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29. September 2012

Brechdurchfall: Tausende Schüler im Osten erkrankt

 Von Martin Klesmann und Timot Szent-Ivanyi
Auch die Eingangstür zum Dr.-Wilhelm-Andre-Gymnasium in Chemnitz bleibt am Freitag wegen der mysteriösen Erkrankungen geschlossen. Foto: dpa

Viele Schulen in Berlin, Brandenburg, Thüringen und Sachsen bleiben geschlossen: 6500 Schüler leiden an akutem Brechdurchfall. Die Ursache für die mysteriöse Massenerkrankung ist noch unklar.

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Tausende Schüler in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen sind an akutem Brechdurchfall erkrankt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden den Behörden bis Freitag rund 6500 Fälle gemeldet. Dutzende Schulen wurden geschlossen. Bund und Länder setzten einen Krisenstab ein. Die Ursache für die Erkrankungen blieb bisher unklar. Vermutet werden Bakterien oder Noroviren. Auffällig ist, dass alle betroffenen Schulen und Kitas vom Kantinenbetreiber Sodexo beliefert werden.

Die ersten Meldungen über erkrankte Kinder erhielt das RKI bereits am vergangenen Dienstag. Seitdem stieg die Zahl der Vorfälle drastisch an. Am deutlichsten war die Entwicklung in Berlin, wo ein Anstieg von 400 auf fast 2 200 Fälle verzeichnet wurde. In Sachsen hat sich die Zahl der betroffenen Kinder auf inzwischen 2000 Erkrankte mehr als verdreifacht. In Brandenburg erhöhte sich die Zahl der Krankheitsfälle um 400 auf 1 500. Thüringen meldete mehr als 760 Erkrankungen, 260 mehr als noch am Mittwoch. In den meisten Fällen verlief die Erkrankung unkompliziert. Nur wenige Patienten mussten den Angaben zufolge stationär behandelt werden. Behörden von Bund und Ländern ermitteln nun die Ursachen der Krankheit.

Für die Vermutung, dass das Schulessen für die Erkrankungen verantwortlich sei, gebe es aber noch keine konkreten Beweise, sagte der Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Jürgen Thier-Kundke. Auch dem Robert-Koch-Institut lagen noch keine neuen Informationen zur Erkrankungsursache vor. Es liege aber nahe, dass es sich um eine lebensmittelbedingte Erkrankung handele, hieß es im RKI. Die Laboruntersuchen dauerten an.

Der Essenslieferant Sodexo wehrte sich unterdessen gegen die Vermutungen, seine Produkte könnten den Brechdurchfall hervorgerufen haben. „Weniger als fünf Prozent der insgesamt von uns belieferten Schulen sind von den Erkrankungen betroffen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Es gebe keinen Beleg für einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den Essenslieferungen. Das Unternehmen mit Sitz in Rüsselsheim verwies zudem auf einzelne Berichte, wonach es auch Erkrankungen in Schulen gebe, die nicht von Sodexo beliefert wurden.

Eine „Task Force“ von Bund und Ländern soll nun die Ursachenforschung vorantreiben. Sie arbeitet unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und soll in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden der Länder die Ermittlungen koordinieren, wie das Bundesverbraucherministerium am Freitag mitteilte. Auch innerhalb des Ministeriums wurde ein Krisenstab eingesetzt.

Die Aufklärung der Waren- und Lieferströme im Zusammenhang mit dem Kantinenessen in Schulen und Kitas werde auch über das Wochenende mit Hochdruck vorangetrieben, erklärte das Ministerium. Ziel müsse es sein, die Ursache der Erkrankungen schnellstmöglich zu finden und die Verbreitung in der Lebensmittelkette zu stoppen, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Rande der Herbsttagung der Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern im baden-württembergischen Schöntal. Zuvor hatte die Opposition im Bundestag Druck gemacht und die schnelle Einrichtung eines Krisenstabs gefordert. „Jetzt zeigt sich, ob Ministerin Aigner aus der EHEC-Krise gelernt hat“, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD, Elvira Drobinski-Weiß. Ihre Kollegin Nicole Maisch von den Grünen erklärte, statt einer unkontrollierbaren Massenproduktion seien regionale Versorgungsstrukturen nötig und Schulküchen, in denen vor Ort gekocht werde.

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