Zwei Tage nach den verheerenden Erdrutschen sind im Nordwesten Chinas bisher mehr als 330 Tote geborgen worden. Über 1100 Menschen wurden in den Geröll- und Schlammmassen am Montag noch vermisst, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf einen örtlichen Politiker meldete. In einem Wettlauf gegen die Zeit gruben die Rettungskräfte vielerorts mit bloßen Händen und Schaufeln verzweifelt nach Überlebenden.
Auch Soldaten durchsuchten die Trümmer eingestürzter Häuser nach Überlebenden. Andere versuchten, mit schwerem Gerät und Sprengstoff einen Damm aus Schlamm und Geröll an einem Fluss oberhalb der am Sonntag schwer verwüsteten Stadt Zhouqu zu sprengen, um so eine weitere Flutwelle zu verhindern.
In dem mehrheitlich von Tibetern bewohnten Bezirk Zhouqu in der Provinz Gansu hatte es am Samstag nach heftigen Regenfällen mehrere Erdrutsche gegeben. Betroffen ist laut Xinhua ein Gebiet von 500 Metern Breite und fünf Kilometern Länge. Mindestens drei Dörfer wurden in der bergigen Region komplett unter Schlamm und Steinen begraben. An manchen Orten stand das Schlammwasser in den Straßen bis zur dritten Etage der Häuser.
34 Stunden nach einem Erdrutsch bargen Rettungskräfte nach Angaben von Xinhua eine 74-Jährige. Die Frau war demnach geschwächt, konnte aber sprechen. Medienberichten zufolge wurden bislang mehr als 680 Menschen aus den Erdmassen gerettet, die Rettungskräfte hoffen auf weitere Überlebende. „Wir haben Lebenszeichen gehört, klingelnde Telefone und Hilferufe“, zitierte Xinhua einen Einsatzleiter von rund 500 Soldaten. Wie die Zeitung „China Daily“ berichtete, warteten viele Überlebende auf ihren Dächern auf Rettung, andere trugen ihre toten Familienmitglieder auf Bahren davon.
Die Behörden schickten rund 4500 Soldaten, Polizisten, Feuerwehrmänner und Ärzte in die Region, wie das chinesische Fernsehen berichtete. Sie verteilten vor Ort Zelte, Stromgeneratoren, Nahrung und Trinkwasser. Da es keine Bagger und großen Einsatzfahrzeuge gab, bemühten sich die Einsatzkräfte mit Schaufeln und bloßen Händen darum, Überlebende aus den Geröllmassen zu befreien.
Der nach Gansu gereiste Ministerpräsident Wen Jiabao versprach am Sonntagabend, dass die Suche nach Überlebenden fortgesetzt werde, solange noch Hoffnung für die Verschütteten bestehe. Er rief die Einsatzkräfte zur Hilfe für die rund 45.000 betroffenen Bewohner auf. Gansu grenzt im Süden an die Region Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben knapp 87.000 Menschen getötet oder vermisst gemeldet wurden.
China erlebt in diesem Jahr als Folge immer neuer schwerer Regenfälle die schlimmsten Überschwemmungen seit zehn Jahren. Mehr als 2100 Menschen kamen dabei bereits ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet, mehr als 1,4 Millionen Häuser wurden zerstört. Mindestens zwölf Millionen Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. (afp/dpa)
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