tresor. Die Polizei machte dazu keine näheren Angaben. Sie begründete ihr Schweigen mit „ermittlungstaktischen Gründen“.

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