Auch in China ist die Kältewelle derzeit das beherrschende Thema. In weiten Bereichen Nordchinas ist das Thermometer in den vergangenen Tagen so tief gefallen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In Peking wurden am Mittwoch minus 16,7 Grad Celsius gemessen, die tiefste Temperatur seit 1971. Das Meteorologische Amt geht davon aus, dass die Temperaturen in den kommenden Tagen in weiten Teilen des Landes um weitere 6 bis 8 Grad Celsius fallen werden. In den westchinesischen Provinzen Sichuan und Qinghai ist sogar mit Temperatureinbrüchen von über zehn Grad zu rechnen. Starker Schneefall hat in vielen Städten zu Verkehrschaos geführt und fesselt auf dem Land die Menschen an ihre Häuser. In einigen Regionen ist die Schneedecke inzwischen über 75 Zentimeter dick.
Die Behörden wappnen sich für den Kältenotstand. Weil die Temperaturen zunehmend das Stromnetz belasten, bekamen in den Provinzen Shandong, Jiangsu und Zhejiang tausende Fabriken die Elektrizität abgestellt. Auch in Shanghai erklärten die Behörden, dass man dem erhöhten Verbrauch nur noch knapp gewachsen sei und bei anhaltender Kälte zu Rationierung gezwungen sein könnte. Chinesischen Bestimmungen zufolge dürfen in Häusern südlich des Jangtse keine Zentralheizungen eingebaut werden, weshalb sich viele Menschen in der kalten Jahreszeit mit Elektroöfen oder Klimaanlagen behelfen müssen.
Verschlimmert wird die Situation durch die geringe Kohlelagerung in den Kraftwerken. Durch das Wetter ist der Nachschub schwer zu gewährleisten. In einigen Städten wird bereits von stark ansteigenden Lebensmittelpreisen berichtet. Die Kältewelle weckt in China Erinnerungen an das Jahr 2008, als ein Wintereinbruch die Volksrepublik weitgehend unvorbereitet traf und Millionen Menschen nicht rechtzeitig zum traditionellen Frühlingsfest in ihre Heimat reisen konnten. Die Regierung hatte daraufhin versprochen, beim nächsten Mal besser präpariert zu sein.
So bereiten sich die Behörden derzeit schon auf die Probleme vor, die nach der Kälteperiode bevorstehen. Da der Gelbe Fluss über weite Strecken zugefroren ist, befürchtet das Ministerium für Wasserressourcen, dass es bei der Schmelze zu starken Überschwemmungen kommen könnte. Insgesamt sei Nordchinas wichtigste Wasserstraße an 17 Stellen und über eine Gesamtlänge von über 900 Kilometern vereist, berichten chinesische Medien. Lokale Regierungen sind angewiesen worden, Notfallpläne zu entwickeln. Rund 50 schwimmende Pontonbrücken, hinter denen sich Wasser aufstauen könnte, werden bereits vorsorglich abgebaut.
In den offiziellen Medien hat der staatliche Kampf gegen die Kälte bereits ein Gesicht bekommen: das des Schneeschippers Wang Changrong. Der 48-Jährige, der in Peking seit 25 Jahren als Straßenkehrer arbeitet, war am Donnerstag bei der Arbeit zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Seitdem liegt er in einem Militärkrankenhaus, wo Ärzte um sein Leben kämpfen. Wang soll seit dem 2. Januar täglich 19 Stunden lang Schnee geschaufelt haben.
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