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Buschbrände in Australien: Panik in der Bevölkerung

Auf der Suche nach Spuren von Brandstiftung riegelt die Polizei verkohlte Ortschaften ab. Behörden erklären die hohe Opferzahl mit Panik in der Bevölkerung und der schnellen Ausbreitung des Feuers.

Nach den Buschbränden in Süden Australiens sind in den Katastrophengebieten auch schwere Räumfahrzeuge der Armee unterwegs (09.02.2009).
Nach den Buschbränden in Süden Australiens sind in den Katastrophengebieten auch schwere Räumfahrzeuge der Armee unterwegs (09.02.2009).
Foto: rtr

Whittlesea. Auf der Suche nach Spuren von Brandstiftung hat die Polizei in Südaustralien verkohlte Ortschaften abgeriegelt und zu Tatorten erklärt. Bei den verheerenden Buschbränden im Süden Australiens könnte die Zahl der Toten auf mehr als 200 steigen. Das teilte der Premierminister des Bundesstaates Victoria, John Brumby, nach Angaben des Senders ABC mit. Victoria gehört zu den am schlimmsten betroffenen Regionen. Offiziell wurden bislang 173 Tote bestätigt. Viele von ihnen seien noch nicht identifiziert.

Ebenso wie in Victoria kämpfen die Feuerwehren auch in den Bundesstaaten New South Wales und South Australia weiter gegen die Flammen. Unterdessen fahndet die Polizei nach Brandstiftern. Eine aus 100 Beamten bestehende Sonderkommission soll die Ursachen der Brände klären. Aus den Ergebnissen sollten Lehren gezogen werden, damit sich ein solches Desaster nicht wiederholen kann, sagte Brumby.

Die australische Feuerwehr füllen ihren Tankwagen auf (09.02.2009).
Die australische Feuerwehr füllen ihren Tankwagen auf (09.02.2009).
Foto: getty

In den Katastrophengebieten sind auch schwere Räumfahrzeuge der Armee unterwegs. Viele Menschen wurden auf der Flucht vor den Flammen in ihren Autos eingeschlossen und verbrannten. Die Feuerwehren riefen die Bewohner gefährdeter Gebiete auf, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Ministerpräsident Kevin Rudd erklärte im Fernsehen sichtlich bewegt, sollte sich herausstellen, dass einige der 400 tödlichen Feuer vorsätzlich gelegt worden seien, müsse man von Massenmord sprechen.


Foto: FR/dpa

Generalstaatsanwalt Robert McClelland erklärte, falls jemand vorsätzlich Feuer gelegt habe, drohe ihm eine Mordanklage. Das Parlament unterbrach am Montag seine reguläre Sitzung für Beileidsbekundungen der Abgeordneten. Viele Redner wirkten zutiefst ergriffen.

Für die hohe Opferzahl machten die Behörden Panik unter den Menschen und die rasend schnelle Ausbreitung der Flammen verantwortlich. Die von starken Winden angefachte und von Temperaturen bis 47 Grad begünstigte Feuerwalze zerstörte seit Samstag in Victoria mindestens 750 Häuser. Betroffen waren auch die Staaten South Australia und New South Wales. Aus der Luft bot sich ein Anblick der Verwüstung. Die verkohlte Landschaft reichte bis zum Horizont, ganze Wälder und Felder gingen in Asche auf.

Viele Menschen hätten offenbar nicht genügend Zeit zur Flucht gehabt, sagte Polizeisprecherin Christine Nixon. "Wir finden Leichen am Straßenrand, in verunglückten Autos." Der Überlebende Jack Barber berichtete, wie er am Samstag mit seiner Frau auf einem Sportplatz Zuflucht fand und dort über Stunden versuchte, den vom Wind angefachten Flammen zu entgehen.

Am Sonntag brachte sich das Paar nach Whittlesea in Sicherheit. "Da waren tote Pferde, lebende Pferde, Kängurus mit brennendem Rücken, die die Straße entlang sprangen. Es war fürchterlich." Der Fernsehsender Nine Network berichtete von einer Frau, die die Feuersbrunst mit ihren Kindern im Erdbau eines Wombats überstanden habe.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) machte für die verheerenden Auswirkungen der Buschbrände mangelhafte Vorbeugung und ungenügende Einstellung des Menschen auf natürliche Gegebenheiten verantwortlich. Während im Norden Australiens Brände auf Millionen Hektar kaum nennenswerte Schäden anrichteten, reiche im Süden oft ein einziges Feuer, um erhebliche Verluste an Menschenleben und Eigentum zu verursachen.

"Hauptgrund dafür ist die nicht an Brände angepasste Landnutzung und Besiedlung sowie fahrlässiger Umgang mit Feuergefahr," erklärte der WWF-Waldexperte Markus Radday. Davon seien auch gefährdete Tierarten wie der Bilby, ein Beuteltier mit dem Aussehen eines Hasen, und der Great Desert Skink, eine Echsenart, bedroht. (ap/dpa)

Datum:  9 | 2 | 2009
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