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Brasilien: Pinguine auf dem Heimweg

Rettungsaktion für Pinguine: Hunderte der Tiere, die sich zu weit in den warmen Norden verirrt hatten, wurden per Militärflugzeug in den Süden des Landes gebracht.

Tausende der Tiere  waren  -  völlig unüblich -  bis nach Bahia gelangt, also rund 1000 Kilometer südlich des Äquators.
Tausende der Tiere waren - völlig unüblich - bis nach Bahia gelangt, also rund 1000 Kilometer südlich des Äquators.
Foto: ap

Nach einer groß angelegten Rettungsaktion haben Tierschützer in Süd-Brasilien 370 Pinguine freigelassen. Unter dem Beifall der Zuschauer liefen sie über den Strand ins Meer, nachdem sie auf ihrer Migration zu weit in den warmen Norden abgekommen und mit einem Luftwaffen-Flugzeug ins kühlere Süd-Brasilien zurückbefördert worden waren.

Dass Pinguine mit der Meeresströmung ins südliche Brasilien kommen, ist normal. In den vergangenen Wochen freilich gelangten Tausende Tiere - völlig unüblich - bis nach Bahia, also rund 1000 Kilometer südlich des Äquators. In einem Tierschutz-Zentrum der Stadt Salvador de Bahia wurden die bis zu fünf Kilogramm schweren und siebzig Zentimeter großen Magalhanes-Pinguine gepäppelt. Ein Teil der Gruppe überlebte nicht, andere werden weiter gehegt und gepflegt.

Nach Hause mit der Strömung

Die nun Freigelassenen wurden, nachdem sie ihre Schwäche überwunden hatten, gemessen, gewogen und mit einem Identifikationsring versehen. Der brasilianische Ozeanologe Lauro Bracellos sagte jedoch, er sei sicher, dass die freigelassenen Tiere mit der Strömung in ihre Kolonien nach Patagonien zurückkehrten.

"Die Magalhanes-Pinguine sind nicht vom Aussterben bedroht", sagte der brasilianische Meeresforscher Hugo Gallo Neto der Zeitung Folha de S. Paulo, "menschliches Eingreifen wie etwa die massenhafte Rückführung der geretteten Tiere könnte sogar schädlich sein für das Gleichgewicht des Ökosystems, in dem sie leben." Denn dass gegen Ende des Winters auf der südlichen Halbkugel Pinguine an südbrasilianischen Stränden auftauchen, ist nicht anormal, und es gehört auch zum Gang der Natur, dass die schwächeren unter den Jungtieren sterben - ein natürlicher Selektionsprozess.

Die gestrandeten Pinguine sind deshalb fast immer Jungtiere, die noch kein Jahr alt sind und die den Kontakt zu ihren Migrationsgenossen verloren haben. Sie erreichen geschwächt und hungrig den Strand, und bei den Menschen, die sie finden, lösen sie Mitleid aus. Unkundige Helfer tun dann oft genau das Falsche: In der Annahme, den Pinguinen litten unter der Wärme, setzen die Tierfreunde sie in Eisboxen - dabei brauchen die entkräfteten Tier gerade Wärme.

Die Experten rätseln darüber, warum die Pinguine dieses Jahr viel weiter nach Norden gelangten als üblich: Sind die Meeresströmungen stärker als üblich, fallen die Temperaturen höher aus als in früheren Jahren? Oder treibt die Überfischung an den ostpatagonischen Küsten die Pinguine immer weiter nach Norden?

Autor:  WOLFGANG KUNATH
Datum:  7 | 10 | 2008
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