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Benicio del Toro: "Es gibt kein Drama ohne Tod"

Oscar-Preisträger Benicio del Toro, der in seinem neuen Film einen Werwolf spielt, spricht im FR-Interview über sinnstiftende Horrorfilme, die Angst zu versagen und die Kunst des Nuschelns.

Benicio del Toro spielt in Wolfman einen Werwolf.
Benicio del Toro spielt in "Wolfman" einen Werwolf.
Foto: universal pictures

Mr. del Toro, können Sie sich noch an Ihren ersten Horrorfilm erinnern?

Hmm...das muss wohl ein Film namens "Landhaus der toten Seelen" gewesen sein.

Zur Person

Benicio del Toro, 43, wuchs als Sohn wohlhabender Anwälte in Puerto Rico auf. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war. Vier Jahre später zog er mit seinem Vater in die USA, wo er ein Internat in Pennsylvania besuchte. Nach seinem Studium der Theaterwissenschaft in San Diego schlug er sich zunächst mit kleinen Theater- und Filmrollen durch, unter anderem als Schurke Dario in dem Bond-Film "Lizenz zum Töten" (1989).

Den Durchbruch schaffte del Toro als nuschelnder Kleinkrimineller Fred Fenster in "Die üblichen Verdächtigen" (1995). Gefeiert wurde er zudem, als er 1998 an der Seite von Johnny Depp in "Fear and Loathing in Las Vegas" den verhuschten Anwalt Dr. Gonzo gab. Für die Rolle nahm er gut 20 Kilo zu.

Endgültig zum Star wurde der fließend englisch und spanisch sprechende Schauspieler mit seiner Nebenrolle in "Traffic", für die er 2001 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Sein bislang ehrgeizigstes Projekt war 2008 die zweiteilige Verfilmung der Lebensgeschichte Che Guevaras, bei der Steven Soderbergh Regie führte.

In seinem neuesten Film "Wolfman" (Filmstart am 11. Februar) spielt er einen Werwolf. In einer weiteren Hauptrolle ist Anthony Hopkins zu sehen.

Benicio del Toro wurde für seine Nebenrolle in Traffic 2001 mit dem Oscar ausgezeichnet.
Benicio del Toro wurde für seine Nebenrolle in "Traffic" 2001 mit dem Oscar ausgezeichnet.
Foto: getty

Hatten Sie danach Alpträume?

Oh ja. Wissen Sie, ich war damals erst zehn oder so.

Ihre Eltern haben Sie schon in dem Alter Horrorfilme schauen lassen?

Ach na ja, damals sind da alle reingegangen, bei uns hat man das nicht so eng gesehen. Oliver Reed hat mitgespielt. Es war ein Film über ein besessenes Haus. Ein echt guter Film. 70er Jahre. Und ziemlich gruselig. Supersache.

Ich glaube, ich bin nicht so für Horrorfilme gemacht. Als Teenager war ich mal mit Freunden in "Fright Night". Obwohl das nur eine Vampir-Komödie war, konnte ich danach eine Woche lang nicht richtig schlafen.

Kenn´ ich.

Wirklich?

Was mich wirklich fertig gemacht hat, war "Dracula" mit Bela Lugosi. Das hat mich umgehauen. Ich liebe seine Filme.

In Ihrem neuen Film "Wolfman" spielen Sie einen Werwolf. Warum sind Vampir- und Werwolf-Filme eigentlich gerade so in Mode?

Waren die nicht immer schon in Mode? Die Generation meiner Großeltern hatte Bela Lugosi und Conrad Veidt - Filme wie "Der Mann, der lacht" oder "Orlacs Hände". Wahnsinn. Oder sie hatten Lon Chaney Senior, der das "Phantom der Oper" spielte. Dieses Gesicht! Das brennt sich ein. Heute kann man das alles vielleicht ein bisschen einfacher und schneller machen, mit all den Special Effects. Vielleicht sieht das auch realistischer aus, wenn auch nicht wirklich gruseliger. Horror war schon immer in Mode - und wird es wohl immer bleiben. Solange wir nicht sicher wissen, was passiert, nachdem wir gestorben sind, werden wir uns das weiter schön schaurig ausmalen. Darum geht´s doch im Grunde. Wenn wir es wüssten, wenn einer von den Toten zurückkäme und es uns ganz genau erklären könnte, würden all die Vampire und Zombies und Geister vermutlich viel von ihrer Faszination einbüßen.

In Ihren Filmen ist der Tod ziemlich oft ein Thema. Zufall?

Nun, es gibt kein Drama ohne Tod. Oder?

Hmm...die Ehe vielleicht?

Na gut, klar, mit deiner Frau kannst du viele Dramen erleben. Aber meistens ist der Tod doch noch eine Spur dramatischer. Es nicht so, dass ich mich zu dem Thema besonders hingezogen fühle. Ich plane überhaupt ziemlich wenig, lasse die Dinge eher auf mich zukommen.

Sind Sie vom Tod fasziniert?

Nicht mehr als Sie.

Ich finde den Tod faszinierend.

Ich habe natürlich schon geliebte Menschen sterben sehen. Familie, Freunde. Das prägt. Aber das Thema treibt mich jetzt nicht ständig um. Sterben muss man halt. Das ist wie atmen. Jeder tut es.

Unglücklicherweise.

Vielleicht auch glücklicherweise.

Sie gelten ja als gottesfürchtiger Mann. Was glauben Sie als Katholik, was danach kommt?

Bin ich gottesfürchtig? Ich bin gottesliebend. Ich weiß es nicht.

Irgendwelche Wünsche?

Jede Menge.

70 Jungfrauen?

Sehr gerne.

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Datum:  8 | 2 | 2010
Seiten:  1 2 3
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