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Brot für die Welt in Haiti: Behinderte haben keine Schule mehr

Schon vor der Katastrophe gehörten Behinderte in Haiti zu den Schwächsten - viele wurden ausgegrenzt. Das Erdbeben zerstörte nun eine ihrer wenigen Schulen. Die Direktorin macht sich große Sorgen um ihre Schützlinge. Von Rainer Lang

Im Hof der Behinderten-Schule haben die Aufräumarbeiten begonnen.
Im Hof der Behinderten-Schule haben die Aufräumarbeiten begonnen.
Foto: BEH

Neben dem Pfosten will Maryse Jean Jacques nicht stehen bleiben. Sie hat Angst, dass ihr sonst die von dem Pfeiler gestützte Betondecke auf den Kopf fällt. Denn bei dem schweren Erdbeben in Haiti am 12. Januar sind gerade die Betongebäude wie Kartenhäuser zusammengestürzt und haben Tausende Menschen unter sich begraben. Die von Maryse geleitete Bildungsorganisation CES, Partnerorganisation des evangelischen Hilfswerks "Brot für die Welt", ist Trägerin einer Behinderteneinrichtung in Port-au-Prince, deren Gebäude so schwere Schäden haben, dass sie nicht mehr benutzbar sind.

Die Schule ist zwar nur zum Teil zusammengefallen, ist jedoch völlig instabil. Angesichts der Risse ist an eine Benutzung der Behindertenschule genauso wenig zu denken wie an die noch schwerer getroffene Behindertenwerkstätte. Maryse weist darauf hin, dass die Behinderten schon vor dem Erdbeben zu den Schwächsten in der Gesellschaft gehörten. Sie würden zum Teil ausgegrenzt oder verstoßen. Außerdem sei es für viele Familien eine große finanzielle Belastung, für behinderte Kinder sorgen zu müssen.

Bündnis Entwicklung hilft

Für FR-online schreiben Mitarbeiter der dem "Bündnis Entwicklung hilft" angehörenden Entwicklungshilfeorganisationen über ihre Eindrücke aus Haiti.

Zum Bündnis gehören Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe. Sie leisten gemeinsam akute und langfristige Hilfe bei Katastrophen und in Krisengebieten.

Spendenkonto: Stichwort "Haiti", Konto 5151, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00.

Weitere Berichte von Helfern vor Ort finden Sie im Haiti-Spezial der Frankfurter Rundschau

CES-Direktorin Maryse Jean Jacques und Jean-Philip Viala, der BfdW Mitarbeiter des Projektbüros in  Haiti  inspizieren die Schäden an der Behindertenschule von CES in Port-au-Prince.
CES-Direktorin Maryse Jean Jacques und Jean-Philip Viala, der BfdW Mitarbeiter des Projektbüros in Haiti inspizieren die Schäden an der Behindertenschule von CES in Port-au-Prince.
Foto: BEH

Jean Philippe Viala, der Vertreter von "Brot für die Welt" in Haiti, bedauert, dass die Behinderteneinrichtung mit einem nach seinen Angaben einzigartigen Angebot durch das Erdbeben so stark in ihrer Arbeit eingeschränkt wurde. Die Schule haben rund 60 Kinder von sechs bis 20 Jahren besucht. Auch in der Werkstätte haben rund 60 Behinderte gearbeitet.

Die Direktorin von CES macht sich Sorgen um ihre Schützlinge. Viele haben in der Einrichtung auch Medikamente erhalten, die sie regelmäßig einnehmen müssen. Gerade in der kritischen Situation nach dem Erdbeben sind ihrer Ansicht nach die Behinderten eine besonders gefährdete Gruppe, weil sie auf Hilfe angewiesen seien. CES möchte nun über das Radio die Behinderten aufrufen, sich zu melden. Außerdem sollen die Mitarbeiter in den provisorisch entstandenen Notlagern in der Stadt auf die Suche gehen. Dafür sucht die Direktorin gerade geeignete Räumlichkeiten als Anlaufstation. Bei dem Ausmaß der Schäden ist es jedoch schwierig, etwas zu finden.

Im Hof der Schule liegen noch die Trümmer einer benachbarten Behinderteneinrichtung. Arbeiter haben jetzt damit begonnen, die Trümmer zu beseitigen. Unter den Trümmern werden auch noch Tote vermutet. Überall im Hof liegen Schulmaterialien verstreut. Für Maryse ist klar, dass es lange dauern wird, bis die Schäden beseitigt sind. So lange können die Behinderten ihrer Ansicht nach nicht warten. Deshalb sucht CES im Moment fieberhaft nach einer Zwischenlösung zur Unterbringung.

Autor:  Rainer Lang, Brot für die Welt
Datum:  4 | 2 | 2010
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