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25. Mai 2010

BP-Boykott funktioniert: US-Amerikaner tanken bei Konkurrenz

 Von Jakob Schlandt
Demonstration gegen Britisch Petroleum (Archivbild).  Foto: getty

Ein Protest-Aufruf im Internet hat enormem Zulauf: Auch die deutsche Grünen-Spitze fordert die Menschen auf, ihrem Unmut Luft zu machen. Von Jakob Schlandt

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Einen Monat lang sprudelt das Öl schon in den Golf von Mexiko. Die Frustration wächst, dass es dem britischen Ölkonzern BP nicht gelingt, das Leck zu stopfen. Und damit wächst auch der Wille, BP abzustrafen. In Deutschland haben die Grünen-Chefs Claudia Roth und Cem Özdemir indirekt zum Boykott des britischen Konzerns aufgerufen. In den USA rufen Organisationen wie Common Dreams zum Boykott auf. Die Umweltorganisation Greenpeace will zwar nicht direkt zum Käuferstreik an Tankstellen animieren. Aber: "Wir finden es gut, wenn Menschen durch ihr Verhalten zeigen, was sie von BP halten."

Vor allem aber organisiert sich der Widerstand im Internet - ohne große Organisation im Rücken. In den USA hat "Boycott BP", eine Nutzergruppe des sozialen Netwerks Facebook, regen Zulauf. Die Zahl der Mitglieder wuchs von 45.000 vergangenen Freitag auf 91.000 am Dienstag. Pro Stunde stoßen etwa 1000 neue BP-Boykotteure hinzu. In Deutschland hat die größte Facebook-Gruppe, die sich gegen BP richtet, derzeit 1800 Mitglieder.

Vor allem in den USA, wo BP mehr als 10.000 Tankstellen betreibt, bekommt der Konzern die Wut der Konsumenten zu spüren. US-Medien zufolge berichten zahlreiche Pächter und Betreiber von Tankstellen, dass immer weniger Kunden kommen und stattdessen zur Konkurrenz fahren - schließlich ist das meist nicht mit großen Umwegen verbunden. In Deutschland ist BP als Marke allerdings kaum präsent. Der Konzern betreibt rund 2400 Aral-Tankstellen und verkauft Motoröl unter der Marke Castrol.

Bei BP gibt man sich noch gelassen. Ein Konzernsprecher in London sagte gestern, es sei noch nichts bekannt über etwaige Umsatzeinbußen. Auch bei der deutschen BP heißt es, dass keine Kunden verloren gegangen seien. Aber: "Es wäre nur verständlich, wenn die Menschen ihre Frustration über das Öl-Leck auch auf diese Art Ausdruck verleihen", so der Konzernsprecher.

Das Horrorszenario für BP wäre eine Reaktion wie auf die geplante Versenkung der Ölbohrinsel Brent Spar durch den BP-Rivalen Shell. Um bis zu 50 Prozent sackten nach zahlreichen Boykottaufrufen auch aus der deutschen Politik die Umsätze an deutschen Shell-Tankstellen nach unten, der Slogan "Shell to Hell" (Shell zur Hölle) war prominent. Shell knickte schließlich ein und demontierte die Brent Spar umweltschonend an Land. Es dauerte lange, bis sich der Ölmulti davon erholte.

PR-Experte Günter Bentele, Professor an der Uni Leipzig, schätzt, dass es nach derartigen Image-Katastrophen höchstens etwa zwei Jahre dauert, "bis das öffentliche Vergessen einsetzt und sich die Umsätze erholen". Dennoch seien die Schäden enorm. Denn die Unternehmen müssten viele Jahre lang hohe Summen investieren, um ihre Reputation in Politik und Öffentlichkeit wieder herzustellen.

Boykottaufrufe hält er für äußerst wirkungsvoll. "Das Kaufverhalten von Konsumenten ist natürlich ein sehr starker Steuerungsfaktor für Unternehmen. Das hat letztlich dafür gesorgt, dass sie hohe Summen investieren, um Umweltskandale zu vermeiden und ihr grünes Image aufzupolieren."

Bei "Boycott BP" wird derzeit über einen ähnlich durchschlagenden Slogan wie "Shell to Hell" diskutiert. Wofür BP statt British Petroleum stehen könnte? Bad People (böse Menschen), Big Pollution (große Umweltverschmutzung) und: "Begin Protesting".

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