Bolivien, reich an Gas, Erdöl, Zinn, Kupfer, Antimon, Silber und Gold, ist das ärmste Land Südamerikas. Von seinem Reichtum profitierten immer andere, nur nicht die Indios, die Mehrheit der Bevölkerung. Doña Flores interessiert sich nicht für Politik, sie weiß, wie man Pachamama besänftigt und wie man einen Hammer hält.
Doch von den Zinnbaronen, für die auch ihr Vater in der Mine gearbeitet hat, hat sie gehört. Von Moritz Hochschild und von Simón Patiño, einem Mestizen aus Cochabamba, der so viel Zinn und die größte Zinneinschmelzanlage der Welt besaß, dass er, der in Europa lebte, als Botschafter und Edelmann, mächtiger war als der Präsident in La Paz und darüber bestimmte, wie viel Steuern er an sein Heimatland abzuführen bereit war - einem Land, dem es bis heute an Schulen fehlt, an Straßen, Krankenhäusern und sauberem Wasser.
Auch von Gonzalo Sánchez de Lozada hat man Doña Flores erzählt und von seiner Flucht vor sechs Jahren. Der Präsident und Minenmilliardär mit nordamerikanischem Akzent wollte das Gas Boliviens an die USA verkaufen. Aufgebrachte Bergleute rückten auf La Paz vor und warfen Polizisten Dynamit vor die Füße. Der Präsident flog ins Exil nach Miami. Nun ist Evo Morales, Indio und Kokabauer, an der Macht.
Es heißt, die Regierung denke darüber nach, die Betriebe am Cerro Rico, die vor gut 20 Jahren privatisiert wurden, erneut zu verstaatlichen. Damals gab der Staat dem Druck der Weltbank nach und verkaufte, was ihm gehörte, damit es allen besser gehe. Jetzt will der Staat zurück haben, was ihm gehörte, damit die Menschen die Weltwirtschaftskrise besser überstehen.
"Seit ich denken kann, schlage ich für ein paar Bolivianos mit meinen Hammer auf Steine. Es reicht für Brot, Reis, Kartoffeln und für einen neuen Hammer", sagt Doña Flores. Wie viele sie in ihrem Leben verbraucht hat, hat sie nie gezählt.
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