Brad Pitt ist einer der Menschen, die in den Medien so omnipräsent sind, dass sie in unserer Vorstellung schon beinahe zur virtuellen Figur werden. Doch in Interviews erlebt man dann überraschenderweise einen ganz anderen Brad Pitt. Beim Gespräch in Cancún wirkt er beinahe schüchtern, trotzdem sehr herzlich und authentisch. Sein Regisseur Bennett Miller sagt über ihn: „Es existiert dieses öffentliche Bild des Filmstars, aber eigentlich ist Brad immer der Junge aus dem Mittleren Westen geblieben.“ Für seinen neuen Film „Moneyball“, in dem er einen Baseball-Manager spielt, erhielt Pitt eine Oscarnominierung.
Herr Pitt, Sie spielen in diesem Film nicht nur die Hauptrolle. Sie waren auch die treibende Kraft bei der Produktion von „Moneyball“. Warum lag Ihnen dieses Projekt so am Herzen?
William Bradley Pitt wurde am 18. Dezember 1963 in Shawnee/Oklahoma geboren. Er ist seit 2005 mit der Schauspielerin Angelina Jolie liiert, die beiden haben drei Adoptivkinder sowie drei leibliche Kinder.
Sein erstes Engagement bekam Pitt von einem Schnellimbiss in Hollywood: Dort sollte er in einem Hühnchenkostüm Kunden anlocken. Es folgten Werbespots für Levis sowie wiederkehrende Rollen in den Soap-Operas „Dallas“ und „21 Jump Street“.
Der Durchbruch kam mit einem Kurzauftritt in dem Frauen-Roadmovie „Thelma & Louise“ 1991. Für den Film „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ ist Brad Pitt zum dritten Mal für einen Oscar nominiert.
Ich habe damals das gleichnamige Buch von Michael Lewis gelesen und wusste sofort: Das muss ein Film werden. Denn darin geht es um das Thema, nach welchen Kriterien in unserer Gesellschaft der Wert eines Menschen bestimmt wird. Woher kommt unsere Kategorisierung dessen, was ein Gewinner und was ein Verlierer ist? Im Buch geht es darum, dieses konventionelle System infrage zu stellen.
Schauspieler werden nach einem ganz ähnlichen System bewertet wie Sportler …
Genau. Du bist immer nur so viel wert, wie das Einspielergebnis deines aktuellen Films. Aber das hat ja nichts mit der Qualität des Films oder der tatsächlichen schauspielerischen Leistung zu tun. Interessant fand ich auch das Konzept des stillen Sieges – ein Sieg, in dem es nicht um Platz eins oder eine Trophäe geht.
Wie könnten wir uns einen stillen Sieg in Ihrem Leben vorstellen?
Da sind einige persönliche Leistungen, die ich nicht an die große Glocke hängen will – sonst wären es keine stillen Siege mehr. Zwei wichtige Meilensteine in meinem Leben waren der Entschluss, eine Familie zu gründen und der Entschluss, mich als junger Mann von meiner Familie zu emanzipieren.
Worin bestanden die Reibungsflächen zwischen Ihnen und Ihren Eltern?
Wissen Sie, ich bin in einem sehr christlich religiösen Umfeld aufgewachsen. Und damit hatte ich meine Probleme. Für mich funktionierte das alles nicht, und deswegen hatte ich eine Menge Fragen, die mir niemand beantworten wollte. Aber man muss erst einmal an diesen Punkt kommen, an dem man ein Wertesystem infrage stellt, auf dem im Grunde das ganze Leben basiert. Ich musste erst 20 Jahre alt werden, bis ich den Mut hatte, mich von all dem zu lösen.
Wie hat Ihre Familie reagiert?
Ich wollte, dass meine Familie mich als das akzeptiert, was ich bin. Und das haben sie auch ehrlich versucht. Sie machten sich nur fürchterliche Sorgen, dass ich nun ewig in der Hölle schmoren werde. Vielleicht habe ich deshalb diese Leidenschaft für Geschichten von Underdogs. Und wahrscheinlich habe ich deswegen diesen Film gemacht.
Welche Rolle spielte Kino im Hause Pitt?
Ich bin im Mittleren Westen aufgewachsen, Mann! Schauspieler zu werden ist da keine Option. Zwei Wochen vor unserem Schulabschluss war ich mir dann aber völlig im Klaren darüber, dass ich einen anderen Weg gehen musste. Alle kümmerten sich um Ausbildungsplätze. Und ich dachte: Das kann nicht mein Leben werden.
Haben Sie Ihren Schulabschluss noch gemacht?
Nein, ich habe zwei Wochen vorher abgebrochen. Erst habe ich ein bisschen gejobbt, aber dann habe ich mich doch getraut. Ich liebte Kino so sehr, ich dachte, ich muss es zumindest versuchen.
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