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Bürgerenergie: Champion vom Nordseestrand

Längst zählen die Türme mit den sich drehenden Rotoren zu den Sinnbildern einer ganzen Region: Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ist diesjähriger Meister der "Solarbundesliga". Von Oliver Ristau

Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog an der Nordseeküste, nutzte als erste Gemeinde in Deutschland die Kraft der Windenergie.
Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog an der Nordseeküste, nutzte als erste Gemeinde in Deutschland die Kraft der Windenergie.
Foto: dpa

Wind gibt es reichlich im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Die Gemeinde an der Nordseeküste in Sichtweite zu Sylt gehört zu den ersten der Republik, die diese Kraft vor 20 Jahren mit Deutschlands erstem Bürgerwindpark zu Strom und Geld gemacht hat. Längst zählen die silbrigen Türme mit den sich drehenden Rotoren neben den Deichen, den Schafen und den weiten Feldern zu den Sinnbildern einer ganzen Region.

Seit kurzem hat das nordfriesische Idyll eine neue Facette erhalten: Auf den Dächern der Häuser, Ställe und Scheunen reflektieren bläuliche Solarfelder das Sonnenlicht. Insgesamt 24 große Solarkraftwerke arbeiten in der Kommune, und das bei nur 160 Einwohnern. Das ist deutschlandweit Rekord, weshalb der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog auch frisch gebackener deutscher Meister der seit 2001 ausgetragenen "Solarbundesliga" ist. An der Initiative der Fachzeitung Solarthemen und der Deutschen Umwelthilfe haben mehr als 1300 deutsche Kommunen teilgenommen. Champion wird dabei diejenige Gemeinde, deren Einwohner die meisten Solaranlagen installieren.

Mit mehr als 7000 Watt pro Kopf sind die Bürger des Koogs auch in Europa Spitze und führen die neu gegründete solare Champions League an. "Wir wollen damit Menschen und Kommunen europaweit motivieren, Solaranlagen zu bauen", erklärt Solarthemen-Chefredakteur Andreas Witt die Idee.

Solarer Aufbruch im Norden

Folgte jeder Bundesbürger dem Beispiel des Koogs, wären hierzulande 560 Gigawatt (GW) elektrische Solarleistung installiert. Das entspräche dem Vierfachen aller heimischen Stromerzeugungskapazitäten, inklusive Kohle- und Atomkraftwerke. Tatsächlich arbeitet in Deutschland lediglich ein Prozent dieser Menge. Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog ist nur ein Beispiel für den solaren Aufbruch im Norden. Unter den ersten sechs Kommunen der abgelaufenen Bundesligasaison stammen vier aus Schleswig-Holstein, die damit den bisherigen Gewinnern aus Bayern den Rang streitig machen.

Und das, obwohl die Region nicht gerade als Sonnenparadies gilt. Laut Deutschem Wetterdienst kommen dort 15 Prozent weniger solare Strahlungsenergie an als etwa in Oberbayern. "Hier gibt es aber kaum Industrie und wenig Verkehr, die die Luft verschmutzen", sagt Landwirt und Initiator Hans-Detlef Feddersen aus Deutschlands größter Solargemeinde. "Dadurch kann das Sonnenlicht ohne Streuung einstrahlen", erklärt er die überraschend hohen Solarerträge im Norden, mit der sich die regenerativen Kraftwerke rechnen.

Doch es ist nicht nur die Aussicht auf Gewinne oder die Meisterschaft, die die Menschen hier bewegen, in die Solarenergie zu investieren. "Wir leben auf Augenhöhe mit der See", sagt Feddersen, der zugleich Geschäftsführer des Bürgerwindparks ist. "Die Sorge vor dem Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels ist da sehr real." Der nach dem ersten Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins benannte Koog ist 1954 in mühevoller Landgewinnung der Nordsee abgetrotzt worden. Mit dem Solarengagement wollen die Menschen einen Beitrag zur Verringerung des Treibhauseffektes leisten - auf dass sich die See das Land nicht eines Tages wieder zurückhole.

Autor:  OLIVER RISTAU
Datum:  16 | 6 | 2009
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