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03. Mai 2013

Cat Content: Katzen regieren das Internet

 Von Katja Lüthge
Katzen regieren das Internet.  Foto: imago stock&people

Längst haben Katzen nicht nur Wohnzimmer, sondern auch das Internet erobert. Was haben die Tiere, was andere nicht haben? Eine netzkritische Einordnung von Cat Content.

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Längst haben Katzen nicht nur Wohnzimmer, sondern auch das Internet erobert. Was haben die Tiere, was andere nicht haben? Eine netzkritische Einordnung von Cat Content.

"Cat Content. SMS von meinem Kater" hat die unter Pseudonym twitternde und bloggende Katja Berlin ihr jüngst veröffentlichtes Buch genannt und Katze ist auch drin. Genauer handelt es sich um den Abdruck von fiktiven, auf einem Smartphone abgehaltenen SMS-Dialogen mit ihrem Freigängerkater. Der ist offensichtlich gern Einzelkatze, hasst Kinder, hat Angst vor Staubsaugern und delektiert sich als Feinschmecker gern auch mal an Singvögeln – vom Selbstverständnis also eher ein Garfieldtyp nur ohne Lasagne –, während das Single-Frauchen noch auf der Suche nach dem Traummann ist.

Die zu Papier gebrachte Konversation zwischen den ungleichen Partnern ist so leidlich amüsant gelungen, verweist aber erneut auf ein erstaunlich hartnäckiges Phänomen: die allgegenwärtige Anwesenheit und Beliebtheit von „lustigen“ Katzen in den Medien, insbesondere natürlich im Internet.

Cat Content im Netz

Der Vorteil des Internets gegenüber dem mit Ausnahme einer grinsenden Cartoonkatze auf dem Einband bildlosen Buches ist evident: In die unermesslichen Weiten des Netzes lassen sich ständig neue Fotos und Bewegtbilder von irgendwie besonderen Katzen hochladen. Katzen, die aufs Spülklosett gehen, Katzen, die bevorzugt sehr kleine Kinder umwerfen, Katzen im mehr oder weniger freiwilligem Kontakt mit Wasser. Katzen, die von Mäusen in die Flucht geschlagen werden, Katzen, die Türen auf- und wieder zumachen können, Katzen, die unermüdlich Bällchen apportieren.

Katzen in bekloppten Verkleidungen, Katzen im selten adäquaten Umgang mit technischen Geräten aller Art und immer wieder Katzen, die in Folge von Unachtsamkeit oder Selbstüberschätzung abstürzen gibt es dort tausendfach zu sehen. Oft ganz ohne Worte.

Aber es soll ja auch noch Menschen und Katzenliebhaber geben, die nicht twittern, keine Blogs lesen und das Internet vor allem zum Arbeiten nutzen, die greifen dann vielleicht zum Tiergedanken transkribierenden Druck-Erzeugnis. Denn mit „Cat Content“, also mit auf Katzen bezogenen Inhalten, lässt sich in beiden Welten im günstigen Fall Geld verdienen.

Überraschungserfolg: die Lolcats

Ein Überraschungserfolg etwa gelang mit den legendären Lolcats. Zunächst als niedliche Bilder mit lustigen Kurztexten in bewusst verkehrtem Englisch „I can has cheezburger“ von jedermann ins Netz gestellt, ist aus der Seite mittlerweile ein lukratives Unternehmen geworden. Katzen wie die wohl erbkrankheitsbedingt ausgesprochen übellaunig dreinblickende „Grumpy Cat“ werden zig-millionenfach geklickt, und deren geschäftstüchtige Besitzer haben mit monothematisch bedruckten Tassen, T-Shirts und Tragetaschen enormen Erfolg.

Auch der japanische Kater und Kartonfetischist Maru avancierte mit Youtube-Videos zum Internetstar. Vor diesem Hintergrund mag es dann auch nicht verwundern, das im vergangenen Sommer 10.000 Zuschauer zum ersten Internet Cat Video Film Festival nach Minneapolis pilgerten, wo in den Sektionen Drama, Humor, Action und Porno 80 Katzenkurzfilme aus dem Netz gezeigt wurden. Den Publikumspreis gewann übrigens der existenzialistisch verstimmte Henry aus „Henri 2. Paw de Deux“ – auch sein Halter mittlerweile ein professioneller Cat Content Provider.

Und nicht nur mit realen, auch mit animierten Katzen lässt sich echtes Geld verdienen, wie die kurzen Minimalanimationsfilme über „Simon’s Cat“ zeigen.

Stubentiger entsprechen dem Kindchenschema

Warum sind es vor allen anderen Haustieren Katzen, die sich auch im Internet so großer Beliebtheit erfreuen? Zum einen kommt den Stubentigern mit den großen Augen und dem kleinen Stubsnäschen ihr Kindchenschema zugute. Anders als bei Hunden ist das Aussehen und das Verhalten von Katzen verbindlicher, sie sind von daher kulturübergreifend leichter zu erkennen und zu verstehen. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Rassen und Sonderbarkeiten, aber die prototypische Katze dürfte weltweit relativ gleich aussehen, wogegen etwa Chihuahua und Irischer Wolfshund kaum noch etwas gemein zu haben scheinen.

Zum einen vergöttert und zum andern verteufelt verbinden sich historisch betrachtet darüber hinaus starke Gefühle mit Felis silvestris catus. Ob im positiven oder negativen Sinn gedeutet, die wahlweise als Samtpfoten geliebten oder als lautlose Killer geziehenen Jäger umweht stets etwas Geheimnisvolles und Unberechenbares. Ein letztes Mysterium in einer durch und durch rationalisierten Welt. Nicht umsonst halten sich hartnäckige Gerüchte um eine zukünftige Weltherrschaft der Katzen.

Diese ambivalente menschliche Haltung gegenüber Katzen lässt sich auch an den eingestellten Bilder und Clips im Netz ablesen. Denn man fragt sich beim Schauen schon häufiger, ob das zu Sehende eher von Katzenfreunden oder -hassern hochgeladen wurde. Nur selten gehen die Scherze zulasten der Menschen, wie bei den beiden Katzen, die interessiert von einem Dach runterschauen und in den Mund gelegt bekommen: „Du hast Recht. Menschen landen nicht auf ihren Füßen.“

Häufiger scheint es Schadenfreude zu sein, die angesichts misslungener Sprünge und philosophierender Katzen bedient wird. Ein Verdacht, den wohl auch die Kritiker des Spektakels um die beeinträchtigte Grummelkatze hegen. „Free Grumpy Cat“ heißt eine im Netz gestartete Initiative. Ein Ende des Katzenhypes ist dennoch nicht abzusehen.

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