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19. Februar 2013

Brüssel Flughafen: Diamantenraub - das Millionending

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Erbeutet: Diamanten im Wert von rund 50 Millionen Dollar. Foto: dpa

Diamanten-Diebe: Innerhalb von wenigen Minuten stürmen acht Räuber am Brüsseler Flughafen ein Flugzeug und erbeute Diamanten im Wert von rund 50 Millionen Dollar - und können unerkannt mit ihrer Beute flüchten.

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Brüssel –  

Das Ding lief ab wie in einem spannenden Gangsterfilm. Aber wenn es nach Caroline De Wolf geht, steht das Ende dieses Kriminalfalls schon vor dem Abschluss der Ermittlungen fest: „Es handelt sich um Rohdiamanten. Die Chance, dass wir sie wiedersehen, ist gering“, gestand die Mitarbeiterin vom World Diamond Centre in Antwerpen am Dienstag dem Rundfunksender Radio 1.

Sie wiedersehen? Das ist in diesem Sinne doppeldeutig. Da sind zum einen die Räuber und zum anderen die Diamanten. Denn in Brüssel hatte sich am Montagabend ein dreister Überfall ereignet. Nicht so filigran wie im berühmten Kinofilm „Topkapi“, sondern eher etwas brachialer. Um kurz vor 20 Uhr durchbrachen zwei schwere Wagen die Absperrungen auf dem Flughafen und fuhren auf dem Rollfeld direkt vor eine Maschine der Schweizer Airline Swiss vor.

Der Flieger sollte nach Zürich abheben. Doch zum Start kam es nicht. Acht schwer bewaffnete Männer in Polizeiuniformen stürmten aus den Wagen und überrumpelten das Bodenpersonal. Es fiel kein einziger Schuss, auch verletzt wurde niemand. Die Passagiere in der Maschine bekamen von dem Blitzüberfall nach Angaben der Staatsanwaltschaft nichts mit. Das Diebesgut indes war groß. 120 Päckchen erbeuteten die Räuber, darin Diamanten im Wert von rund 50 Millionen Dollar, umgerechnet rund 37,4 Millionen Euro.

Die Diamantenexpertin De Wolf räumte ein, dass die Täter eine gute Beute gemacht haben. Eine Summe wollte sie nicht nennen, sie sprach von einem gigantischen Betrag. Da es sich um Rohdiamanten handelt, sind die Steine nicht geschliffen. „Die Diamanten sind bestimmt nicht mit einem Zertifikat versehen“, so De Wolf. Sprich: Die Spur der Steine wird sich wohl rasch verlieren. De Wolf: „Sie können leicht verkauft werden.“

Etwa drei Minuten dauerte der Überfall, dann rasten die Kriminellen mit ihrer Beute durch die von ihnen durchbrochenen Sicherheitsabsperrungen vom Flughafengelände in die Brüsseler Nacht. Die Staatsanwaltschaft wird auch der Frage nachgehen, wie die Täter an die Uniformen sowie die Wagen mit Blaulicht kamen. Unweit des Airports fanden die Ermittler die Wagen der Räuber, die Fahrzeuge waren ausgebrannt. „Die Täter sind sehr professionell vorgegangen, man fährt nicht einfach so an einem Flughafen vor. Wir erfüllen strengste internationale Sicherheitsanforderungen“, sagte Jan Van Der Cruysse vom Airport Brüssel der Zeitung Standaard.

Arbeit von Profis

Die Polizei aber rätselt. Weniger über die Art des Überfalls. Schon in den Jahren 1995 und 2000 war es auf dem Brüsseler Flughafen zu ähnlich spektakulären Diamantrauben gekommen. Diesmal hat die Polizei zunächst keine Spur von den Tätern. Fest steht nur: Es waren Profis.

Eine auf organisiertes Verbrechen spezialisierte Sondereinheit sucht nun in Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden nach den Tätern. Der Zeitung Het Laatste Nieuws zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass die Täter Komplizen am Flughafen hatten. Belgien ist ein internationaler Umschlagplatz im Diamanthandel. Rund 6,9 Millionen Karat werden hier pro Jahr eingeführt und in Antwerpen weiterverarbeitet.

Schauplatz des Millionenraubes: Der Brüsseler Flughafen.
Schauplatz des Millionenraubes: Der Brüsseler Flughafen.
Foto: AFP

Doch ist auch das Geschäft mit den schönen Steinen längst globalisiert. Staaten wie Dubai locken Händler mit günstigen Steuern. Der Markt ist in Aufruhr. Auch Gangster setzen dem belgischen Diamanthandel zu. Nach mehreren spektakulären Überfällen lag der Handel im Jahr 2001 kurzzeitig sogar komplett still. Die Fluggesellschaften weigerten sich, die gefährliche Ware weiter zu transportieren.

Bei dem Raubzug am Montag war die international tätige Firma Brink’s Diamond & Jewelry Services für die Sicherheit verantwortlich. Vergeblich. Ganz abfinden mit den regelmäßigen Überfällen will sich aber auch Caroline De Wolf nicht. Sie wies darauf hin, dass es, anders als beim Geldtransport, noch keine Koffer mit Farbkartuschen gebe, die im Fall eines Überfalls gezündet werden könnten. (mit afp/dpa)

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