Normalerweise ist mir am 31. Dezember um Mitternacht nach Aufatmen zumute. Auf seine letzten Tage neigt fast jedes Jahr dazu, sich genauso abgegrabbelt anzufühlen wie der Taschenkalender, in dem ich während der vergangenen zwölf Monate Höhe- und Tiefpunkte handschriftlich vermerkt habe. Seit Ende September liegt ein neues Exemplar in meiner Schreibtischschublade, jede Seite weiß, jede Seite ein Versprechen.
Aber dieses Mal ist es ein bisschen anders als sonst. 2008 ist eine Ära zu Ende gegangen: die Zeit, als man am Sonntagabend das Radio einschalten und HR3 hören konnte und dabei überragend gut unterhalten wurde. Trotz tausendmassenzighafter Proteste im Internet, trotz Unterschriftenlisten und Gesprächsversuchen hat der Programmausschuss Hörfunk des HR-Hörfunkrates beschlossen, die renommierte Musiksendung "Der Ball ist rund" von Klaus Walter zum Jahresende einzustellen. Auf einen offenen Brief der Initiative, die sich für den Erhalt des Formats eingesetzt hatte, antwortete Hörfunkdirektor Heinz Sommer, ein "sachorientierter und vorurteilsfreier Dialog mit dem Austausch von Argumenten" sei "kaum noch möglich", nachdem die Initiative den Inhalt ihres Briefes "zuvor schon der Presse zugänglich gemacht" und damit "auf eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung" abgezielt habe. Nun: So ist das meistens bei Initiativen, das andere heißt Bier trinken. Im Übrigen wurde - auch wenn das an den Auen der Bertramsstraße gern übersehen wird - kein kaiserliches Dekret kritisiert, sondern die Programmgestaltung einer Hörfunkanstalt, der die Öffentlichkeit im Namen steckt.
Der letzte Ball rollte nun am 28. Dezember nach draußen. Dass in Zukunft Bärbel Schäfer (ehemals bei RTL Vorturnerin - "Du hast mir meinen Freund geklaut", "Mein Typ hat deinen Hund versaut", "Eyhierboahkrassmann - Kevin, willst du dazu was sagen?") jeden Sonntag nicht eine, nicht zwei, sondern ganze drei Stunden lang eine Talkshow auf HR3 moderieren wird, vermeldet der Sender im Internet unter der Schlagzeile: "Neue starke Stimmen in HR3." Hilfe. Wahrscheinlich muss man versuchen, es positiv zu sehen, ein Schluck Mut zum Jahresanfang.
Neulich wollte ich mir eine neue Antenne kaufen, mit der man auf dem Computer Fernsehen empfangen kann. Dabei sah ich, dass es auch Geräte gibt, mit denen man sowohl fernsehen als auch Radio hören kann, sie kosten nur etwa doppelt so viel. Weil ich das aber 2009 gar nicht mehr tun möchte, jedenfalls nichts Öffentlich-rechtliches, brauche ich das teurere Gerät nicht, spare 60 Euro und kaufe davon zwei Flaschen Champagner, in dem ich meine Füße bade, wenn ich das nächste Mal byte.fm höre. Bei dem Hamburger Internetradio nämlich behält Klaus Walter seine Sendung "Was ist Musik", und das inmitten eines höchst hörenswerten Umfelds, das sich immer mehr zum Zufluchtsort für Menschen entwickelt, denen das Antennenradio Ausschlag im Ohr verursacht. Bleibt zu hoffen, dass byte.fm im neuen Jahre eine Möglichkeit findet, die Finanzierung zu sichern. Bisher geht die Qualität auf Kosten der Moderatoren, die honorarfrei arbeiten. Ruhe in pupslangweiligem Frieden, HR.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.