"Knutschen bis der Wirt kommt": Unter diesem Motto haben am Samstag in Berlin-Schöneberg Schwule und Lesben friedlich gegen einen Eisverkäufer demonstriert. Zu dem "Kiss-In" hatten sich laut Polizei rund 1000 Menschen versammelt.
Etwa 50 Pärchen küssten sich nach Zuschauerangaben demonstrativ vor der Eisdiele. Der Wirt, der nicht namentlich genannt werden möchte, soll kürzlich zwei Frauen des Platzes verwiesen haben, weil sie sich küssten.
Die Demonstranten forderten mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben und riefen zum Boykott des Eisladens auf. Nach etwa einer Stunde schloss der Verkäufer sein Geschäft unter dem Applaus der Demonstranten.
Der dpa sagte der Wirt: "Nachdem die beiden Mädchen etwa 20 Minuten lang geküsst und gelutscht hatten, habe ich sie gebeten, zu gehen - aus Respekt den anderen Gästen gegenüber." Die Vorwürfe, schwulen- und lesbenfeindlich zu sein, wies er von sich.
"Das ist alles ein Alptraum. Ich arbeite seit 25 Jahren inmitten von Schwulen und Lesben. Wenn ich etwas gegen die hätte, hätte ich den Platz längst verlassen." Während seine Mitarbeiter am Samstag aus Angst vor den Demonstranten gar nicht erst gekommen waren, stellte sich der Eisverkäufer der Menge und wurde ausgebuht.
"Knutschen als Statement" - darum geht es auch am 17. Mai. Das Anti-Gewalt-Projekt Maneo ruft zum "internationalen Tag gegen Homophobie" zum dritten "Berliner Kussmarathon" vor dem Berliner Homosexuellen-Mahnmal im Tiergarten auf.
Unter dem Motto "protect every kiss" (Schütze jeden Kuss) seien "alle homo-, hetero-, bi- oder transsexuellen Paare dazu eingeladen, mit demonstrativen Küssen vor dem Homo-Mahnmal ein deutliches Zeichen für mehr Toleranz in der Stadt zu setzen", heißt es dazu in der Szenezeitschrift "Siegessäule".
Mit dem Kussmarathon will Maneo an "solchen Orten, die angeblich "kein leichtes Pflaster" für Homos sind", auf die gesellschaftliche Diskriminierung von Minderheiten und homosexuellenfeindliche Gewalt aufmerksam machen.
Auf das im Mai 2008 eröffnete Mahnmal für die von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen - gegenüber dem Holocaust-Denkmal - waren in der Vergangenheit mehrfach Anschläge verübt worden.
Hinter einem Sichtfenster in der Betonstele ist in einer Videosequenz die Kussszene eines männlichen Paares als Endlosschleife zu sehen. Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz hatte sich nach den Anschlägen für einen besseren Schutz des Mahnmals ausgesprochen. "Die Schändung ist nicht nur Ausdruck homophober Gewalt", betonte Schmitz dazu. "Sie richtet sich gegen alle Opfer des NS-Regimes." (dpa)
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