"Du versagst, ständig"
Sie fischen nach Komplimenten.
Nein. Meine Vorstellung von den Figuren, die ich spiele, entspricht nie dem, was ich vor der Kamera dann tatsächlich spiele.
Sind Sie Perfektionist?
Ich versuche, das Beste aus mir rauszuholen. Wenn die Arbeit abgeschlossen ist, mache ich einen Haken dran. Ich kann es dann eh nicht mehr ändern. Ich denke anschließend nicht mehr darüber nach. Ein Fehler verfolgt dich ja nur dann ständig, wenn du darüber verzweifelst. Ich halte es eher so, dass ich nach Hause gehe und sage: "Fuck it!" Wissen Sie, in Amerika haben wir einen Sport, der heißt Baseball.
Sagt mir was.
Da misslingt eigentlich ständig irgendetwas. Das ist ein bisschen wie Fußball. Wenn in 90 Minuten nur drei Tore fallen, muss ja offensichtlich die meiste Zeit über ziemlich viel misslungen sein. So etwa muss man sich auch das Leben eines Schauspielers vorstellen. Du gehst zum Vorsprechen und verhaspelst dich. Du stehst vor der Kamera und vergisst deinen Text. Du versagst, ständig. Das ist gesund. Das ist wie - na ja, das Leben. So ist es halt. Wenn du damit nicht umgehen kannst, bist du wahrscheinlich im falschen Beruf oder im falschen Sport.
Sie schauen nie zurück im Zorn?
Ich schaue gar nicht zurück. Zumindest nicht auf meine Filme.
Könnte doch lustig sein.
Könnte es. Aber es könnte auch sehr beängstigend sein, solche Filme zu sehen.
Welche meinen Sie?
Die frühen.
So was wie "Lizenz zum Töten", in dem Sie neben dem damaligen 007-Darsteller Timothy Dalton den jüngsten Bond-Bösewicht aller Zeiten gaben?
Ganz schrecklich! Das ist ja doch seltsam: Ich bin in Filmen erwachsen geworden. Meine frühen Filme anzuschauen ist, wie ein Fotoalbum meiner Familie durchzublättern: "Schau mal, Mom - da war ich ja noch ein Baby!"
Offen gestanden, habe ich erst Jahre später überhaupt kapiert, dass Sie der Bösewicht in diesem Bond-Streifen waren. Das war mir früher gar nicht aufgefallen.
Kein Wunder. Zuhause haben sie den Film kürzlich im Fernsehen gezeigt. Ich hab zufällig reingezappt und gedacht: Das soll ich sein? Mein Gott, bin ich alt geworden!
Schauspieler zu sein ist eben ein ziemlich öffentlicher Weg zu altern.
Sie sagen es, Mann. Aber ich will mich nicht beschweren.
Mr. del Toro, so weit ich mich zurück erinnere, ist "Wolfman" der erste Film, in dem Sie nicht auf Teufel komm raus vor sich hin nuscheln. War das harte Arbeit?
Wenn Sie genau hinhören, es gibt ein paar Szenen, da nuschle ich auch ganz schön. Bin ich wirklich ein so großer Nuschler?
Vermutlich der Größte seit Marlon Brando
Oh. Danke.
Ist das Talent oder Faulheit?
Keine Ahnung. Als ich anfing mit dem Filmen, wusste ich gar nicht, dass ich nuschle. Ich habe immer alles verstanden, was ich sage. Dann sagten die Leute: Hey, du nuschelst wie verrückt. Also wird es wohl so sein. Aber es gibt Charaktere, die kann man nicht nuscheln lassen. Finden Sie, ich habe als Che genuschelt?
Da sprechen Sie in der Originalfassung ja nur Spanisch, und ich kann leider kein Spanisch.
Nein, ich glaube nicht, dass ich da nuschle. Vor allem die Reden waren ziemlich klar. Würde ich sagen. Man kann Che nicht nuscheln lassen.
Unsere Zeit ist leider rum.
Ja, Mann. So ist das Leben.
Vielen Dank.
Tschüss - und hey!
Ja?
Sehen Sie sich vor Vampiren vor.
(Interview: Jörg Schindler)
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