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11. Januar 2013

Brände in Australien: Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

 Von Sissi Stein-Abel
Ein Schaf mit schweren Verbrennungen. Foto: dpa

Die verheerende Situation in Australien und auf der Insel Tasmanien reißt nicht ab: Neue Brände werden gemeldet und mit ihnen, Geschichten von Helden.

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Als sich die evakuierten Bewohner der tasmanischen Halbinsel am Freitag auf den Weg in ihre Häuser machten, fuhren sie in eine ungewisse Zukunft. „Es waren traumatische und frustrierende Tage“, sagte Peter Edward, der Vorsitzende der regionalen Notfallhilfe, im Rückblick auf eine Woche bangen Wartens. „Einige dieser Menschen wissen nicht, ob ihre Häuser noch stehen oder ob sie alles verloren haben.“

Auf der herzförmigen Insel südlich des Festlands von Australien haben die Buschfeuer 130 Häuser und 110.000 Hektar Land niedergebrannt. Dreißig Brände sind noch immer nicht gelöscht. Allein in dem Fischerdorf Dunalley, das nur etwa 300 Einwohner hat, sind 68 Gebäude in Flammen aufgegangen.

So viele tragische Schicksale in diesem kleinen Ort zu beklagen sind, so sehr hat das unglaubliche Überleben von fünf Kindern, zwischen zwei und elf Jahren alt, und ihren Großeltern Tim und Tammy Holmes nicht nur die Menschen in Australien bewegt. Die Bilder sind um die Welt gegangen: die in enger Umarmung im Meerwasser aneinandergeklammerte Familie vor einem Bootssteg, auf dem ein großer Hund steht und in die Ferne starrt, die Luft von dichtem Qualm orange- und im Hintergrund gelbfarben.

Es war der verzweifelte Versuch dieser Menschen, zu überleben, und die Bucht war der einzige Ort, den die Flammen nicht erreichen konnten. Doch auch dort hätte das Feuer sie umbringen können, denn es schluckte den Sauerstoff in der Luft. „Der Qualm war so dicht, dass wir nur 20 bis 30 Zentimeter über der Oberfläche atmen konnten“, erzählte Tim Holmes. „Wir sahen Feuertornados von zwei Seiten auf uns zukommen. Der Bootssteg war der einzige Ausweg.“

„Widerwillige Helden“, nannte die Tageszeitung das Ehepaar Holmes

An den Steg klammerten sich Großeltern und Enkel zunächst fest, bis auch die Anlegebrücke zu brennen begann. Mit seinem Akubra, dem typisch australischen Cowboyhut à la Crocodile Dundee, schöpfte Tim Holmes Wasser und versuchte so, die Flamme zu ersticken. „Die Kinder lachten sich schlapp“, erzählte er, der letztlich sein Dinghi fand, ein kleines Boot, in dem er die Familie in Sicherheit bringen konnte.

Die Tageszeitung The Mercury nannte das Ehepaar auf der Titelseite: „Die widerwilligen Helden“, weil es Tim und Tammy Holmes abgelehnt haben, ihren neugewonnenen Ruhm in bare Münze umzusetzen, obwohl sie ihr Haus, das als Luxusunterkunft auch ihr Ein- und Auskommen garantierte, und all ihr Hab und Gut verloren haben. „Sie haben lukrative Interview-Anfragen abgelehnt“, schreibt die Zeitung. „Sie sind mehr daran interessiert, ihrer verwüsteten Gemeinde beim Wiederaufbau zu helfen.“

Die surreal anmutenden Fotos hat Tim Holmes mit seinem Handy gemacht und seiner Tochter Bonnie Walker – der Mutter der fünf Kinder – geschickt, die bei einer Beerdigung war. „Ich wollte ihr zeigen, dass die Kinder am Leben waren“, erzählt Tim Holmes, der damit jedoch nicht den beabsichtigten Effekt erzielte.

Die Buschfeuer haben sich auf das Festland verlagert – und sollen noch schlimmer werden

„Die Fotos haben mich aus der Fassung gebracht“, sagte Bonnie Walker, deren Ehemann zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe auf einer mehrtägigen Wandertour im wilden Südwesten Tasmaniens unterwegs war. „Ich habe mich mit dem Gedanken vertraut gemacht, meine Kinder und Eltern zu verlieren.“ Gemessen daran, war der Verlust aller weltlichen Güter leicht zu verschmerzen.

Die Schwerpunkte des Buschfeuers haben sich inzwischen nach Norden aufs Festland verschoben. Nach einer vorübergehenden Entspannung in den Brandgebieten hat sich die Feuerwehr auf eine neue Verschärfung der Lage vorbereitet. Für Freitag wurden wieder Temperaturen von über 40 Grad Celsius im Südosten des Landes vorausgesagt, welche die Löscharbeiten erschweren könnten.

In der vergangenen Woche hatte der Wetterdienst für seine Karten die neuen Farben Violett und Pink eingeführt, da die bisherige Höchststufe Dunkelrot – bis 45 Grad – die derzeitige Hitze nicht adäquat darstellt. Die Feuergefahr bleibe weiterhin überall groß, warnte Feuerwehrchef Shane Fitzsimmons. „Kein Ort ist sicher.“

Auch am Freitag loderten mehr als hundert Brände. Vierzehn von ihnen seien außer Kontrolle, teilte die Feuerwehr mit. Rund 70.000 meist Freiwillige kämpfen gegen die Flammen. Die Feuer zerstörten Häuser, töteten tausende Nutztiere und verbrannten große Flächen an Weideland. Die Feuerwehr schätzt, dass allein in New South Wales 370.000 Hektar Land verbrannten – das ist etwas mehr als die gesamte Fläche von Mallorca. (mit dpa)

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