Gestern Nachmittag waren es 2097 Unterschriften. 2097 Menschen, die mit einem offenen Brief im Internet dagegen protestieren, dass der Hessische Rundfunk "Der Ball ist rund", eine der besten Musiksendungen des öffentlichen Rundfunks überhaupt, aus dem Programm streichen will. Ich möchte gleich zu Anfang sagen, dass ich mit dem Moderator der Sendung, Klaus Walter, persönlich befreundet bin. Damit alles seine Ordnung hat. Sonst heißt es hinterher, jaja, das sagt sie ja alles nur, weil sie mit dem Moderator - nee, eben nicht. Zugegeben: Aus Freundschaft sagt man Dinge, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Wie "Macht nichts, dass du das letzte Bier aus dem Kühlschrank getrunken hast" oder "Ich finde, du siehst noch ganz genauso aus wie vor 20 Jahren". Aber hier geht es um was völlig anderes.
Die Begründung des Senders lautet, HR3 müsse "rund um die Uhr durchhörbar sein" und sein Programm "mehr auf die Mitte und den Mainstream fokussieren". Jeder, der Musik nicht einfach hinnimmt wie das Wetter, müsste sich für so einen Satz den Rest seines Lebens jeden Morgen selbst rechts und links eine scheuern.
Was soll überhaupt dieses ringsum grassierende Buhlen um die bräsige Mitte, noch dazu bei einem gebührenfinanzierten Hörfunksender? Die Mitte ist beliebig, leidenschaftslos und dumm. Der Mainstream ist ein hässliches Mädchen, frei von liebenswerten Eigenschaften, das nur Freunde hat, weil seinem Vater die einzige Firma am Ort gehört. Muss nicht irgendwer der Schnalle mal sagen, was wir wirklich von ihr halten? Darf sie bestimmen, wann die Party endet, zu der sie niemand eingeladen hat? Vorige Woche hat diese Zeitung HR3-Chef Jörg Bombach damit zitiert, jüngste Marktforschungsanalysen hätten ergeben, dass die Sendung "Der Ball ist rund" "nicht mehr wenige, sondern statistisch nachgewiesen keine Hörer mehr" habe. Es hörten, so Bombach, nicht einmal mehr 20 000 bis 40 000 Leute zu. Leider wurde es versäumt, bei der Gelegenheit auch zu ermitteln, wie viele Menschen im Sendegebiet am Sonntag zwischen 23 und 24 Uhr überhaupt noch irgendwohin hören. Ich vermute, dass sich die Zahl abzüglich der Ball-Hörer in dem Bereich bewegt, den ein zweijähriges Kind von Null aus aufwärts aufzusagen im Stande ist. Interessant ist allerdings das Rechenmodell, das den HR zu dem Schluss kommen lässt, 20 000 Menschen ergäben zusammengezählt die Summe Null. Statistisch betrachtet. Wenn das so ist:
Sehr geehrte Damen und Herren der GEZ, seit einer Ihrer findigen Mitarbeiter mein Versteck zwischen Waschmaschine und Müllbeuteldepot entdeckt hat, entrichte ich im Vierteljahresrhythmus Gebühren an Ihre Zentrale. Wie sich nun aber herausstellt, gehöre ich zu jenen Nutzern des öffentlichen Rundfunks, bei denen es sich "statistisch nachgewiesen" um "keine Hörer" handelt. Ich möchte Sie daher bitten, mich in Zukunft von der Gebührenzahlung zu befreien oder wahlweise dafür zu sorgen, dass der Hessische Rundfunk seine Finger von meiner Lieblingssendung lässt.
Der Ball muss rollen, herzlichst Ihre...
Die Sendung retten: www.derballistrund.org
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