Groß war die Aufregung im Frühjahr 2002 in Stralsund. Bauarbeiter waren tief im Boden der vorpommerschen Hafenstadt auf Holz gestoßen. Wie sich herausstellte, gehörte es zu drei Booten, Einbäumen, Material: Lindenholz. Sie stammten aus der Steinzeit. Ein Einbaum war bestens erhalten und zwölf Meter lang. Nach Expertenansicht waren die einstigen Wasserfahrzeuge gut 6000 bis 7000 Jahre alt. Ein sensationeller Fund. Im Ostseeraum war noch nie etwas derartiges gefunden worden.
Größer war die Aufregung im März 2009, als ans Licht kam, wie das Landesamt für Bodendenkmalpflege mit dem Sensationsfund umgegangen war. Die Experten hatten die Funde in einem Schweriner Depot eingelagert, wo sie im Lauf der Jahre zu kleinen Brocken verrottet sind. Von den Einbäumen der Steinzeit-Jäger ist heute nichts mehr übrig als ein Haufen, der aussieht wie Rindenmulch aus dem Garten-Center.
Ein peinlicher Skandal, die bundesdeutsche Archäologenszene entrüstete sich oder bog sich vor Lachen. Kultusminister Henry Tesch (CDU) war furchtbar empört und setzte eine Expertenkommission ein, die "Soko Einbaum". Sie sollte herausbekommen, wie der Schatz heimlich, still und leise unter Fachaufsicht verrotten konnte.
Alles falsch gemacht
Riesengroß ist jetzt die Ernüchterung. Die Soko hat ihren Bericht vorgelegt. Ergebnis: Schlimmer ging es nicht. Was man falsch machen konnte, hatte man falsch gemacht. Mit aller gebotenen Gründlichkeit. Man hatte die Funde lediglich mit einer Sprühflasche feucht, aber nicht nass gehalten. Dies wäre dringend notwendig gewesen, aber es fehlten Wannen.
Der damalige Amtsleiter Friedrich Lüth habe sich zwar bemüht, aber angeblich keine Wannen bekommen. Als dann auch noch 2004 ein Teil der Depot-Halle einstürzte, hätten die Archäologen des Landesamts sich gar nicht mehr um den Sensationsfund gekümmert. Danach nahm die Verwandlung in Rindenmulchkrümel rasante Züge an. Jetzt sind die Boote weg, aber es gibt wenigstens noch Fotos, Beschreibungen und die Daten.
Dabei wäre es so einfach gewesen. Kommissionsleiter Hartmut Bosch stellte entsetzt fest: Das Amt hätte die Boote anderswo nass lagern müssen und können. "Zum Beispiel in einem der vielen Seen hier." Aber da muss man erst einmal drauf kommen in Mecklenburg-Vorpommern, dem Land der Tausend Seen.
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