Port-au-Prince. Wir beobachten ein neues Phänomen, das täglich zunimmt: immer mehr Menschen verlassen die Hauptstadt in die ländlichen Gebiete und Provinzstädte. Die Gründe sind zahlreich und liegen klar auf der Hand: zerstörte Häuser, Angst vor Nachbeben, Mittellosigkeit, Trauma, Unsicherheit.
Den öffentlichen Transport unter den gegebenen, äußerst prekären Bedingungen aufrecht zu erhalten, fällt den normalen Bussen und Taptaps (Kleinbus) schwer genug. Den Ansturm der Flüchtlinge können sie nicht bewältigen. Deshalb stellt die Regierung jetzt zusätzliche Busse zur Verfügung. Damit versuchen hunderte Menschen ihre Heimatprovinz zu erreichen, aus der sie einmal in die Hauptstadt ausgewandert sind.
Aufnahme bei Verwandten zu finden, ist ein großes Glück. Wer das nicht hat, sucht sein Heil, sucht Nahrung und Unterkunft irgendwo außerhalb der zerstörten Hauptstadt. Damit kommen sie jedoch in Regionen, die auch sehr arm sind, in denen auch ohne akute Katastrophe Mangel herrscht, deren Infrastruktur nicht für die wachsende Zahl der Menschen ausreicht. Die Krise aus Port-au-Prince verbreitet sich also ins Landesinnere.
Partnerorganisationen formulieren Notfallprogramm
Nach vielen Tagen der Unruhe, weil wir nicht wussten, was mit unseren lokalen Partnerorganisationen ist, können wir nun glücklicherweise Entwarnung geben! Trotz der immer noch sehr schwierigen Kommunikation und der Probleme zu Fuß oder per Auto zu den Menschen und den Büros zu kommen, weiß ich nun von allen, dass niemand Mitarbeitende verloren hat und auch die Büros noch stehen.
Wir werden nach und nach alle Gebäude von Experten untersuchen lassen um zu sehen, welche Schäden die Gebäude erlitten haben. Ein Teil der Partnerorganisationen ist in kurzer Zeit wieder arbeitsfähig. Alle formulieren bereits ein Notfallprogramm und wollen uns dieses vorlegen.
Besonders die erwähnten Flüchtlingsströme auf das Land werden unsere Partner in den Projektregionen vor große Herausforderungen stellen. Detaillierte Planungen werden durch immer neue Ankömmlinge schwierig sein, aber wir tun unser Bestes.
Ansonsten sind wir froh, dass die Hilfe in großen Mengen ankommt und wir hoffen, dass schnellstens eine funktionierende Verteilstruktur in der gesamten Stadt auf die Beine gestellt wird.
In meinem Wohnviertel, wo auch sehr viele obdachlos geworden sind, habe ich den Menschen empfohlen, sich zu organisieren und Listen zu führen, um ihre Bedürfnisse auch für die weitere Hilfe und den Wiederaufbau besser formulieren und quantifizieren zu können. Die Hilfsorganisationen des Bündnisses sind darauf vorbereitet.
Bündnisorganisationen waren schon vor dem Erdbeben in Haiti in verschiedenen Landesteilen präsent. Ihre Kontakte zu den haitianischen Partnern und Strukturen sollen genutzt werden, um auch außerhalb der Hauptstadt, z.B. in den Provinzstädten, die Versorgung der dort nun wachsenden Bevölkerung zu organisieren.
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