Millionen Kinder weltweit hat sie verzaubert und an geheimnisvolle Orte entführt - auf Schatzinseln und in Burgverliese, zur "Efeuvilla" und in die "verbotene Höhle" sind ihre kleinen Leserinnen und Leser Enid Blyton, der berühmten englischen Kinderbuch-Autorin, gefolgt. Einen Ort freilich gab es, der ihr selbst verschlossen blieb, zu dem sie sich partout keinen Zutritt verschaffen konnte. Ins Radio, in den britischen Rundfunk, vermochte Blyton nicht vorzustoßen.
Fast 30 Jahre lang wurde die Autorin der "Vier Verwegenen", der "Fünf Freunde" und der "Schwarzen Sieben" von der BBC nicht beachtet - wie die Anstalt jetzt erstmals kleinlaut einräumte. Von 1936 bis 1963, zeigen erst jetzt veröffentlichte Dokumente, wollte der Sender von der immer berühmter werdenden Schriftstellerin nichts wissen. Die BBC hielt Blytons Geschichten schlicht für "Dünnbier", für Storys "von geringem literarischem Wert", für "seicht".
Einen Rundfunkauftritt rechtfertige das Werk nicht, beschlossen die BBC-Oberen. Jahrzehntelang war es den Produzenten verboten, die Autorin ins Haus und an ein BBC-Mikrofon zu lassen. Vor allem die Chefin der Schul-programme in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, Jean Sutcliffe, machte gegen Blytons "gestelzte und langatmige" Geschichten Front. Die Erzählungen seien zwar "kompetent geschrieben", arbeiteten aber zu viel mit "Pinky-winky-Doodle-doodle-Dum-dumm-artigen Namen". Verwundert war Sutcliffe über den Verkaufs-Erfolg: "Es ist verrückt, sich vorzustellen, dass diese Frau eine Bestsellerautorin sein soll." Noch Mitte der 50er Jahre forderte sie am Boykott zweifelnde Kollegen auf, sich nicht beeindrucken zu lassen von "der erstaunlichen Werbekampagne", die Blytons Texte "auf solch astronomische Höhen des Erfolgs" hebe.
In der Tat zählte die 1897 geborene und 1968 verstorbene Londonerin, was die Popularität ihrer Bücher anging, schon früh zu den Größten ihres Faches. Von der "Insel der Abenteuer" bis zur "Pimpernell"-Serie eroberte Blyton mit jeder neuen Veröffentlichung die Herzen ihrer jungen Leser. In den 50er Jahren nahmen allerdings kritische Stimmen an der Schwarzweiß-Malerei in ihren Texten, an Geschlechterrollen-Klischees und an einem Hauch Rassismus (in den "Noddy"-Geschichten) Anstoß.
Blyton versuchte auch mit Bittbriefen, die Macher bei der BBC zu beeindrucken. Dass sie argumentierte, "wohl mehr Kinderbücher als irgendein anderer Autor veröffentlicht zu haben", und auf ihren Eintrag im Prominentenverzeichnis "Who Is Who" verwies, half ihr nicht. Auch dass ihr Mann, der Verlagslektor Hugh Pollock, dem Generaldirektor der BBC darlegte, dass seine Frau sich gern im Radio für die Post bedanken würde, die sie "von Kindern aus allen Teilen des Empire" erhalten habe, zog nicht. Erst 1963, fünf Jahre vor ihrem Tod, fiel der Bann. Da entschied sich die BBC, die Autorin einzuladen.
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