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03. Juli 2009

Bonanza: Kein Herz für Kinderlose

Karin Ceballos Betancur gibt zu, dass ihr "Sensationstauglichkeits- Level" niedrig ist. Warum Vergnügungsparks Vergnügungsparks heißen, wird ihr immer ein Rätsel bleiben.

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Gestern war ich in einem südspanischen Vergnügungspark. Warum Vergnügungsparks Vergnügungsparks heißen, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Selbst im südspanischen Raum gibt es wenige Orte, die eine höhere Dichte an schreienden Kindern und zugelöteten Vätern unter der Mittagssonne zu verzeichnen haben - eine Konstellation, die schon an sich eine Bezeichnung im unmittelbaren Bedeutungsumfeld des Wortstamms "Hölle" nahelegt. Und das vermeintliche Vergüngen besteht vor allem darin, sich mit Geräten fortzubewegen, in denen sich der Brechreiz als Beifahrer an deine Fersen heftet.

Ich persönlich mache mir nicht viel aus Adrenalin. Für Menschen wie mich hat der Platzbetreiber am Ende der langen Warteschlangen Schilder errichtet, die nicht nur auf gesundheitlich relevante Hürden hinweist, die es beim bevorstehenden Vergnügen zu nehmen gilt, nein: Er hat die Attraktionen auch hinsichtlich ihrer Sensationstauglichkeit untersucht und entsprechend kategorisiert. In der Schlange zu einer harakiriverwandten Achterbahn übernahm diese Aufgabe ein Wartender mit der T-Shirt-Aufschrift "Rache".

Ich hingegen fühlte mich spontan angesprochen mit dem Hinweis auf das Sensationstauglichkeitslevel niedrig, "nivel de sensación: bajo". Dieser Stufe entsprach unter anderem eine beschauliche Schienenstrecke, die von Lamas aus Plastik befahren wurde. Ich stellte mich also geduldig und überdurchschnittlich guter Dinge in der Schlange an, ließ mir von Kleinkindern mit klebrigen Fingern, die auf dem Arm ihrer angeschickerten Eltern saßen, an den Haaren ziehen und Speiseeis an die Waden pinseln.

Als ich an der Reihe war, sagte die Vergnügungspark-Aufseherin: "Erwachsene dürfen hier aber nicht allein fahren. Sie müssen ein Kind dabei haben." Ich hätte mir nun einfach eine der Rotznasen aus der Schlange pflücken und mich mit ihr auf dem Rücken eines Lamas aus dem Staub machen können. Ich hätte mich auch auf den Boden werfen und mit den Fäusten auf die Schienen trommeln können. Womöglich hätte ich in Anbetracht der ausweglosen Situation auch, auf die Quersumme meines Alters hinweisend, auf geistige Minderjährigkeit plädieren können. Statt dessen räumte ich kampflos das Feld.

Ich bin nicht stolz auf diese Niederlage. Nivel de frustración: gigante. Nicht nur muss man als erwachsene Frau ohne verfügbare Kinder in Südspanien offenbar demütigende Rituale über sich ergehen lassen, die man überwunden glaubte, als man aufhörte, Diskotheken mit Türstehern zu besuchen. Noch dazu wird man gezwungen, sich als Strafe für Kinderlosigkeit auf Foltergerät der Moderne die Seele aus dem Leib zu kotzen. Eine perfide Strategie der katholischen Kirche? Ich weiß es nicht, möchte den Umstand aber schon einmal vorsichtshalber anprangern.

Auf einer Webseite im Internet, die lustige Lehrer- und Schülersprüche versammelt, stieß ich auf folgenden Satz: "Das Zebra jagt das Grashalm, das Grashalm schüttet Adrenalin aus und läuft weg." Das kommt davon, wenn man mit Kindern auf Lamas durch Vergnügungsparks fährt. Und ich habe überhaupt kein bisschen Mitleid.

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